Gefleckter Schierling breitet sich aus
Gesundheitliches Risiko für Mensch und Tier
Einleitung
Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) aus der Familie Doldenblütler (Apiaceae) ist regional in Deutschland, z. B. im östlichen Teil von Sachsen-Anhalt und im Land Brandenburg weit verbreitet. In Sachsen wurde er in den letzten Jahren zunehmend registriert. Die Pflanzen sind an Straßen- und Wegrändern, an Böschungen, auf Brachflächen sowie an Feldrändern in mehreren Gemeinden des Bundeslandes zu finden. In diesem Jahr konnte eine Ausbreitung in den Landkreisen Meißen, Leipzig, Mittelsachsen und Bautzen vor allem an Straßenrändern beobachtet werden. Die Pflanze bevorzugt nährstoffreiche, kalkhaltige Böden. Auf Ackerflächen kommt sie regional insbesondere in Winterraps und lichten Getreidebeständen vor.
Der gefleckte Schierling ist sehr giftig und gefährlich für Mensch und Tier. Er kann mit anderen Doldenblütlern wie Kerbelarten, Wilder Möhre oder dem Rüben-Kälberkropf verwechselt werden. Durch die Verwechslungsgefahr mit ungiftigen Arten geht von ihm das Risiko einer Vergiftung aus.
Biologie
Der Gefleckte Schierling ist ein ein- bis zweijähriges Samenunkraut. Die Pflanze keimt sowohl im Herbst als auch im zeitigen Frühjahr. Innerhalb des ersten Jahres bildet sie eine Rosette und eine fleischige Pfahlwurzel aus. Im darauffolgenden Jahr bildet sich der Blütenstand. Die Hauptwachstumsphase liegt im März bis Mai/Juni. Die Pflanzen werden je nach Standortbedingungen zwischen 50 cm bis 2,5 m groß (Abbildung 1). Der hohle Stängel weist eine glatte, unbehaarte, bereifte Oberfläche mit rötlich-violetten Flecken auf (Abbildung 2). Die weiß blühenden Blüten erscheinen ab Mai bis August. Sie bilden mit 8 bis 20 Doldenstrahlen mittelgroße, lockere, strahlenförmige Doldenblüten. Die 3 Hüllchenblätter unterhalb der Blüten sind halbseitig dreieckig gezähnt und verwachsen (Abbildung 3). Die einzelnen Samen sind 2,5-3,5 mm groß, eirund, grau-grün bis bräunlich-grau, kahl mit deutlich erkennbaren Rippen. Sie werden ab Juli bis in den Herbst reif. Die Blätter sind im Umriss dreieckig-eiförmig, gefiedert (Abbildung 4). Bei mechanischer Verletzung verströmt die Pflanze einen Geruch ähnlich dem von Mäuse-Urin.
Der Gefleckte Schierling vermehrt sich über Samen (500 bis über 1.000 Samen pro Pflanze). Nach Literaturangaben sind die Samen im Boden 3 bis 10 Jahre keimfähig.
Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tiere
Alle Pflanzenteile, besonders Samen und Wurzeln enthalten das Nervengift Coniin. Dies ist ein hochgiftiges Alkaloid, das bereits in geringen Menge von <1 g für erwachsene Menschen tödlich sein kann.
Vergiftungserscheinungen zeigen sich durch ein Brennen im Mundbereich, Benommenheit, Brechreiz, Muskelkrämpfe, Lähmung der Gliedmaßen, die bis hin zu einer Atemlähmung bei vollem Bewusstsein und in Folge dessen zum Tod führen können. Ein Hautkontakt mit dem Pflanzensaft kann zu Verbrennungen oder zu einer Blasenbildung führen. Betroffene Stellen sollten umgehend mit Wasser abgewaschen werden. Eine Verunreinigung von Futter oder Silage kann zu schweren Vergiftungen bei Nutztieren führen.
Mechanische Bekämpfung
Einzelpflanzen können mechanisch beseitigt werden. Dabei sollte die Pflanze vor der Samenbildung mitsamt der Wurzel ausgestochen werden (Schutzkleidung tragen!). Das Entfernen der tiefwurzelnden Pflanzen ist arbeitsaufwendig. Bei größeren Beständen z. B. an Straßenrändern oder Böschungen, kann eine zeitige Mahd, Häckseln oder Mulchen vor der Blüte ebenfalls dazu beitragen, die Ausbreitung zu verringern. Einzelpflanzen können über die Restmülltonne, größere Mengen hingegen sollten über eine Deponierung oder Verbrennung entsorgt werden. Bei der manuellen Beseitigung wird eine persönliche Schutzausrüstung empfohlen, bestehend aus langen Gummihandschuhen, Schutzbrille und langärmliger Bekleidung sowie festes Schuhwerk. Falls es dennoch zu einem Kontakt mit der Pflanze kommt, sollten betroffene Stellen umgehend mit Wasser gespült werden.
