Aktueller Futterrat vom 01.06.2015

Bei steigenden Temperaturen verstärkt auf Futteraufnahme achten

Rinder leben überall in der Welt, ob mitten in der arabischen Wüste oder hoch im kühlen Skandinavien. Hitze oder Kälte scheint ihnen wenig auszumachen. Sie fühlen sich in einem Temperaturbereich von 15 bis minus 15°C am wohlsten. Hier können sie über die Hautdurchblutung den Wärmehaushalt regulieren. In Perioden von langanhaltend über 25°C, gelingt es den Kühen immer weniger die überschüssige Wärme über die Haut abzustrahlen. Die Wärme muss zunehmend über Wasser ausgeschwitzt, veratmet oder über den Harn abgeführt werden. Die Kuh drosselt zuerst die Energieaufnahme.

»Faserfresser« sind per se schlechte Futterverwerter. Dies provoziert viel Wärme in den Vormägen. Strukturfutter sollte deshalb in Wärmeperioden restriktiv eingesetzt werden. Hier muss das beste rohfaserarme Grobfutter zum Einsatz kommen. Auf Stroh oder faserreiches Heu muss ggf. ganz verzichtet werden. Es sollte zielgerichtet an die untere Grenze von 350 g strukturwirksame Rohfaser je 100 kg Körpermasse herangefüttert und ggf. mit Pansenpuffersubstanzen unterstützt werden. Bei Hitzestress ist oft auch mit metabolischer Acidose zu rechnen. Dies ist begründet durch die Depression der Strukturaufnahme, das falsche Gegensteuern mit Kraftfutter bei Milchleistungsabfall und durch verstärkten Verlust an Puffersubstanzen wie Natriumbicarbonat über Schweiß und Harn.

Der Pansen sollte in Hitzeperioden eher unterfordert werden. Das heißt der Anteil an Durchflussnährstoffen (pansengeschützte Proteinkonzentrate, geschützte Fette, Körnermais statt Getreidestärke) muss maximiert werden, um die wärmeproduzierende Mikrobentätigkeit in den Vormägen zu begrenzen. Da die Futteraufnahmeregulation beim Milchrind lipostatisch gesteuert wird, spielt der Fettsäurespiegel im Blut eine große Rolle bei der Begrenzung der Futteraufnahme. Fette Kühe und Kühe, welche aufgrund der einschränkten Futteraufnahme Körperfettreserven einschmelzen, haben immer einen höheren Blutfettsäurespiegel und fressen dadurch weniger. Da Fette die höchste Energiedichte aller Futtermittel besitzen, 1 kg enthält durchschnittlich 18,5 MJ NEL, ist es für die energetische Aufwertung von Futterrationen für Hochleistungskühe interessant. Zudem sind die Wärmeverluste bei Fetteinsatz deutlich geringer, als bei faserreichen Energieträgern. Ungeschützte Fettgaben über 800 g je Kuh und Tag haben jedoch die negative Eigenschaft, Fermentationsstörungen in den Vormägen zu provozieren.

Bei der Gabe von geschütztem Fett, kann die Gesamtfettaufnahme auf bis 1300 g (davon 50 % geschützt) gesteigert werden.
In den Sommermonaten nimmt die Milchkuh bis zu 2/3 der aufgenommen Futtermenge in den Nachstunden auf. Um dies zu berücksichtigen, dürfen insbesondere in den Abend- und Nachtstunden die Futtertröge niemals leer sein. Die Bereitstellung frischer Silage ohne Zwischenlagerung aus dem Silo, die Restfutterbeseitigung und die Trogreinigung muss am Abend erfolgen. Dies ist auch schon deshalb sinnvoll, da die aeroben Veränderungen in der Futterkrippe am Tag deutlich höher sind als in den kühleren Nachtstunden. Generell ist es notwendig in den Sommermonaten häufiger zu füttern. Dabei sollte abends mehr vorgelegt werden als morgens. Auf keinen Fall sollte Futter zwischengelagert werden.

Bereits bei Temperaturen um die 25 °C werden 1,5 Liter Wasser je Stunde ausgeschwitzt. Dies führt zwangsläufig auch zu einem verstärkten Salzverlust. Der um etwa 15 % erhöhte Bedarf an Natrium kann durch Viehsalz gedeckt werden. Zudem sind Mineralfutter mit höheren Gehalten an Vitamin E (5.000 mg) und Selen ggf. sinnvoll, um den erhöhten Bedarf an Antioxidanzien zur Vermeidung von oxidativem Stress Rechnung zu tragen.
Dr. O. Steinhöfel, Köllitsch 

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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