Hygiene und Fütterungsmaßnahmen für gesunde Tränkkälber

Erprobung von Hygiene- und Fütterungsmaßnahmen für Tränkkälber in den ersten Lebenstagen zur Vermeidung von durch Kryptosporidien bedingten Durchfallerkrankungen

Projektlaufzeit:

09/2015 - 12/2019

Projektziele:

  • Ermittlung möglicher Ursachen für Durchfallerkrankungen beim Kalb in den ersten drei Lebenswochen durch Monitoring
  • Erprobung von prophylaktischen Hygiene- und Fütterungsmaßnahmen zur Vermeidung von Durchfallerkrankungen beim neugeborenen Kalb
  • Empfehlungen von Maßnahmen zur Sicherung eines hohen Gesundheitsstatus der Kälber

Projektergebnisse:

Monitoring:

  • Der Anteil von Kälbern, welche an mindestens einem Untersuchungstag Durchfallsymptome aufwiesen, war mit 56% der untersuchten Kälber sehr hoch.
  • Unerwartet häufig waren Infektionen mit Cl. perfringens in der ersten Lebenswoche nachweisbar, >80% der Kälber waren mit Kryptosporidien infiziert, nur einer von 60 Betrieben blieb ohne positiven Befund auf Cryptosporidium parvum.
  • Überwiegend unzureichend wurden die Hygienemaßnahmen in den Abkalbebereichen eingeschätzt.
  • Das Kolostralmilch-Management war in der Mehrheit der Betriebe nicht geeignet, eine rechtzeitige Versorgung der Kälber mit hochwertigem Erstgemelk sicherzustellen (personelle Absicherung, Melk- und Tränkzeitpunkt). In 90% der Betriebe war der Status der Kolostralmilchversorgung der Kälber unbekannt. Von den Betrieben, welche für die Monitoringuntersuchung den Versorgungsstatus feststellen ließen, entsprach dieser in nur 29% der Betriebe den Zielvorgaben für eine gute Versorgung.
  • In 89% der Betriebe wurden die Kälber in den ersten Tagen nach der Kalbung einzeln gehalten. 50% dieser Betriebe nutzen dazu Einzeliglus im Außenbereich.
  • Die Haltungshygiene war nur selten geeignet, frühe Infektionen der Kälber mit pathogenen Durchfallerregern zu vermeiden. Hier fehlt teilweise Fachwissen bzw. die Zeit und Einsicht, dieses konsequent umzusetzen. Zu kurze Leerstandzeiten, ein hohes Infektionspotenzial durch direkten oder indirekten Kontakte zu erkrankten Kälbern, über Bedarfsgegenstände und Ausrüstung sowie das betreuende Personal und fehlende bzw. unsachgemäße Reinigung &. Desinfektion wurden ursächlich festgestellt.
  • Im ersten Tränkabschnitt kommt in der überwiegenden Mehrheit der Betriebe Vollmilch zum Einsatz. In 2/3 der Betriebe wird Vollmilch auch länger als 7 Tage getränkt. Ein Zusammenhang des Fütterungsverfahrens zum Grad der Durchfallhäufigkeit konnte nicht festgestellt werden.

Bewertung von Hygiene- und Fütterungsmaßnahmen:

  • Die Konstitution der Kälber zum Zeitpunkt der Geburt und die Kolostralmilchversorgung hat einen maßgeblichen Einfluss auf die gesundheitliche und körperliche Entwicklung der Kälber.
  • Durch das konsequente Umsetzen von gezielt auf die betriebsindividuellen Bedingungen abgestimmten Maßnahmen war es möglich, den Anteil von Kälbern mit Durchfall zu senken, die Ausscheidung von Cryptosporidien-Oozysten ohne zusätzlichen Medikamenteneinsatz auf null zu setzen und mittel und hochgradige Infektionen mit Cl.perfringens zu reduzieren.
  • Die gesundheitliche Situation, speziell das Durchfallgeschehen, und das Wachstum der Kälber war signifikant durch das betriebsindividuelle Management geprägt. Die Fütterungszusätze wirkten nur graduell und in den verschiedenen Betrieben nicht gleichgerichtet.
  • Einzig bezüglich des Nachweises von Cryptosporidien im Kot der Kälber war neben den Betriebseffekten auch eine reduzierende Wirkung einzelner Futtermittelzusätze nachweisbar.

 Empfehlungen für die praktische Versorgung neugeborener Kälber:

  • Ausgehend von dem relevanten Einfluss der Konstitution der Kälber zum Zeitpunkt der Geburt auf den weiteren Verlauf der gesundheitlichen und körperlichen Entwicklung der Kälber wird empfohlen, die Versorgung der Kühe vor allem im letzten Trächtigkeitsdrittel zu optimieren.
  • Da eine hohe Kolostralmilchqualität nur bei optimaler Vorbereitung der Kühe auf die Kalbung realisiert wird und für die Versorgung des Kalbes mit lebenswichtigen Wirkstoffen unverzichtbar ist, wird empfohlen die Kolostralmilchqualität zu mindestens einmal je Quartal stichprobenartig mit Hilfe von Refraktometern oder einem Kolostrumeter zu erfassen.
  • Es wird empfohlen, zur Minderung des Infektionsrisikos für die neugeborenen Kälber, jeder Kuh zur Abkalbung einen sauberen, frisch eingestreuten Abkalbeplatz zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sollte die Person, welche die Erstversorgung der Kälber übernimmt Handschuhe Hygienekleidung und saubere Stiefel tragen, um eine Erregerübertragung über die Arbeitskleidung zu vermeiden.
  • Es wird empfohlen, Arbeitsabläufe so zu planen, dass die Versorgung von neugeborenen Kälbern mit hochwertiger Kolostralmilch Priorität hat. Die im Betrieb 45 praktizierte Arbeitsroutine kann als ein, bezüglich der Versorgung der Kälber mit hochwertigem Kolostrum, erfolgreiches Verfahren eingeschätzt werden.
  • Fütterungszusätze können die Stabilität der Kälbergesundheit in begrenztem Umfang fördern. Nachhaltiger ist die konsequente betriebsindividuelle Anpassung von Haltungs- und Fütterungsverfahren von Kühen und Kälbern bezüglich einer guten Konstitution und Vitalität sowie einem geringen Risiko für die Infektion mit potenziell enteropathogenen Erregern.

Abschlussbericht

Der Abschlussbericht wird in Kürze an dieser Stelle veröffentlicht.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Dr. Ilka Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2212

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: ilka.steinhoefel@smul.sachsen.de

Partner im Projekt

Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät,
Institut für Parasitologie
Prof. Dr. Arwid Daugschies

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