Werden Bestände erst während der Blüte gemäht oder gemulcht, können bereits gebildete unreife Samen nachträglich ausreifen. Eine Vermehrung der Pflanze wäre damit noch möglich. Erfolgt ein Schnitt erst in der Blüte oder während der Samenreife, sollten die eingesetzten Maschinen gereinigt werden, um eine Verschleppung der Samen zu verhindern.
Chemische Bekämpfung
In Landwirtschaft und Gartenbau dürfen die giftigen Pflanzen bzw. deren Teile nicht ins Erntegut gelangen. Der Gefleckte Schierling kann aufgrund seiner Größe die Ernte erschweren. Deshalb sollte eine gezielte Bekämpfung in den Kulturen erfolgen.
Winterraps
Sehr gute Bekämpfungserfolge werden laut Firmeninformationen nach Herbstbehandlungen mit dem blattaktiven Wirkstoff Halauxifen-methyl (in Belkar, LaDiva) erreicht. Nach Erfahrungen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes hat der boden- und blattwirksame Wirkstoff Quinmerac (z. B. in Tanaris, Butisan Gold und Fuego Top) eine gute Wirkung.
Wintergetreide
Die solo eingesetzten Herbizide 30 g/ha Finy (Metsulfuron), 35 g/ha Dirigent SX (Metsulfuron, Tribenuron) und 0,5 l/ha Pixxaro EC erzielten in einem amtlichen Versuch in Brandenburg im Jahr 2017 sehr gute Bekämpfungserfolge von fast 100 %. Wuchsstoffe waren nicht ausreichend wirksam.
Durch eine intensive Stoppelbearbeitung lassen sich die Keimlinge gut bekämpfen. Dadurch vermindert sich der Samenvorrat des Schierlings im Boden.
Nichtkulturland (Flächen, die nicht landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich genutzt werden)
Eine Unkrautbekämpfung mit Herbiziden darf auf Nichtkulturland nur mit Genehmigung des amtlichen Pflanzenschutzdienstes erfolgen. Dies sind Flächen, auf denen keine Kulturen angebaut werden. Ein Antrag nach § 12 Absatz 2 des Pflanzenschutzgesetzes ist erforderlich. Zuständige Behörde ist in Sachsen das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Referat Pflanzenschutz.
Verwechslungsgefahr
Merkmal |
Knolliger |
Wiesen- |
Wilde |
Gemeiner |
Gefleckter |
Blüten- |
weiß |
weiß |
weiß |
weiß |
weiß |
Blüten- |
Doppeldolde |
Doppeldolde |
Doppeldolde |
Doppeldolde |
Doppeldolde |
Stängel |
rau, grün mit wenigen Härchen |
glatt, hohl, grün |
rau, behaart |
grob gefiedert, grob gezähnt |
glatt, oft rot gefleckt |
Blätter |
gefiedert |
fein, fiedrig, weich |
fiederspaltig, fein gezähnt |
unterbrochen gefiedert, fiederteilig grob gezähnt |
gefiedert |
Geruch |
kein auffälliger Geruch |
leicht würzig |
karottenartig, angenehm |
neutral bis leicht aromatisch |
unangenehm stechend |
Früchte |
klein, glatt, leicht gebogen |
klein, geflügelt |
klein, behaart mit Borsten |
groß behaart |
klein, gerillt |
Giftigkeit |
ungiftig |
ungiftig |
ungiftig |
ungiftig |
hochgiftig |
Wuchshöhe |
30-100 cm |
50-150 cm |
30-120 cm |
50-150 cm |
100-250 cm |
Quellen:
- Gutte/Hardtke/Schmidt – Die Flora Sachsens und angrenzender Gebiete (2013)
- www.blumeninschwaben.de
- Stand: 18.08.2025
Weiterführende Links
Kontakt
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Kompetenzzentrum Nachhaltige Landwirtschaft, Ref. 73
Maria Vorholz
Telefon: 035242 6317308
E-Mail: Maria.Vorholz@lfulg.sachsen.de
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Referat 73: Pflanzenschutz
Dr. Ewa Meinlschmidt
Telefon: 035242 631-7304
E-Mail: Ewa.Meinlschmidt@lfulg.sachsen.de
Webseite: https://www.lfulg.sachsen.de/