Aktueller Futterrat vom 03.05.2016

Gras als Hoffnungsträger oder Sargnagel

Die Grasernte 2016 für die Erzeugung von Silagen zur Milchkuhfütterung sollte auf nahezu allen sächsischen Standorten Geschichte sein. Wie erwartet explodierte nach der unerwartet langen Kältephase das Wachstum der Aufwüchse. Zum Teil werden über 7 g Rohfaserzuwachs je kg TM und Tag gemessen. Auch in den Vorgebirgslagen und in den Kammlagen des Erzgebirges erreichen die Wiesen- und Weidegrasaufwüchse spätestens zu Wochenbeginn (18. Woche) Werte von über 22 % Rohfaser in der TM.

Unter Berücksichtigung eines Rohfaserzuwachses während der Ernte, dem Anwelken, der Bergung und der Silierung von knapp 20 g je kg TM, sind dann in den Grassilagen die gewünschten 24 % Rohfaser möglich. Ein Kilogramm TM Grassilage für Milchrinder sollte 6,4 MJ NEL, weniger als 250 Gramm Faser und maximal 14 Cent kosten. Wem dies nicht gelingt, der hat es schwer mit Grassilagen rentabel Milch zu erzeugen.

Eine wesentliche Ursache für teure Grassilagen sind Masse- und Qualitätsverluste. Einerseits verschwindet durch Atmung, mikrobiellen Verderb, Auswaschung oder Bröckelverluste wertvolle Masse. Bei einem jährlichen Bedarf von ca. 50 dt TM Grobfutter je Kuh sind 1 % Verlust immerhin 50 kg. 50 kg TM Grobfutter kosten z.Zt. 7 - 8 €. Bei 4 % Grobfutterverlust muss man bereits mit einem Cent höheren Futterkosten je kg Milch rechnen. Dazu kommt der Futterwertverlust.

Durch das Verschwinden von leichtfermentierbarer Energie steigt der Fasergehalt und sinkt der Energiegehalt des Futters. Ein Faseranstieg von ca. 20 g je kg TM in Grassilagen, welcher zum Beispiel bei 3 - 4 Tagen verspätetem Schnitt oder 1,5 Tagen Feldliegezeit oder 10 Stunden Regen oder bei Sickersaftbildung oder bei mäßigem Konserviererfolg oder bei 3 Tagen aerobe Erwärmung der Silage entsteht, provoziert zusätzlich 1 Cent höhere Futterkosten aufgrund des Qualitätsverlustes.
Prof. Dr. Olaf Steinhöfel und Frank Püschel, Köllitsch

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

zurück zum Seitenanfang