Aktueller Futterrat vom 20.07.2015

Keinen «Mut zur Lücke»

Das Grünland zeigt sich aktuell sehr gestresst. Längere Trockenheit ließ den Oberboden vielerorts austrocknen. Insbesondere flachwurzelnde Gräser dörren aus und hinterlassen in der Grasnarbe erhebliche Lücken. Dies hat nachhaltige Folgen für den Futterwert der Aufwüchse. Einerseits besetzen futterwertschwache Pflanzen und Kräuter, wie Gemeine Gemeine Rispe, Löwenzahn oder Bärenklau, schnell die Lücken und anderseits steigt die Gefahr der Futterverschmutzung durch Winderosion, Regenspritzwasser und Futterernte.

Auch die derzeit wieder aufkeimende Diskussion um das vermehrte Auftreten von Jakobskreuzkraut, kann dadurch begünstigt worden sein. Die äußerst giftige und gefürchtete Futterpflanze (reich an Pyrrolizidinalkaloiden), ob grün, siliert oder getrocknet, zeigt sich äußerst robust und breitet sich aktuell stark aus. Hier sollten sich nicht nur Pferdehalter besorgt zeigen. Gerade in der aktuellen Phase der Wetterextreme sind Grünlandbegehungen und - bonituren zwingend zu empfehlen. Wie aktuelle österreichische Untersuchungen zeigten, hat die Lückigkeit der Grasbestände einen erheblichen Einfluss auf den Schmutzgehalt der Grassilagen. Während bei Gräsern ist insbesondere die Winderosion die entscheidende Eintragsursache für Schmutz zu sein scheinen, ist in krautigen Beständen eher Starkregen auf trockene offene Böden das Problem.

Wie bereits im Futterrat vom 13.04.2015 berichtet, zeigten über 50 % der sächsischen Grassilagen der letzten beiden Jahre deutliche Schmutzeinflüsse. 15 % der Silagen hatte infolge über 0,3 % Buttersäure in der Trockenmasse. Die Lücken im Bestand sollten deshalb rasch geschlossen werden, bevor deutliche Bodenerosionen folgen und später Lückenfüller wie die Gemeine Gemeine Rispe diese Lücken besiedeln. Um einen hohen Deckungsgrad zu erzielen, müssen narbenverdichtender Bestandsbilder wie Wiesenrispe oder Weißklee durch gezielte Düngung und Nach-/ Übersaat gefördert werden. Wichtig ist natürlich auch, sich langfristig mit der Melioration insbesondere des milchviehgerechten intensiv geführten Grünlandes zu befassen. Für Nachsaaten eignet sich, aufgrund der Wuchsfreude, Konkurrenzkraft und Stickstofftoleranz, idealerweise das Deutsche Weidelgras. Inwieweit dies aktuell eine erfolgreiche Maßnahme ist, sollte mit dem Gründlandberater diskutiert werden.

N-Düngergaben über dem Bedarf verringern auch die Narbendichte und steigern den Unkrautdruck. Erhebliche Schäden können aktuell zudem die Wühlmäuse provozieren. Sie stressen den Grasbestand zusätzlich, da ihre Gänge die Wasserverdunstung bei Trockenheit steigern und sie zudem erhebliche Mengen an Wurzelmasse vertilgen können. Glaubt man der Literatur, frisst eine Wühlmaus täglich ihr eigenes Körpergewicht an Wurzeln. Wichtigster Eintragspfad für Verschmutzungen ist letztlich durch die Arbeitsweise der Landwirte auf dem Grünland gegeben.

Wenn sich Staubwolken bilden, muss das Fahren entweder eingestellt oder die Fahrgeschwindigkeit, trotz arbeitswirtschaftlicher Konsequenzen deutlich verringern werden. Auch ein Befahren feuchter Böden führt, hervorgerufen durch den Schlupf der Antriebsräder, zur erheblichen Narbenschädigung. Trotz der Tatsache, dass die Trockenheit das Massewachstum erheblich gebremst hat und bereits über Futterengpässe diskutiert wird, darf jetzt nicht durch zu tiefen Schnitt reagiert werden. Während in ebenen und dichten Beständen durchaus sind Schnitthöhen von 5 cm möglich sind, sollte bei lückigen Narben mindestens eine Schnitthöhe von 8 cm eingehalten werden.

Schnell rotierende Techniken sollten vermieden werden, da diese einen „staubsaugenden“ Effekt besitzen. Auch Zetter und Mähaufbereiter sollten nur im Ausnahmefall zum Einsatz kommen, um das Anhaften von Staub und Erde zu minimieren. Der Trockenmassegehalt der Siliergüter sollte an die obere Grenze der Silierbarkeit orientiert werden (35-40%), da nasse Silagen deutlich höhere Verschmutzungsneigungen und Fermentationsprobleme zeigen, als trocknere. Dies ist natürlich bei der Verdichtung im Silo und der eventuell möglichen aeroben Instabilität der Silagen durch darauf orientiertes Silomanagement zu berücksichtigen.

Dr. O. Steinhöfel, Köllitsch

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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