Aktueller Futterrat vom 04.07.2018

Reicht mein Futter?

Reicht mein Futter?

Milchrinder benötigen strukturwirksame Futtermittel. Dies ist keine neue Erkenntnis. Durch die Trockenheit mehren sich aber die Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen der Versorgung der Wiederkäuer in der Winterfütterungsperiode. Eine zeitnahe Grobfutterbilanzierung ist dringend notwendig, um über den notwendigen Zukauf strukturwirksamer Rohfaser oder gar Bestandsregulierungen  zu entscheiden. Zuerst muss der vorhandene Futtervorrat genau eingeschätzt und bewertet werden. Zur Erfassung der Futtervorräte können folgende Raumgewichte für Grobfutter genutzt werden.

 

Grobfutter-
mittel
Lagerart Trocken-
masse

%
Frisch-
masse

kg / m3
Trocken-
masse

kg / m3
Grassilage Horizontalsilo < 30 700 150
  Horizontalsilo 30 - 40 600 180
  Horizontalsilo > 40 500 210
  Rundballen 35 530 170
Maissilage Horizontalsilo < 28 750 170
  Horizontalsilo 28 - 32 650 185
  Horizontalsilo > 32 580 200
GPS Horizontalsilo 35 650 250
Futterroggen-
silage
Horizontalsilo 28 650 250
Heu lang 88 70 250
  Quaderballen 88 250  
  Rundballen 88 180  
Stroh Häcksel 88 50  
  Quaderballen 88 160  
  Rundballen 88 110  

 

Die weitere Kalkulation des Bedarfs beginnt mit der Bewertung bzw. situationsbedingten Korrektur der Leistungserwartung. Es ist bekannt, dass die Anforderungen an die Rohfaserdichte im Grobfutter von der Leistung des Wiederkäuers abhängig sind. Die Orientierungswerte, welche in der Tabelle abgelichtet sind, können für die Konzipierung der Grobfutterkonzepte herangezogen werden. Das heißt, die vorhandenen Grobfuttermittel müssen so miteinander kombiniert werden, dass im Mittel der Rohfasergehalt der Leistungserwartung entspricht. Gelingt dies nicht, muss die  Leistungserwartung reduziert werden. Hier spielt weniger die verfügbare Menge an verfügbarem Grobfutter eine Rolle, sondern die erforderliche Qualität. Wenn zum Beispiel in diesem Winterfutterjahr mehr Stroh in die Rationen muss, verringert sich zwangsläufig die Leistungsgrenze der Grundfutterration. Um nun weiter einzuschätzen wie lange das Grundfutter reicht, kann man sich an Faustzahlen orientieren. Eine Großvieheinheit (GV = 500 kg Körpermasse) benötigt pro Tag ca. 2,6 kg Rohfaser. Dabei sind normale Futterverluste bereits berücksichtigt. Somit ergibt sich der Bedarf an Grundfutter für die Wiederkäuer des Bestandes aus der folgenden Formel:

dt T Grundfutter = ((2,6 * GV-Wiederkäuer) / (Anforderung an den Rohfasergehalt in g / kg  T) * Fütterungstage *10

Aus dieser Rechnung ergibt sich die Orientierung zum Bedarf eines Tier in nachfolgender Tabelle.


* 1. September 2018 - 1. Mai 2019

Mais in diesem Jahr tiefer schneiden

Zu berücksichtigen gilt bei der Rechnung, dass bei der Silomaisernte aufgrund der Erzeugung von Masse bzw. strukturwirksamer Rohfaser für die Wiederkäuer eine tiefere Schnittführung sinnvoll sein kann. Dies hat neben den ggf. höheren Gemengeanteilen in der Ration den Effekt, dass der energetische Futterwert unter den Normalwerten liegt. Um das einzelbetriebliche Optimum der Schnitthöhe zu bestimmen, können vor der Ernte Einzelpflanzen in 10 cm Schnitthöhe geerntet werden, deren Futterwert laboranalytisch bestimmt und über Hochrechnungen mit folgender Gleichung das Optimum kalkuliert werden: Schnitthöhe in cm = (gewünschte MJ NEL / kg T – MJ NEL / kg T bei 10 cm Schnitthöhe + 0,2) / 0,023. Um die Ertragserwartungen zu prognostizieren kann folgende Formel genutzt werden: dt FM / ha = g Einzelpflanze bei 10 cm  *  Pflanzen / m²  *  0,1  *  (1-0,01 * Schnitthöhe in cm).

Stroh eine Alternative?

Wer Stroh einsetzen will muss gut rechnen. Zum Teil bringt es mehr die Tierbestände anzubauen, als Leistungen runter zu hungern. Stroh besteht weitestgehend aus Gerüstsubstanzen mit einem hohen Anteil an Lignin (80 bis 130 g / kg Trockenmasse) und besitzt deshalb nur ca. 6 bis 6,8 MJ Umsetzbare Energie bzw. 3,5 bis 3,7 MJ NEL je kg Trockenmasse. Die Grenzen des Stroheinsatzes wird durch die Leistungserwartung und den Anteil an Mais- bzw. Grassilage in der Grundfutterration gesetzt. In der nachstehenden Tabelle sind maximale Einsatzmengen von unbehandeltem Stroh in der Wiederkäuerfütterung zusammengestellt, welche sich aus den Anforderungen an den mittleren Rohfasergehalt der Grundfutterrationen ergeben.

Nebenprodukte zukaufen

Aufgrund der steigenden Nachfrage kann es zur Verknappung von Nebenprodukten kommen. Dies lässt die Preise steigen. Tritt eine ähnliche Situation, wie in zurückliegenden Dürrejahren ein, sind Preissteigerung von 2 - 5 € höhere Preise für eine Dezitonne der wichtigsten Grob-, Einzel- bzw. Mischfuttermittel zu erwarten. Da der Markt für milchkuhgerechtes Grobfutter aktuell dicht ist, sollten insbesondere Nebenprodukten zugekauft werden. Dabei ist vor unüberlegten Panikkäufen aber abzuraten. Es muss unbedingt die aktuelle Preiswürdigkeit berücksichtigt werden. Preissteigerungen bei Nebenprodukten sind zum Teil unbegründet. Eine Orientierungsgröße sind die Nährstoffpreise. Der Substitutionswert für 10 MJ NEL sollte sich bei ca. 0,15 € einpegeln.

 

 

 

Anforderung

% maximaler Strohanteil (T.) bei

 

 

an

Maissilage

Maissilage

Maissilage

 

 

Rohfaser 

100%

70%

0%

Tierart

Leistung

g / kg T.

Grassilage

Grassilage

Grassilage

 

 

Grundfutter 

0%

30%

100%

Milchrinder

Erhaltung

310

46

41

28

 

25 kg Milch

265

27

20

3

 

30 kg Milch

230

13

5

0

 

35 kg Milch

220

8

0

0

 

40 kg Milch

205

2

0

0

Jungrinder

< 12 Monate

290

38

32

17

 

> 12 Monate

310

46

41

28

Mutterkühe

< 5 Wochen pp

280

33

27

11

 

> 5 Wochen pp

320

50

45

33

Schafe

hochtragend

270

29

23

6

 

laktieren

265

27

20

3

 

güst

310

46

41

28

* Maissilage mit 200 g Rfa / 6,6 MJ NEL je kg T. und Grassilage mit 260 g Rfa / 6,2 MJ NEL je kg T.

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel, Köllitsch

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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