Aktueller Futterrat vom 12.06.2013

Die Angst nach dem Hochwasser - Reicht mein Futter?

Wiederkäuer benötigen strukturwirksame Futtermittel. Dies ist keine neue Erkenntnis aber es könnte in der kommenden Winterfütterungsperiode für viele Betriebe zum Problem werden. In einigen Gebieten ist der entscheidende erste Schnitt überflutet und unbrauchbar, eine Beräumung der Flächen in absehbarer Zeit nahezu unmöglich und die Folgen durch Eintrag von mineralischen und organischen Verschmutzungen schwer einschätzbar. Eine schnelle Grobfutterbilanzierung ist dringend notwendig, um über den notwendigen Zukauf strukturwirksamer Rohfaser oder gar Bestandsregulierungen  zu entscheiden. Erste Grobfuttermittelbörsen werden aktuell installiert. Um hier eine richtige Entscheidung zu treffen, sind aktuelle Futterbilanzen unerlässlich.
Zuerst muss der vorhandene Futtervorrat genau eingeschätzt und bewertet werden. Zur Erfassung der Futtervorräte können folgende Raumgewichte für Grobfutter genutzt werden.

Grobfuttermittel

Lagerart

Trocken-masse %

Frisch-masse kg / m³

Trocken-masse kg /m³

Grassilage

Horizontalsilo

< 30

700

150

Horizontalsilo

30 - 40

600

180

Horizontalsilo

> 40

500

210

Rundballen

35

530

170

Maissilage

Horizontalsilo

< 28

750

170

Horizontalsilo

28 -32

650

185

Horizontalsilo

> 32

580

200

GPS

Horizontalsilo

35

650

250

Futterroggensilage

Horizontalsilo

28

650

250

Heu

lang

88

70

Quaderballen

88

250

Rundballen

88

180

Stroh

Häcksel

88

50

Quaderballen

88

160

Rundballen

88

110

Die weitere Kalkulation des Bedarfs beginnt mit der Bewertung bzw. situationsbedingten Korrektur der Leistungserwartung. Es ist bekannt, dass die Anforderungen an die Rohfaserdichte im Grobfutter von der Leistung des Wiederkäuers abhängig sind. Die Orientierungswerte, welche in der Tabelle abgelichtet sind, können für die Konzipierung der Grobfutterkonzepte herangezogen werden. Das heißt, die vorhandenen Grobfuttermittel müssen so miteinander kombiniert werden, dass im Mittel der Rohfasergehalt der Leistungserwartung entspricht. Gelingt dies nicht, muss die  Leistungserwartung reduziert werden. Hier spielt weniger die verfügbare Menge an verfügbarem Grobfutter eine Rolle, sondern die erforderliche Qualität. Wenn zum Beispiel in diesem Winterfutterjahr mehr Stroh in die Rationen muss, verringert sich zwangsläufig die Leistungsgrenze der Grundfutterration. Um nun weiter einzuschätzen wie lange das Grundfutter reicht, kann man sich an Faustzahlen orientieren. Eine Großvieheinheit (GV = 500 kg Körpermasse) benötigt pro Tag ca. 2,6 kg Rohfaser. Dabei sind normale Futterverluste bereits berücksichtigt. Somit ergibt sich der Bedarf an Grundfutter für die Wiederkäuer des Bestandes aus der folgenden Formel:
dt T Grundfutter = ((2,6 * GV-Wiederkäuer) / (Anforderung an den Rohfasergehalt in g / kg  T) * Fütterungstage *10
Aus dieser Rechnung ergibt sich die Orientierung zum Bedarf eines Tieres in nachfolgender Tabelle.

Tierart

GV

Leistung

Rohfaser-Bedarf
GV * 2,6

kg / Tag

Anfor-
derung
Roh-
faser im
Grund-
futter

g / kg TM

TM-Grobfutterbedarf / Tier

 

 

1 Tag

kg

Anschluss
an Folge-vegetation

dt

1 Jahr

Milch-rinder

1,2

Erhaltung

3,1

310

10

24,2

36,5

1,2

25 kg Milch

3,1

265

11,7

28,3

42,7

1,2

30 kg Milch

3,1

230

13,5

32,7

49,3

1,2

35 kg Milch

3,1

220

14,1

34,1

51,5

1,2

40 kg Milch

3,1

205

15,1

36,5

55,1

Jung-rinder

0,3

< 12 Monate

0,8

290

2,8

6,8

10,2

0,6

> 12 Monate

1,6

310

5,2

12,6

19,0

Mutter-kühe

1,1

< 5 Wochen p. p.

2,9

280

10,4

25,2

38,0

1,1

> 5 Wochen p. p.

2,9

320

9,1

22,0

33,2

Schafe

0,1

hochtragend

0,3

270

1,1

2,7

4,0

0,1

laktierend

0,3

265

1,1

2,7

4,0

0,1

güst

0,3

310

1

2,4

3,7

* 1. September 2013 - 1. Mai 2014

Mais in diesem Jahr tiefer schneiden
Zu berücksichtigen gilt bei der Rechnung, dass bei der Silomaisernte 2013 aufgrund der Erzeugung von Masse bzw. strukturwirksamer Rohfaser für die Wiederkäuer eine tiefere Schnittführung sinnvoll sein kann. Dies hat neben den ggf. höheren Gemengeanteilen in der Ration den Effekt, dass der energetische Futterwert unter den Normalwerten liegt. Um das einzelbetriebliche Optimum der Schnitthöhe zu bestimmen, können vor der Ernte Einzelpflanzen in 10 cm Schnitthöhe geerntet werden, deren Futterwert laboranalytisch bestimmt und über Hochrechnungen mit folgender Gleichung das Optimum kalkuliert werden:

Schnitthöhe in cm = (gewünschte MJ NEL / kg T – MJ NEL / kg T bei 10 cm Schnitthöhe + 0,2) / 0,023. Um die Ertragserwartungen zu prognostizieren kann folgende Formel genutzt werden: dt FM / ha = g Einzelpflanze bei 10 cm  *  Pflanzen / m²  *  0,1  *  (1-0,01 * Schnitthöhe in cm).

Nebenprodukte zukaufen
Aufgrund der steigenden Nachfrage kann es zur Verknappung von Nebenprodukten kommen. Dies lässt die Preise steigen. Tritt eine ähnliche Situation, wie im Dürrejahr 2006 ein, sind Preissteigerung von 2 - 3 € höhere Preise für eine Dezitonne der wichtigsten Grob-, Einzel- bzw. Mischfuttermittel zu erwarten. Da der Markt für milchkuhgerechtes Grobfutter aktuell dicht ist, sollten insbesondere Nebenprodukten zugekauft werden. Dabei ist vor unüberlegten Panikkäufen aber abzuraten. Es muss unbedingt die aktuelle Preiswürdigkeit berücksichtigt werden. Preissteigerungen bei Nebenprodukten sind zum Teil unbegründet. Eine Orientierungsgröße sind die Nährstoffpreise. Der Substitutionswert für 10 MJ NEL liegt derzeit zwischen 0,14 und  0,15 €.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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