Aktueller Futterrat vom 18.01.2008

Biertreber - leichtverderblich aber gut silierbar

Frische Treber aus Brauerein sind trockenmassearm (ca. 20 % TM). In neueren Brauerein werden Treber im Sudhaus auf über 28 % abgepresst (Presstreber). Aufgrund des hohen Wassergehaltes, der hohen Auslieferungstemperaturen (> 50°C) und der hohen Enzymlöslichkeit der Nährstoffe sind frische Biertreber leicht verderblich. Die aerobe Stabilität der frischen Biertreber beträgt nicht mehr als 1 bis 2 Tage. Auffallend ist ein rascher Proteinabbau, welcher sich zum Teil durch intensiven Ammoniak- bzw. Fischgeruch (Amine) bemerkbar macht. Bereits nach 2 bis 3 Tagen ist eine intensive Schimmelbildung sensorisch erkennbar. Durch Zusatz von Konserviermitteln kann die Haltbarkeit der Biertreber verbessert werden. Vorrangig getestet wurden bisher Propionsäure, Natriumbenzoat oder Kaliumsorbat. Bei Aufwandmengen von 0,2 bis 0,3 % konnte die aerobe Stabilität auf 4 - 5 Tage gesteigert werden. Bei einer Dosierung von über 0,6 % waren die Treber über 10 Tage stabil. Das Konserviermittel muss bereits vor oder bei der Verladung in der Brauerei zugemischt werden, da es nachfolgend kaum Möglichkeiten einer repräsentativen Verteilung des Mittels gibt.

Die Treber verlassen die Brauereien mit Temperaturen bis zu 65 °C und müssen mit über 40 °C einsiliert werden. Die relativ hohen Einlagerungstemperaturen sind notwendig, um den hitzetoleranten Milchsäurebakterien die Chance zur Säurebildung zu geben. Die bisher marktüblichen Milchsäurekulturen der Siliermittel sind nicht geeignet die Silierung zu unterstützen, da ihnen die Hitzetoleranz fehlt. Frische Treber sollten vor der Silierung nicht zwischengelagert werden, da Substratabbau und Auskühlung provoziert wird. Außerdem erhöht die Zwischenlagerung die Gefahr einer unerwünschten mikrobiellen Kontamination. Die Abkühlung des Siliergutes auf Niveau der Außentemperatur ist ein wichtiges Kriterium für die Beendigung der Silierung. Die Abkühlung sollte 1 bis 2 °C pro Tag betragen. Wenn die Silageabkühlung zu gering ist, kann die gebildete Milchsäure zum Teil wieder abgebaut werden. Die Silage kippt um. Nass- und Presstreber kühlen unterschiedlich ab. Während die Nasstreber nach zwei bis drei Wochen das Außentemperaturniveau erreichen, dauert dies bei Presstrebern etwa 4 Wochen. Keinesfalls darf ein Silo geöffnet werden, wenn noch über 20 °C im Futterstapel vorherrschen. Eine schnelle Verderbnis wäre vorprogrammiert ist.

Trotz der theoretisch schlechten Siliereignung (geringer Zuckergehalt, hohe Pufferkapazität, geringer TM-Gehalt) silieren Treber gut. Nach 4 Wochen Silierdauer weisen die Silagen einen Milchsäuregehalt von über einem Prozent und einen Essigsäuregehalt von ca. zwei Prozent in der Trockenmasse auf. Buttersäure ist bei optimaler Silierung kaum nachweisbar. Die Silierung erbringt auch ohne jeglichen Zusatz gute Gärqualitäten. Biertrebersilagen sind in der Regel mehr als 5 Tage aerob stabil. Der Trockenmasseverlust während der Silierung ist mit bis 20 % aber oft sehr hoch. Durch das geringe Wasserbindevermögen der Treber entstehen hohe Gärsaftmengen. Da die flüssige Phase bei der Entnahme oder bei Frost abgelassen bzw. abgepumpt werden, sind Verluste an löslichen Nährstoffen kaum zu vermeiden. In der Literatur wird empfohlen, den Abfluss des Sickersaftes zu gewährleisten, da sich ein Sickersaftstau nachteilig auf den Siliererfolg auswirken kann. Nach neusten Untersuchungen hat der im Schlauch verbliebene Sickersaft jedoch keine negativen Effekte auf den Gärverlauf gezeigt.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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