Aktueller Futterrat vom 11.05.2015

Hochtoxisches Gas aus dem Silo

Die Silierung der ersten Grasaufwüchse des Jahres 2015 ist in vielen Regionen im vollen Gange bzw. bereits abgeschlossen. Nachdem die gute fachliche Silierpraxis hoffentlich beste Vorraussetzung für eine quantitativ und qualitativ verlustarme Silierung geschaffen hat, übernimmt die Biologie ihre Aufgabe. Nach der mikrobiellen Veratmung des Restgehaltes an Sauerstoff und der Bildung von Kohlendioxid, Wasser und Wärme im Futterstock, beginnt die sogenannte Hauptgärphase. Die Pflanzenzellen sterben innerhalb der ersten 3 bis 4 Tage ab. Pflanzeneigene Enzyme bereiten die Nährstoffe für die Mikroorganismen auf. Der Stapel fällt merklich in sich zusammen.

Neben dem Einsinken des Futterstocks kommt es oft zu einer intensiven Gasbildung. Die Abdeckfolie kann sich dabei ballonartig aufblähen. Dies ist eigentlich ein gutes Zeichen, da damit die Dichtheit der Abdeckung angezeigt ist. In keinem Fall darf der Versuch unternommen werden, das Gas abzulassen. Dies kann lebensgefährlich sein. Jegliches Einatmen oder Hautkontakt ist unbedingt zu vermeiden. Im Gasgemisch könnten hochgiftigen nitrose Gase (NOx) enthalten sein. Diese entstehen bei Sauerstoffabschluss durch die Reduktion von Nitrat bzw. Nitrit. Nitrose Gase haben bei höherer Konzentration einen beißenden, stechenden Geruch, sind bräunlich gefärbt, schwerer als Luft und treten daher oft am tiefsten Rand der Abdeckfolien aus. Nach dem Einatmen wirken sie bei Mensch und Tier insbesondere auf die tieferen Atemwege und die Lunge. Der Kontakt mit den Schleimhäuten kann zu einer schweren Schädigung der Schleimhäute, der Atemwege und des Lungengewebes führen. Dies ist durch die Bildung von Salpetersäure provoziert, welche in der Lunge schwere Verätzungen mit Lungenödemen verursachen kann. Zunächst werden oft nur unspezifische Sympthome wie Schleimhautreizungen, Husten, leichte Atemnot, Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten. Da die Symptome nicht immer auftreten und oft nicht als ursachenspezifisch identifiziert werden, sind sie besonders tückisch und als Warnsignal oft ungeeignet. Wenn erst deutliche Atemnot, blassbläuliche Verfärbung der Haut, Erbrechen sowie ein zunehmendes Angst- und Erstickungsgefühl wahrgenommen wird, ist es meist zu spät. Denn typisch ist, dass diese Symptome oft erst nach einigen Stunden bis wenigen Tagen auftreten und trotz dieser Verzögerung noch tödlich wirken können.

Der Gehalt an nitrosen Gasen ist insbesondere bei proteinreichen Siliergütern, suboptimaler N-Düngung und nach dem Einsatz nitrat- bzw. nitrithaltiger Siliermittel im Silostapel erhöht. Als positiven Nebeneffekt ihrer Enstehung ist eine clostridienhemmende Wirkung zu erwarten. Die Produktion nitroser Gase ist auf etwa fünf bis sieben Tage beschränkt. Wenn die Gase nicht entweichen können, werden sie normalerweise im weiteren Silierverlauf innerhalb der folgenden etwa sechs Wochen abgebaut. Nach der üblichen Reifephase der Silage von mindestens 40 Tagen, besteht keinerlei Gefahr mehr bei der Siloöffnung.
Dr. O. Steinhöfel, Köllitsch

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

zurück zum Seitenanfang