Aktueller Futterrat vom 27.02.2009

Über die Wirtschaftlichkeit von Grassilagen entscheidet Fütterungserfolg

Aktuell hat jeder den Milchpreis vor Augen und kann einschätzen was es bedeutet, alleine 11 bis 13 Cent für Futtermittel ausgeben zu müssen. Befragt man aktuell Milchviehhalter, wird in erster Linie ein Sparzwang bei Kraftfutter diskutiert. Ist das der richtige Weg?
Sicher kann man bei Kraft- und Mineralfutter noch vieles sparen, aber eine erdrutschartige Reduzierung der Futterkosten je Kilogramm Milch sollte man dadurch nicht erwarten. Aktuell werden zirka 22 Kilogramm Kraftfutter je Kuh und Jahr gefüttert. Bei 20 Euro je Dezitonne und 9.000 Liter Jahresmilchverkauf je Kuh sind das 5 Cent je Kilogramm Milch. Um einen Cent einzusparen, müsste man den Kraftfuttereinsatz um 5 Dezitonnen je Jahr reduzieren. Aber vorsichtig, das ist mathematische Logik, das Sparen an Konzentraten funktioniert nur über eine gesteigerte  Grobfutterqualität und -aufnahme.

In dieser für Milchviehhalter kritischen Phase soll nun auch noch das Futter vom Grünland wieder entdeckt werden. Der Acker soll vom Futterbau befreit werden. Funktioniert denn das?
So ohne weiteres sicher nicht. Grünlandkonservate sind nach wie vor das teuerste Grobfuttermittel in der Erzeugung. Wenn ich Grassilagen für 6,60 je Dezitonne (35 % TM) erzeuge, die aktuellen Qualitäten unterstelle, als Grobfutter nur Grassilage füttere und mit Kraftfutter an die Leistungsgrenze gehe kostet nur das Grobfutter 11 Cent je kg Milch. 

Also nichts mit Renaissance des Grünlandaufwuchses in der Milchkuhfütterung?
Der Futterwert entscheidet über den Einsatz in der Ration. Veredelt kann grundsätzlich nur werden, was vorgelegt und gefressen wird. Was sich vor der Fütterung in Luft auflöst, ausgewaschen oder mikrobiell verdorben wird und was vom Futterwert her aus der Ration gedrängt wird, hat viel Geld gekostet wird aber nicht zu Milch. Das darf man auch bei betriebswirtschaftlichen Rechnungen nicht einfach ausklinken. Ein kleines Zahlenspiel: Eine Kuh frisst ca. 50 dt Grobfuttertrockenmasse je Jahr. Ein Prozent davon sind ca. 150 kg Silage. Wäre dies Grassilage, sind das 10 Euro je Jahr bzw. 0,1 Cent je kg Milch. Dazu kommt 0,15 Cent je kg Milch Verlustersatz durch Kraftfutter oder Maissilage. 4 % nicht gefütterte aber erzeugte Silage sind somit ca. 1 Cent Futterkostensteigerung je kg Milch. Dafür müsste man ja, wir gesagt,  fast 5 dt Kraftfutter je Jahr einsparen. Bei aller Rechnung bleibt noch unberücksichtigt, was es kostet, wenn mehr Ackerfläche mit Silomais bestellt wird, nur um das Verlustgeschehen bei Grassilagen zu kompensieren. Die teuerste Silage bleibt die Silage, die nicht gefressen wurde?

