Aktueller Futterrat vom 07.06.2016

20 Jahre Landesarbeitskreis »Futter &. Fütterung«

Am 15. Dezember 1995 wurde in Leipzig-Möckern der Landesarbeitskreis »Futter &. Fütterung im Freistaat Sachsen« ins Leben gerufen. 20 Jahre später am 7. Juni 2016 trafen sich die 30 Mitglieder zu ihrer 50. Beratung in Nimbschen, um zurückzuschauen, zu würdigen und die Zukunft zu planen. Die Bauernzeitung sprach mit Prof. Dr. Olaf Steinhöfel, dem Koordinator und Leiter des Kreises, über die Eindrücke und Ergebnisse.

Wenn man vor 20 Jahren einem Arbeitskreis ein Profil gab, war dies sicher durch die Probleme dieser Zeit geprägt. Welche Ziele hatte denn der Landesarbeitskreis damals und sind diese heute noch passfähig?

Der Arbeitskreis hat sich ursächlich gegründet, um die Methoden der Futtermitteluntersuchung zu harmonisieren. Alle Futtermittel, welche in Sachsen untersucht und bewertet werden, sollten mit sicheren Analysemethoden untersucht und nach den gleichen Vorgaben bewertet werden. Dafür gab und gibt es keine Vorschrift oder Instanz, welche dies offiziell regelt bzw. kontrolliert. Deshalb bestand und besteht hier ein hoher Harmonisierungsbedarf. Mit gewissem Stolz stellen wir heute fest, dass auf den in Sachsen ausgestellten Untersuchungsbefunden für Futtermittel der Hinweis abgedruckt ist: »Untersucht und bewertet nach den Empfehlungen des Landesarbeitskreises Futter &. Fütterung im Freistaat Sachsen«. Dies ist kein Selbstläufer. Die Empfehlungen, die auch bundesweit hohe Wertschätzung genießen, müssen permanent aktualisiert und angepasst werden. Besonders stolz sind wir auch auf bislang 21 durchgeführte Ringuntersuchungen von Grobfuttermitteln, an welcher ca. 30 Labore bundesweit teilnehmen. Diese Analysen-
qualitätssicherung läuft im Auftrag des Arbeitskreises, wird federführend mit hohem Engagement von Frau Doris Krieg (BfUL) durchgeführt und ist bundesweit einmalig.

Aber man beschäftigt sich sicher nicht nur mit Futtermitteluntersuchung?

Sicher nicht. Auch in der Fütterungsberatung besteht hoher Abstimmungsbedarf, können Aussagen und Meinungen stark differieren. Einerseits gibt es unterschiedliche Lehrmeinungen und Forschungsergebnisse und andererseits kommen verschiedene Bewertungssysteme und Verkaufsphilosophien der Industrie zum Einsatz, welche zwar verkaufs- aber nicht immer wahrheitsfördernd sind. Insbesondere neue Ergebnisse der Tierernährungsforschung, aber auch Sensationsmeldungen von Marktbeteiligten, müssen permanent interpretiert, fachlich geerdet und in praktische Empfehlungen übersetzt werden.

Können Sie wichtige Schwerpunkte aus den 20 Jahren benennen?

Viel Zeit haben wir in die Futtermittelbewertung investiert. Neben dem Dauerbrenner Proteinbewertung für Wiederkäuerrationen haben wir in mittlerweile 5 Auflagen die Empfehlung des Landesarbeitskreises »Futtermittelspezifischen Restriktionen für Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde, Kaninchen, Schweine und Wirtschaftsgeflügel« erstritten und über den Deutschen Landwirtschaftsverlag publiziert. Schwerpunkte waren weiterhin die Ausbildungsinhalte zu Futter und Fütterung in den Bildungseinrichtungen Mitteldeutschlandes, die Bewertung von mykologischen und mykotoxikologischen Befunden, die Eignung und Wertung von Stoffwechselbefunden für die Reflexion des Fütterungserfolges, die ausgewogene Mineralstoffversorgung, der Futterwert von Nebenprodukten und, und, und … Eines, was ich auch als bahnbrechend empfinde ist die Tatsache, dass wir der Analytik und Bewertung von TMR-Proben eine große Chance gegeben haben, um Rationen für Milchrinder mit wachsenden Leistungen besser bewerten zu können. Neben der Entwicklung von Schätzgleichungen zur energetischen Bewertung, waren analytische Arbeiten zur Protein- und Strukturbewertung nötig. Hier haben die Mitglieder des Arbeitskreises einen aktiven Beitrag zur Entwicklung und Etablierung gebracht.

Wer sind »wir«? Wer arbeitet denn nun im Landesarbeitskreis eigentlich mit?

Aktuell besteht der Kreis aus 30 Mitgliedern. Neben den öffentliche Einrichtungen LfULG, SMUL, BfUL und LUA und den Universitäten Uni Leipzig und MLU Halle sowie der HTW Dresden, sind dies Vertreter des LKV/LKS Lichtenwalde, der Sächsischen TSK, des Albrecht-Daniel-Thaer-Institutes Leipzig, der Südzucker AG, der BAG Budissa Agroservice GmbH, der BioCheck GmbH sowie 9 Industrievertreter des Deutschen Verbandes für Tiernahrung e.V.. Über die Aufnahme bzw. Streichung von Mitgliedern entscheidet der Kreis. Um einer Wettbewerbsverzerrung vorzubeugen, werden die Vertreter der Misch- und Mineralfutterindustrie grundsätzlich über den Deutschen Verband für Tiernahrung e.V. delegiert.

Wie geht der Kreis auf die Situation der Fütterung im Freistaat ein?

Zu Beginn jeder Veranstaltung findet ein Austausch zur aktuellen Situation von Futter und Fütterung im Freistaat statt. Hier muss sich jeder aus seiner Sicht äußern und positionieren. Bei besonderen Anlässen trifft sich der Kreis ad hoc, um Empfehlungen zu formulieren. In Erinnerung sind insbesondere Beratungen zu den Konsequenzen für die sächsische Tierernährung nach der BSE-Krise, nach den Hochwasserereignissen 2002 und 2013 oder bei witterungsbedingten Ertragsausfällen. Die Ergebnisse dieser Beratungen waren zeitnah publiziert worden.

Kann man als Landwirt Kontakt zum Kreis aufnehmen?

Das Angebot, gemeinsame Standpunkte zu Anfragen an den Kreis zu erarbeiten, wurde bislang von Landwirten wenig angenommen. Ich kann Landwirte, Berater, Auszubildende, etc. nur ermutigen, Fragen an den Kreis zu richten. So neutral und fachkompetent kann kaum eine andere Einrichtung reagieren. Die nächste Beratung wird übrigens am 20. Oktober 2016 stattfinden. Hier wird der Kreis sich schwerpunktmäßig mit einer gemeinsamen Empfehlung zur Frage » Was müssen Landwirte vom Futtermittelrecht wissen? « und zu wirtschaftlichen Bewertungsmaßstäben von Futter und Fütterung beschäftigen.

Was bringt die Zukunft dem Arbeitskreis? Es war ja von einer Erweiterung des Kreises vom Freistaat Sachsen auf Mitteldeutschland die Rede.

Die anwesenden Mitglieder des Arbeitskreises sehen die bisherige Arbeit und Arbeitsweise sehr positiv. Die Mehrheit spricht sich für eine maßvolle und punktuelle Erweiterung des Arbeitskreises durch Mitglieder aus Sachsen-Anhalt und Thüringen aus. Es wird angeregt verstärkte Beratungen mit den Kollegen aus den Nachbarländern durchzuführen.

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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