Aktueller Futterrat vom 12.10.2015

Ein interessantes Futtermittel - Silagen aus Apfeltrester

Trotz ungünstiger Prognosen ist die diesjährige Apfelernte vielerorts überdurchschnittlich. Die Saftherstellung boomt. Neben dem bergehrten Obstsaft, fallen immerhin fast 40 % der Apfelmasse als Trester an. Die Rückstände besitzen einen Trockenmassegehalt zwischen 15 und 25 %. Apfeltrester ist ein vorzügliches Futtermittel, welches insbesondere von Wiederkäuern gern gefressen wird. Es liefert pansenfreundliche Pektine und gilt zudem als Lieferant von Vitamin C und E.

Aufgrund der nicht einheitlichen Art des Pressvorgangs bzw. der Zentrifugation bei der Saftgewinnung kann der Futterwert schwanken. Apfeltrester besitzen in der Trockenmasse im Mittel 5 - 8 % Rohprotein, 3 bis 12% Zucker und 6 bis 6,5 MJ NEL bzw. 10 bis 10,8 MJ ME je kg. Trester können frisch, siliert oder getrocknet verfüttert werden. In der Heimtier-, Pferde- und Schweineernährung wird getrockneter Apfeltrester aufgrund der positiven Effekte der Pektine auf die Mikroflora im Darm, das hohe Wasserbindungsvermögen und als Faserlieferant zur Energiereduzierung beworben. Für die Wiederkäuerernährung ist das Trocknen infolge ungünstiger Preiswürdigkeit eher uninteressant. Obsttrester siliert bei Einhaltung gewisser Besonderheiten jedoch problemlos. Er besitzt einen hohen Gehalt an vergärbaren Zuckern, aufgrund geringer Protein- und Aschegehalte eine niedrige Pufferkapazität und ist auch mikrobiell eher unauffällig.

Die frischen Trester geben kaum noch Wasser ab. Starkes saften zeigt in der Regel Verderb, insbesondere Pektinolyse, an. Die Verwendung von Silierhilfen ist nicht notwendig. Neben dem obligaten schnellen und sorgfältigen Luftabschluss ist eine Silagereifung von mindestens 40 Tagen empfehlenswert. Siliert werden kann sowohl in verschließbaren Fässern als auch in Ballen, Folienschläuchen, Gruben oder Fahrsiloanlagen. Bei der Einlagerung ist auf äußerste Sauberkeit zu achten, da bereits geringe Verschmutzungen relativ stark mit Fehlgärungen und Verderb bestraft werden.

Zu beachten ist, dass sowohl in der aeroben Phase vor der Einlagerung ins Silo als auch bei der Silierung von Apfeltrester eine intensive alkoholische Gärung stattfindet. Die Zwischenlagerung von frischem Apfeltrester vor der Einsilierung, sollte auch deshalb so kurz wie möglich sein, da insbesondere Enterobakterien Zucker und Milchsäure zu Essigsäure wandeln. Nach Luftabschluss im Silo sinkt der pH-Wert relativ schnell und intensiv auf 3,4 – 4, obwohl oft nur geringe Mengen an Milch- und Essigsäuregehalte nachweisbar sind. Buttersäure wird sauber silierten Apfeltrestern selten gefunden.

Erstaunlicherweise haben Versuche in Aulendorf (Nusbaum2010) gezeigt, dass sich Apfeltrestersilagen trotz hoher Ethanolgehalte über 10 Tage nicht erwärmten. Höhere Ethanolgehalte sind normalerweise ein sicheres Risiko für Nacherwärmung. Der Autor vermutet, dass die intensive alkoholische Gärung zu einer Selbsthemmung der Hefepilze geführt hat, wie sie aus der Weinvergärung bekannt ist. Falls aufgrund des diskontinuierlichen Anfalls Zwischenlagerungen von über 2 Tagen unvermeidbar sind, sollte eher chemisch konserviert (org. Säuren bzw. deren Salze) werden. Dieses Verfahren ist zwar deutlich kostenintensiver, aber auch sicherer. Die Konservierverluste sind verschwindend gering, die aerobe Stabilität ist für mehrere Tage gesichert und die alkoholische Gärung gehemmt.

Zu beachten ist, dass durch die chemische Konservierung weniger Zucker zu Säure vergoren wird, was höhere Restzuckergehalte in den Silagen provoziert. Dies ist beim Fütterungseinsatz zu berücksichtigen. In der Wiederkäuerfütterung können 2 – 2,5 % der Körpermasse an frischem bzw. siliertem Apfeltrester verfüttert werden. Das wären für eine Milchkuh ca. 15 kg bzw. für ein Mutterschaf bzw. Damtier 1,5 bis 2 kg Frischmasse. Zum Teil wird vor einer Verfütterung vor dem Melken gewarnt, da aufgrund des hohen Alkoholgehalts die Gefahr einer sensorischen Veränderung der Rohmilch nicht auszuschließen ist.

Dr. O. Steinhöfel, Köllitsch

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Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

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Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

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Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

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E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

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