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Aktueller Rat zum Pflanzenschutz und Pflanzenbau

Der aktuelle Rat zum Pflanzenschutz und Pflanzenbau informiert Sie über erforderliche Arbeiten, Befallssituationen, Anwendungshinweise von Pflanzenschutzmitteln, Gestaltung von Fruchtfolgen und vieles mehr.

Der aktuelle Rat erscheint von Februar bis Oktober wöchentlich hier im Internetangebot.

27.07.2017

Pflanzenschutz

Befallskontrollen auf Blattkrankheiten bei Zuckerrüben intensivieren

Infolge der anhaltend niederschlagsreichen Witterung besteht weiterhin ein hoher Cercospora-Infektionsdruck. Laut Cercospora-Pronosemodell ist auch mit einer weiteren Ausbreitung des Infektionsrisikos zu rechen. Bisher (Stand 30. KW) wurden erste Befallssymptome der Cercospora-Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola) in der Lommatzscher Pflege und im Raum Leipzig nachgewiesen. Auf Einzelflächen konnte auch Ramularia festgestellt werden und schlagweise (z. B. nach Hagel) waren auch Symptome der Bakteriellen Blattfleckenkrankheit zu finden, die häufig mit Cercospora verwechselt werden. Intensive und kontinuierliche Befallskontrollen auf relevante Blattkrankheiten sind weiterhin erforderlich. Als unterstützendes Werkzeug empfehlen wir auch das Cercospora-Prognosemodell unter www.isip.de. Der empfohlene Bekämpfungsrichtwert liegt bis zum 31. Juli bei 5 % Befallshäufigkeit (5 von 100 Blättern aus dem mittleren Blattapparat zeigen Befall) und danach bis zum 15. August bei 15 % Befallshäufigkeit.

Kartoffeln – anhaltender Infektionsdruck durch Krautfäule

Die Gefährdung der Kartoffelbestände durch Krautfäule ist je nach Niederschlagsaufkommen mittel bis hoch, so dass die Spritzabstände der Krautfäulebehandlungen entsprechend anzupassen sind. In den Gebieten mit stärkerem Krautfäuledruck sollte bei der feucht-warmen Witterung besonders auf ausreichenden Schutz bei der Abreife geachtet werden, damit es zu keinen Knolleninfektionen kommt. Nach Abschluss des Krautwachstums wird nur noch der Einsatz von Kontaktfungiziden empfohlen. Um die gebildeten Tochterknollen im Boden vor Krautfäuleinfektionen zu schützen, ist ca. acht bis zehn Tage vor der Krautbeseitigung die Abschlussspritzung mit einem sporenabtötenden Mittel Ranman oder Shirlan (anstatt Shirlan wahlweise Carneol, Nando 500 SC, Terminus) durchzuführen. Solange noch grünes Kartoffelkraut vorhanden ist, werden Phytophthora-Sporen gebildet. Diese gelangen durch Wind, Tau- und Regentropfen in den Boden und bleiben dort einige Tage bis Wochen infektionsfähig und können die neuen Knollen infizieren.

Kontrolle auf Ackerschnecken

Die feuchte Witterung der letzten Tage bietet ideale Bedingungen für die Entwicklung der Ackerschnecken. Eine Gefährdung besteht für die auflaufenden Rapssaaten und gegebenenfalls auch für das auflaufende Wintergetreide. Zur Eindämmung der Schneckenpopulation sollten vorrangig die ackerbaulichen Maßnahmen zwischen Ernte und Aussaat genutzt werden. Zu empfehlen sind eine gründliche Beseitigung der Ernterückstände und damit Entzug der Rückzugsmöglichkeit und Nahrungsquelle sowie die Aussaat in ein feinkrümeliges und gut abgesetztes Saatbett.

Derzeit kann davon ausgegangen werden, dass durch die feuchte Witterung die Schnecken sich hauptsächlich im Oberboden aufhalten und dadurch gut erfasst werden können. Zur Einschätzung des Schneckenbesatzes sollten vor der Aussaat beköderte Schneckenfolien oder feuchte Jutesäcke ausgelegt werden. Weitere Kontrollen sind in den auflaufenden Beständen insbesondere in den Randbereichen zu empfehlen.

Dr. Michael Kraatz