Aktueller Futterrat vom 18.05.2015

Kalium kann Grassilage ausbremsen

Der Kaliumgehalt der sächsischen Grassilagen ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Lag er noch 2007 bei 25 g je kg TM, sind im letzten Jahr Werte von über 30 g nachgewiesen worden. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Seit einigen Jahren wird im Interesse der Ertragssteigerung stärker Kalium gedüngt. Besonders im Umfeld von Biogasanlagen ist zu beachten, dass Gärresten erhöhte Kaliumgehalte aufweisen. Aber auch extreme klimatische Vegetationsbedingungen provozieren veränderte Akkumulationen von Kalium in den Pflanzen. Gehalte über 30 g je kg Trockenmasse Kalium in der Futtertrockensubstanz von Grassilage gelten jedoch, insbesondere bei der Fütterung hochtragender Milchkühe, als äußerst kritisch.

Gerade für Milchviehbetriebe, in deren Herde vermehrt Probleme mit Festliegen auftreten, wird von der Verfütterung von kaliumreichen Futtermitteln in der geburtsnahen Gruppe abgeraten. Kalium hat den größten Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt des Tieres. Dieser Einfluss ist viel bedeutsamer als der von Kalzium. Kaliumgehalte von mehr als 15 g / kg TM der Gesamtration bewirken im Tier eine metabolische Alkalose und infolge eine große Gebärparesegefahr. Das heißt, die Milchfiebergefahr steht in engster Verbindung zum Kaliumgehalt der Ration, und hier in erster Linie mit dem Kaliumgehalt der Grassilage. Eine überhöhte Kaliumaufnahme begünstigt aber nicht nur das Auftreten der Gebärparese, sondern verschlechtert auch die Wahrscheinlichkeit, wieder trächtig zu werden. Ein Kalium-Überschuss wird zudem mit einer verminderten Verdaulichkeit der organischen Substanz und der Rohfaser, einer reduzierten Absorption von Magnesium, einer erhöhten Jodausscheidung über die Niere und einer gestörten ß-Carotin – Absorption in Verbindung gebracht.

Es gilt deshalb der allgemeine Grundsatz, dass exakte Rationsberechnungen über Futtermittelanalysen auch für Trockensteher zwingend angebracht sind. Für K-Gehalte in Grassilagen von 30 g je kg TM bedeutet dies, dass sie im gerburtsnahen Zeitraum de facto nicht mehr zum Einsatz kommen dürfen. In vielen Fütterungsempfehlungen wird dies bereits durch zunehmenden Stroh- und Maissilageeinsatz umgesetzt.

Hier besteht Handlungsbedarf.
Der Kaliumgehalt der Grassilagen kann zum Beispiel durch Verzicht auf Gülledüngung bei Grassilageerzeugung für Trockensteher, durch die Nutzung reiner Grasbestände für die Silageerzeugung und durch Reduktion des Löwenzahns oder Wiesenkerbels (starker Kaliumluxuskonsum) im Bestand mittels intensiver Grünlandnutzung und Pflegemaßnahmen reduziert werden. Wenn der Kaliumgehalt der Transitration nicht unter 15 g Kalium zu drücken ist, sollte unbedingt über den Einsatz saure Salze nachgedacht werden oder auf einen Einsatz von Grassilagen verzichtet werden.
Dr. O. Steinhöfel, Köllitsch 

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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