Aktueller Futterrat vom 19.01.2015

Alarmierende Mykotoxingehalte im Silomais

Die bisher untersuchten Silomaisproben des Erntejahres 2014 wiesen teilweise extrem hohe Mykotoxingehalte auf. Untersucht wurden 41 Proben aus dem sächsischen Monitoringmessnetz »Futtermittel« mittels HPLC.
Der mittlere Gehalt erreicht mit 5,4 mg DON, 1,5 mg ZEA bzw. 0,2 mg Fumonisin B1 / B2 je kg Trockenmasse bisher unerreichte Spitzenwerte (Abbildung). Er liegt nahezu 5-fach so hoch wie in den Vorjahren.
Dass der Feldpilztoxinbefall der sächsischen Maisbestände seit Jahren tendenziell steigt, war bekannt. Die jetzt erreiche Größenordnung mit Maximalwerten von 30 mg DON, 20 mg ZEA und 4 mg Fumonisinen je kg Trockenmasse, ist alarmierend. Körnermaisergebnisse liegen bislang noch nicht vor. Hier waren schon in den Jahren, in denen der Weizen nahezu unbelastet war, Werte bis 10 mg DON / kg gefunden worden.

Verbindliche Grenzwerte für Fusarientoxine gibt es bisher nur für Lebensmittel. Seit August 2006 gibt es eine EU Empfehlung für Höchstgehalte von Mykotoxinen in Futtermitteln. In Milchviehrationen sollten z.B. 5 mg DON je Kilogramm (88 % TM) bzw. 0,5 mg ZEA nicht überschritten werden. Der Wiederkäuer gilt als relativ unempfindlich gegenüber Fusarientoxinen. Er kann in seinen Vormägen antinutritive Inhaltsstoffe und mikrobielle Stoffwechselprodukte, wie z.B. Fusarientoxine, modifizieren und damit unschädlich machen. Inwieweit bei gestörter Pansenfermentation oder geschädigter Pansenschleimhaut die Entgiftungskapazität reduziert und die Durchlässigkeit der Toxine durch Pansenwand erhöht ist, ist umstritten. Eine direkte Schadwirkung der Mykotoxine kann nicht diagnostiziert werden, da keine typischen Erkrankungsbilder ausgelöst werden.

Allgemeine Symptome, wie Fressunlust, Fruchtbarkeitsstörungen oder Immunschwäche, können viele Ursachen haben. Eine retrospektive Untersuchungen zum mykotoxikologischen Status der Futtermittel ist zwecklos. Auch eine Untersuchung mykotoxikologischer Anreicherung in Körperflüssigkeiten oder Milch ist sehr umstritten und sollte eher gemieden werden. Dass durch hohe Futteraufnahmen die Passagerate des Futterbreis durch den Pansen steigt, wodurch Toxine weniger stark abgebaut werden und verstärkt in den Labmagen bzw. Darm gelangen können, wird eher bezweifelt.

Eindeutige Dosis-Wirkung-Beziehungen gibt es bisher nicht. Es darf jedoch nicht dazu verleiten, belastete Partien der Lebens- und Futtermittelbranche grundsätzlich über Wiederkäuer zu entsorgen. Da wir uns mit unseren Milchrindern im Grenzbereich der Ernährungsphysiologie bewegen, wo kleinste Provokationen zu Erkrankungen und Störungen des Immunsystems führen, sollten wir die Fusarientoxinbelastung der Milchrinder in diesen Winterhalbjahr unter besondere Kontrolle stellen.

Dr. Olaf Steinhöfel (LfULG),
Gudrun Hanschmann und Doris Krieg (BfUL)

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: Olaf.Steinhoefel­@smekul.sachsen.de

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: Frank.Pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.lfulg.sachsen.de

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