Aktueller Futterrat vom 26.01.2015

Thermisch behandelte Körnerleguminosen

Die aktuellen agrarpolitischen Rahmenbedingungen versprechen neuen Auftrieb für den Anbau von Körnerleguminosen. Neben dem positiven Effekten für die Nachhaltigkeit der Landbewirtschaftung, wird ein wichtiger Beitrag für die Versorgung mit heimischen Eiweißfuttermitteln erwartet. Hindernd sind jedoch relativ geringe und stark schwankende Proteinqualitäten (limitierende Aminsäuren, pansenstabiles Protein), antinutritive Inhaltsstoffe (Tannine, Lecitine, Proteaseinhibitoren, Saponine …) und die Preiswürdigkeit gegenüber den Extraktionsschroten. Hydrothermische Behandlungsverfahren könnten hier Abhilfe schaffen.

Bekannt sind das Toasten (100 °C Wasserdampf), das Rösten (130 °C trockene Wärme), das Mikronisieren (140°C in Wasser vorgequolle Körner); das Extrudieren (bis 200°C Verdichten mittels Schnecken) oder das Expandieren (bis 140°C bei stärkerem Druck als Extrudieren bis 40 bar). Allen Verfahren gemein sind folgende Effekte:

  • Verbesserung des Hygienestatus durch durch Inaktivierung von Mikroorganismen bzw. durch Detoxifikation von Myko- und Endotoxinen und damit bessere Qualitätserhaltung während der Lagerung
  • Beseitigung bzw. Reduzierung von antinutritiven Futterbestandteilen, welche den mengenmäßigen Einsatz von Körnerleguminosen begrenzen
  • Verbesserung der Akzeptanz durch die Tiere (Futteraufnahme) durch Inaktivierung geschmacksbeeinflussender Stoffe und teilweise Verzuckerung von Kohlenhydraten
  • Erhöhung der Verdaulichkeit beim Monogaster (Schwein, Geflügel) und damit des energetischen Futterwertes durch Aufschlusseffekte
  • Erhöhung des Anteils pansenstabiler Nährstoffe (Bypass-Protein, Bypass-Stärke)

Unterschiedliche Verfahren und jede Menge Modifikationen in der Anwendung (Einwirkzeit, Temperatur oder Vor- und Nachbehandlung) erschweren jedoch eine einheitliche Futterwertbeschreibung. Routinemethoden zur Bewertung der Proteinqualität fehlen aktuell in der Futtermittelanalytik.

Es gibt aber neuere Untersuchungsberichte zur Futterwirkung von behandelten Leguminosen. Fast man alle Untersuchungen mit Monogastern grob zusammen wird deutlich, dass durch Ersatz hydrothermisch behandelter Leguminosen die Energieaufnahme gesteigert werden kann, aber bedingt durch die Limitierung bestimmter essentieller Aminosäuren der Einsatz begrenzt bleiben muss bzw. durch Zusatz synthetischer Aminosäuren ein Ausgleich notwendig wird.

Die Untersuchungen in der Milchrinderfütterung sind optimistischer. Die Behandlung bewirkt eine effizientere Nutzung des Stickstoffs und höhere Leistungen. Trotz höherer Futterkosten wird die Rentabilität verbessert. Insbesondere für die ökologische Milchviehhaltung und für Milchviehbetriebe, welche GVO-frei erzeugen wollen, könnte die hydrothermische Behandlung von Körnerleguminosen damit sinnvoll sein.

Dr. Olaf Steinhöfel, Köllitsch

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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