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Aktueller Rat zum Pflanzenschutz und Pflanzenbau

Der aktuelle Rat zum Pflanzenschutz und Pflanzenbau informiert Sie über erforderliche Arbeiten, Befallssituationen, Anwendungshinweise von Pflanzenschutzmitteln, Gestaltung von Fruchtfolgen und vieles mehr.

Der aktuelle Rat erscheint von Februar bis Oktober wöchentlich hier im Internetangebot.

22.03.2017

Pflanzenschutz

Mit dem Einsetzen des Längenwachstums beim Raps ist über die Notwendigkeit einer wachstumsregulatorischen Maßnahme zu entscheiden. Im Frühjahr ist das Hauptziel beim Einsatz von Wachstumsreglern die Erzielung der Standfestigkeit und damit die Vermeidung von Lager. Die Notwendigkeit einer Maßnahme und die Aufwandmenge ist an der Sorte und am jeweiligen Bestand auszurichten. Sind die Sorten stark wüchsig und neigen zu Lager bzw. sind die Bestände recht üppig und dicht, kann eine Wachstumsreglermaßnahme sinnvoll sein. Bei standfesteren Sorten dagegen ist die Wachstumsregulierung weniger gefordert und die Ökonomie oft in Frage gestellt. Für eine gute Wirkung dieser Maßnahme sollten zum Einsatztermin ab 30 cm Wuchshöhe, wüchsige Bedingungen herrschen, Tagestemperaturen über 10 °C und keine Nachtfröste sowie ausreichend Blattmasse zur Aufnahme des Mittels vorhanden sein. Ansonsten kann es auch zu negativen Effekten kommen.

Für eine Nutzung des Prognosemodells SkleroPro unter www.isip.de, mit dem die Notwendigkeit und der optimale Termin einer Blütenbehandlung gegen Sclerotinia be-rechnet werden kann, sollten Sie sich unbedingt den Termin des Entwicklungsstadiums BBCH 55 Ihrer Rapsschläge notieren! Dieses Stadium ist erreicht, wenn bei 50 % der Pflanzen auf einem Schlag die Einzelblüten der Hauptinfloreszenz sichtbar sind. Das heißt, dass der Blütenstand die Blattebene überragt hat und sich die Einzelblüten voneinander trennen, aber noch geschlossen sind.

Befallskontrollen auf Feldmäuse sollten weiterhin nicht vernachlässigt werden.

Dr. Michael Kraatz

Pflanzenbau

Sojaanbau auch in Sachsen möglich

Soja bevorzugt leicht erwärmbare, gut strukturierte Böden mit guter Wasserführung in Lagen, in denen auch Körnermais der Reifegruppen ab K 240 angebaut werden kann. Im Keimblattstadium verträgt Soja Spätfröste bis -5 °C. In der Blüte (Juni/Juli) hingegen braucht Soja mindestens 8 °C und dann bis zur Kornfüllung im August eine gesicherte Wasserversorgung. Mit Beregnung kann Soja somit in vielen Gegenden Sachsens angebaut werden. Geeignete Vorfrüchte sind Kulturen mit geringer N-Nachlieferung. Raps, Sonnenblumen und Tabak sollten wegen der Gefahr der Sklerotinia-Übertragung nicht vor Soja stehen. Ansonsten ist Soja sehr gesund und kann auch auf Flächen mit Leguminosenmüdigkeit angebaut werden. Als Nachfrüchte eignen sich Winterweizen und Sommerungen, die die von Soja hinterlassene gute Bodenstruktur schätzen. Soja hinterlässt im Einzelfall erhebliche Mengen Stickstoff. Dieser Stickstoff ist bei der N-Düngung der Folgefrüchte unbedingt mit zu berücksichtigen.

Für kühlere Standorte sind nur die frühen 000-Sorten geeignet, bei späteren Sorten ist die Abreife zu unsicher. An wärmeren Standorten können mittlere bis späte 000-Sorten und 00-Sorten angebaut werden. Letztere können mit Rohproteingehalten über 46 % für die Tofu-Herstellung verwendet werden. Für Einsteiger ist insbesondere die sehr frühe Sorte Merlin geeignet. Aktuelle Sortenempfehlungen finden Sie unter dem Link am Ende des Beitrages.

Vor der Saat müssen die Bohnen mit Rhizobien geimpft werden, da die mit Soja symbiontischen Bakterienstämme in Mitteleuropa nicht vorkommen. Dazu wird je ha eine Packung Biodoz Soja, Hi-Sick oder Force 48 mit dem Saatgut vermengt. Bei der erstmaligen Aussaat sollte die Impfmenge verdoppelt werden. Auch vorgeimpftes »Fix-und-Fertig-Saatgut« sollte nochmals nachgeimpft werden Für die Aussaat mit pneumati-schen Einzelkornsämaschinen ist zusätzlich ein Haftmittel zu verwenden. Die Rhizobien sind empfindlich gegen UV-Strahlen und Hitze, weshalb erst unmittelbar vor der Aussaat geimpft wird.

Soja braucht ein sehr ebenes Saatbett, das nur flach gelockert wurde. Wichtig ist ein Anschluss an den feuchten Unterboden. Steine sollten eingewalzt werden, damit das Schneidwerk beim Mähdrusch tief geführt werden kann und auch die untersten Hülsen erfasst. Gesät wird ab 10 °C Bodentemperatur zu Beginn einer sonnigen Wetterperiode. Verzögert sich das Auflaufen wegen nasskalter Witterung, drohen Befall mit Bohnensaatfliege, Fußkrankheiten oder verstärkter Taubenfraß. Soll Soja gestriegelt und gehackt werden, ist eine Saattiefe von 5 cm, ansonsten 3-4 cm einzuhalten. Als Sä-technik eignen sich normale Getreidedrillen oder Einzelkornsämaschinen. Die Saatstärke beträgt 60-70 Körner/m², der Reihenabstand zum Hacken je nach Technik 30-50 cm. Soja ist bis zum Bestandesschluss unkrautfrei zu halten. Beim Herbizideinsatz ist auf die unterschiedliche Empfindlichkeit der Sorten gegen Metribuzin zu achten. Weitere Informationen zum Sojaanbau finden Sie unter dem Link am Ende des Beitrages.

Ulf Jäckel

Marginalspalte

Bild: Pflanzenschutz

Weitere Informationen

  • Warndienst
    Ausführliche Informationen zur Schaderregersituation und zu gezielten Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen.

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