Verfahren der Schmerzausschaltung beim thermischen Enthornen von Kälbern

Projektlaufzeit 11/2014 - 04/2018

Projektziel:

Bewertung unterschiedlicher Verfahren der Schmerzausschaltung in Bezug auf Stressparameter, Gesundheit und Wachstum der Kälber, den zu leistenden Arbeitsaufwand sowie den Medikamenteinsatz und Erfahrungsbericht zum Besamungseinsatz genetisch hornloser Bullen in der Milchviehherde des LVG Köllitsch.

Projektergebnisse:

  • Die thermische Enthornung ist für die Kälber mit unmittelbaren Schmerzen und Stress durch den Eingriff sowie mit entzündungsbedingten Schmerzen durch die Enthornungswunden verbunden. Es stellt einen stark belastenden Eingriff für das Kalb dar und rechtfertigt die Notwendigkeit eines geeigneten Schmerzmanagements.
  • Ausmaß der stress- und schmerzbedingten physiologischen und ethologischen Reaktionen, aber auch die Wundheilung und die Auswirkung auf die Tiergesundheit  werden durch die Wahl des Schmerzmanagements beeinflusst.
  • Die Anwendung einer Leitungsanästhesie ermöglichte eine Ausschaltung bzw. deutliche Reduktion des durch die unmittelbare Enthornung verursachten Schmerzes.
  • Lokal anästhesierte Kälber zeigten auch eine bessere Wundheilung.
  • Die Gabe eines Sedativums, auch in der hohen Dosis, ohne Leitungsanästhesie führte nicht zu einer vergleichbaren Reduktion der untersuchten physiologischen und ethologischen Schmerzindikatoren.
  • Die Stärke der gemessenen Schmerzbelastung im Zusammenhang mit der Enthornung hatte Auswirkung auf die Wahrscheinlichkeit der späteren Erkrankung der Kälber.
  • Es wird empfohlen, eine Kombination aus Sedation, Lokalanästhesie und einem schmerz- bzw. entzündungshemmenden Mittel begleitend zur Enthornung anzuwenden. Die Sedation dient dabei der Ruhigstellung der Kälber für die sichere Applikation des Lokalanästhetikums und für die Enthornung. Das Schmerzmittel wirkt entzündungshemmend und dem postoperativen Schmerz entgegen.
  • Die bei Nutzung der Lokalanästhesie in Deutschland zwingend vorgeschriebene Beteiligung eines Tierarztes führt zu einer relevanten Erhöhung der Kosten des Schmerzmanagements für den Landwirtschaftsbetrieb. Die kalkulierten Mehrkosten für eine Leitungsanästhesie sollten unter dem Aspekt eines wirksamen Schmerzmanagements sowie im Zusammenhang mit einer positiven Auswirkung auf die Tiergesundheit und die Entwicklung der Nachzucht bewertet werden.
  • Zur Vermeidung des Hornwachstums ist der Einsatz genetisch hornloser Tiere möglich. In der Rasse Holstein Frisian ist dass Angebot homozygot hornloser Vererber in den letzten Jahren stark angestiegen. Der Einsatz homozygot hornloser Bullen führt schon in der ersten Generation zu 100% hornlosen Nachkommen. Es ist zu erwarten, dass eventuelle Nachteile  der Träger des Hornlos-Faktors bezüglich Leistungsfähigkeit und Fruchtbarkeit der Nachkommen mit der zunehmenden Verbreitung im Zuchtviehbestand an Relevanz verliert.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Dr. Ilka Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2212

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: ilka.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Partner im Projekt

Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, Herr Prof. Alexander Starke, Herr Dr. Gerd Möbius

zurück zum Seitenanfang