Aktueller Futterrat vom 08.09.2008

Geduld bei der Silagereifung

Die Ernte ist in vollen Gang bzw. seit wenigen Tagen abgeschlossen, schon wird gefragt: Wann kann ich mein Silo öffnen? Es spricht weder für den Unternehmergeist, wenn nach einem Rekordmaisjahr, jetzt bereits keine Maissilage aus 2007 mehr vorhanden ist, noch von biologischem Grundwissen. Es sind die säuretolleranten Hefepilze, welche bereits mit dem Siliergut in das Silo gelangen und sich unter Lufteinfluss und Temperaturen über 15 °C stark vermehren. Sie bauen die die Milchsäure, den Alkohol und den Restzucker explosionsartig zu Kohlendioxid, Wasser und thermischer Energie ab. Aus den bisherigen Messungen ist bekannt, dass eine Temperatur zwischen 15 und 17 °C in 40 bis 60 cm Einstichtiefe als „normale“ Silagetemperatur angesehen werden kann. Steigt die Temperatur innerhalb von 6 Stunden auf über 30 °C an ist eindeutig eine Nacherwärmung angezeigt. Außerdem steigen der pH-Wert und der Wassergehalt in den Silagen. Dies beschleunigt die Entwicklung von Gärschädlingen und die Schimmelbildung. Die Tatsache, dass in den letzten Jahren über 40 Prozent der Maissilos innerhalb der ersten 4 Wochen nach der Silobefüllung bereits wieder geöffnet wurden, ist dabei höchst alarmierend. Es muss uneingeschränkt gewarnt werden die Mikrobiologie bei der Silierung zeitlich zu überfordern. Wer den biologischen Weg der Futterkonservierung nutzen will, muss 5 bis 6 Wochen Geduld aufbringen. Jede Unterschreitung dieser Forderung ist ein Spiel mit dem Feuer. Denn generell gilt: Wenn Silagen erst einmal heiß werden, sind die Möglichkeiten diese Silagen erfolgreich zu retten stark eingeschränkt oder sehr teuer. Neben der Silagereifung kann durch die Verringerung der Keimbelastung bei der Ernte und Silobefüllung, durch Lagerdichten von über 250 kg T. je m³, durch Trockenmassegehalte im Siliergute von maximal 35 %, durch Anschnittsflächen von kleiner 0,15 m² / Kuh, durch flachere Silostapel im Sommer, durch geeignete, d.h. geprüfte  Folien, durch Häcksellängen von 8 mm oder durch den Einsatz von Siliermitteln, welche den oxidativen Abbau der Milchsäure durch Hefen reduzieren bzw. verhindern (Wirkungsrichtung 2 der DLG-Prüfung: Chemische oder biologische Siliermittel mit heterofermentativen Milchsäurebildnern) die Maissilage stabilisiert werden. Das Reagieren auf eine Silagenacherwärmung beschränkt sich auf die Vermeidung jeglicher Auflockerung und Zwischenlagerung der Silage, die Erhöhung des täglichen Entnahmevorschubes (im Sommer > 40cm, im Winter >20cm), die Erhaltung der Lagerdichte der Silage im Silo bei der Entnahme durch geeignete Entnahmetechniken, die Vermeidung jeglicher Zwischenlagerung im Sommer, die Siloöffnung in den Sommermonaten im Norden oder ggf. ein Umsilieren der noch kalten Silagen (warm gewordene Silagepartien aussondern) mit chemischen Silier- oder Konserviermitteln.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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