Aktueller Futterrat vom 07.02.2013

Den richtigen Mischwagen finden

Die TMR ist die dominierende Methode der Futteraufbereitung und –vorlage im Milchviehbereich. In Deutschland werden ungefähr 3.000 Mischwagen pro Jahr verkauft, ca. 10 % davon sind Selbstfahrer. Der Preis schwankt vom 12 m³ angehängten Mischwagen mit ca. 30 T€ bis zum Selbstfahrer mit mehr als 150 T€. Rechnet man hoch, werden in Deutschland jährlich fast 150 Millionen € für TMR-Mischwagen ausgegeben. Kein Wunder, dass sich mittlerweile über 50 Unternehmen am Mischwagenmarkt beteiligen. Wenn man die einzelnen Baureihen bzw. Typen versucht zu erfassen, kommt man schnell auf über 1.000 Variationen. Die Entscheidung hier den Passenden zu finden, wird immer schwerer. Wie wird entschieden? Umfragen zur Eurotier 2004 hatten ergeben, dass 73 % der Landwirte nach ökonomischen Gesichtspunkten, Arbeitswirtschaft, Standzeiten, Service, Energieverbrauch oder Anschaffungskosten, wählen. Nur 17 % wichten Aspekte der Tierernährung am stärksten. 7 % priorisieren die Komfortausstattung, wie Ergonomie, Kabinenklima, Staub- oder Lärmbelästigung. Für die restlichen 3% sind die Kontrollmöglichkeiten, wie Messen, Wiegen oder Dokumentieren das Wichtigste. Letztlich soll der TMR-Mischwagen aber die hochsensible Fütterung der Hochleistungsrinder auf den Punkt bringen, denn nur diese werden die teure Technik bezahlt machen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwingen die tierische Veredlung immer mehr in den ernährungsphysiologischen Grenzbereich. Kleinste Abweichungen werden mit Leistungsdepressionen, Gesundheitsproblemen oder Fruchtbarkeitsstörungen bestraft. Die theoretische Optimierung der Energie-, Nähr- und Mineralstoffversorgung übernimmt im Zeitalter von „Precision Dairy Farming„ zwar der Computer, aber ist dies technisch überhaupt umsetzbar? Wird die Misch-, Dosier- bzw. Verteilgenauigkeit der verfügbaren Technik der Genauigkeit des Computers annähernd gerecht?  Daran darf durchaus auch mal gezweifelt werden. Formschön gebogener Stahl, leuchtende Verkaufslackierungen und viele technische Parameter, sagen oft zu wenig darüber aus. Was optisch oft recht ähnlich anmutet, muss nicht gleich funktionieren. Beim Vergleich der laboranalytisch untersuchten Mischungen mit den vom Landwirt erwarteten Futterwerten konnte in den sächsischen Betrieben festgestellt werden, dass im Einzelfall die Milcherzeugungswerte aus Energie und nutzbares Rohprotein bis 20 kg über bzw. unterschätzt waren. Gerade im Hochleistungsbereich ist die Ausbilanziertheit eines jeden Bissen sowohl für das Funktionieren des Wiederkäuers als auch die Ausschöpfung des maximalen Futteraufnahmevermögens der Kühe essentiell. Um für verschiedene Betriebsverhältnisse ein optimales Ergebnis zu erhalten, gibt es aber oft nicht nur eine Wahrheit. Mit Blick auf präzise und Struktur schonende Mischungen gilt es die passende Maschine für konkrete Futterverhältnisse zu finden. Es wird auch zunehmend schwerer mit Futtermischwagen sowohl die Bedürfnisse des Milchviehs und gleichzeitig die der Trockenstehenden und des Jungviehs zu befriedigen. Verwendungszweck und Kostendruck der Technik wird alleine durch die Effizienz der tierischen Veredlung entschieden. Deshalb muss die Messlatte dafür von der Tierernährung aufgelegt werden. Die Differenzen in Präzision, Strukturzerstörung bzw. Beeinflussung der aeroben Stabilität von Silagen sind erheblich. Deshalb müssen Futtermischwagen und Siloentnahmetechniken mit neuen Kriterien neutral getestet werden, um ihren Einsatz allgemein empfehlen zu können. Neben vergleichenden Tests an neutraler Stelle ist auch jedem Landwirt zu raten, vor der Kaufentscheidung die Technik im Betrieb zu prüfen und zu bewerten.
Dr. Olaf Steinhöfel, LfÚLG, Köllitsch

Anwenderseminar am 27.02.2013 "TMR-Mischwagen" im Veranstaltungskalender des LfULG

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

zurück zum Seitenanfang