Die wenigsten Verluste habe ich bekanntermaßen bei Silagen mit höheren Fasergehalten. Sollten wir nicht aufhören zu hohe Energiedichten in den Grassilagen zu fordern?  
Es ist richtig, dass je höher der Gehalt an leichtlöslichen und leichtfermentierbaren Stoffen und je geringer der Gehalt an Zellwandkohlenhydraten ist, desto größer ist die Gefahr der aeroben Nährstoffveratmung, der Auswaschung und Verderbnis zwischen Feld und Futtertrog. Diese Verluste werden doppelt bestraft. Erstens ist kostenträchtige Masse verlustig gegangen und zweitens reduziert sich der Futterwert. Je schlechter der Futterwert der Grassilage ist desto weniger wird sie in der Ration berücksichtigt, desto mehr Maissilage oder Kraftfutter muss dazu und desto weniger der erzeugten Silage wird veredelt. Und hier wird’s ökonomisch interessant. 5 g Rohfaserzuwachs in der Grassilagetrockenmasse, das sind „nur“ 1 Tag verspäteter Schnitt oder 1,5 Tage Anwelken, provozieren bereits 0,5 Cent steigende Futterkosten. Wenn der Futterwert durch verspäteten Schnitt nachteilig beeinflusst wird, kommt noch zusätzlich der Mengeneffekt dazu. Das heißt: Je später der Schnitt desto höher der Ertrag, desto schlechter der Futterwert, desto stärker die Verdrängung, desto größer die schlecht zu veredelnde aber kostenträchtige Silagemenge, desto höher die Futterkosten je kg Milch. Fazit bleibt: Wirb brauchen hohe Energiedichten in Grassilagen, aber wir brauchen auch Landwirte, die mit derartigen Siliergütern und Silagen umgehen können.

Aber Grassilage bringen doch auch Eiweiß und Mineralstoffe. Wie können wir die wirtschaftlich dem Grobfutter gut rechnen?
Ein beliebtes Argument um den Ruf der Grassilagen zu verbessern. Es stimmt prinzipiell, dass die Grassilage gehaltvoller ist als die Maissilage. Es stimmt auch, dass man bei der einfachen Berechnung der Grenzwirtschaftlichkeit der beiden Grobfuttermittel bei Sojaextraktionsschrotpreisen von über 30 € und Getreidepreisen von unter 15 € je Dezitonne, der Grassilage Vorteile einräumen kann. Man muss aber auch Grenzen ziehen, die durch die einfache Logik der Rationsberechnung nicht erkennbar sind. Die Proteinqualität von Grassilage kann nicht konkurrieren mit der von Extraktionsschroten. Durch die Proteolyse während der Silierung sinkt der Reineiweiß- und infolge auch der UDP-Gehalt nahezu um die Hälfte. Viele Grassilagen liefern eigentlich nur noch NPN-Verbindungen und müssen sich eher am Preisniveau von Futterharnstoff als am Sojaextraktionsschrot orientieren. Was die Mineralstoffe anbelangt ist dies etwas günstiger zu sehen. Hier muss aber erstmal ein Umdenken der Landwirte her. Sie müssen akzeptieren, dass Futtermittel auch Mengen- und Spurenelemente besitzen, sie brauchen zur Sicherheit mehr laboranalytische Befunde, sie müssen tagfertig rechnen und letztlich ihren Mineralfutterinput auch wirklich drosseln. Vorsicht ist bei Grassilagen gegeben, deren Aschegehalt über 100 g je kg Trockenmasse steigt. Dreck ist als Mineralfutter sich nicht zu akzeptieren. 

Können wir uns bei der schlechten Kostenbilanz für Graskonservate noch  Siliermittel leisten?
Der Siliermitteleinsatz ist im letzten Jahr im Freistaat Sachsen deutlich zurückgegangen. Ob das objektive Ursachen hatte kann nur einzelbetrieblich bewertet werden. Siliermittel sind wirtschaftlich nur dann sinnvoll, wenn mehr Milch gemacht oder die Verluste des zu veredelnden Futters gesenkt werden. Bei aktueller Sicht auf Betriebszweiganalysen stehen Siliermittel bei 0,2 bis 0,4 Cent je kg Milch. Um das mit Milch zu kompensieren,  brauchen wir 200 bis 500 kg Mehrleistung. Es würde sich theoretisch aber auch rechnen, wenn wir die Verluste der Graskonservierung um ca. 2-3 %-Punkte reduzieren und den Futterwert um 0,15 – 0,2  MJ NEL je kg Trockenmasse durch den Siliermitteleinsatz steigern könnten. Alte Logik: Wer mehr einsetzt sollte auch mehr rausholen.

Am 18.03.2009 findet in Köllitsch ein Anwenderseminar mit dem Titel: „Fit für beste Grassilagequalitäten“ statt.
Die Einladung finen Sie hier: http://www.smul.sachsen.de/lfulg/download/18032009_Grassilage.pdf

Dr. Olaf Steinhöfel, Köllitsch

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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