Aktueller Futterrat vom 22.01.2015

Viel Futter, viel Abfall?

Das Futterjahr 2014 war eines der ertragsreichsten der letzten 25 Jahre (Abbildung). In Sachsen wurden ca. 50 dt Trockenmasse je ha mehr geerntet als erwartet. Erfahrungsgemäß führt dies zu einer Art »Wohlstandsverwahrlosung«. Das Verlustgeschehen spielt eine untergeordnete Rolle. Doch Vorsicht, jedes Gramm erzeugte Silage hat Geld gekostet und amortisiert sich bekanntermaßen erst mit dem Fütterungserfolg.

Bei 6 Cent je kg Milch Grobfutterkosten, darf das Grobfutter einer Kuh mit 9.500 kg Milch maximal 570 € kosten. Der Grobfutterbedarf liegt bei 150 Tonnen Frischmasse bzw. 5 Tonnen Trockenmasse je Kuh und Jahr. Die Kosten je Dezitonne Frisch- bzw. Trockenmasse dürfen demnach 3,80 oder 11,5 € nicht übersteigen. Bereits 60 Cent mehr Kosten je Dezitonne Silagefrischmasse bedeuten 1 Cent mehr Futterkosten je kg Milch. Um gleich Effekte mit dem Kraftfutterpreis zu erzielen, kann selbiges 10 € je Dezitonne mehr kosten. Eine unterschätzte Größe zur Ermittlung von Erzeugungskosten von Grobfuttermitteln sind die Verluste vom Feld bis in den Pansen.

Nicht das gefressene Futter entscheidet, sondern jedes Gramm Futter was Kosten verursacht hat. Bekanntlich ist das teuerste Futter jedes, was erzeugt aber nicht veredelt wurde. Über die tatsächlichen Verluste herrscht aber oft Unklarheit. Hier werden die 15 Prozent aus Lehrbüchern immer wieder abgeschrieben. Die aktuelle Verluststatistik geht jedoch von über 20 % Verlusten aus. Einige Betriebe haben längst die 50 %-Latte gerissen. Dabei werden Futterverluste immer doppelt bestraft. Einerseits verschwindet durch Atmung, mikrobiellen Verderb, Auswaschung oder mechanische Abtrennung wertvolle Masse. Bei einem Bedarf von ca. 50 dt Trockenmasse Grobfutter je Kuh und Jahr sind nur 1 % Verlust 50 kg. 50 kg Trockenmasse Grobfutter kosten aktuell immerhin 7 - 8 €. Das ist Kraftfutterniveau. Bei 4 % Grobfutterverlust muss man bereits mit einem Cent höheren Futterkosten je kg Milch rechnen.

Aber dies ist noch nicht alles. Die zweite Bestrafung bei höheren Verlusten ist der quali-tative Futterwertverlust. Durch Verschwinden von leichtfermentierbarer Energie (Zucker, Milchsäure …) steigt der Fasergehalt und sinkt der Energiegehalt des Grobfutters. In Folge sinkt die Veredlungswürdigkeit und –effizienz und es steigt der Anteil an Austauschfuttermitteln. Ein Faseranstieg von ca. 20 g je kg Trockenmasse in Grassilagen, welcher zum Beispiel bei 4 Tagen verspätetem Schnitt oder 2 Tagen Feldliegezeit ohne Regen oder 12 Stunden mit Regen oder bei unter 26 % Trockenmasse und Sickersaftbildung oder bei mäßigem Konserviererfolg oder 3 Tage aerobe Erwärmung der Silage entsteht, provoziert alleine 1 Cent höhere Futterkosten aufgrund des Qualitätsverlustes.

Dr. Olaf Steinhöfel, Köllitsch

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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