Aktueller Futterrat vom 06.01.2009

Gefrorenes Futter nicht in den Trog

Die Kerntemperatur von Silos liegt in der Regel zwischen 15 und 18 °C. Dieses Wärmepolster wirkt, selbst bei starkem Frost, einem vollständigen Durchfrieren von Silos entgegen. Bei Außentemperaturen -5 bis -10 °C friert die Silage in Horizontalsilos häufig nur in den Randschichten. In Abhängigkeit des Trockenmassegehaltes sind bis zu 20 cm gefährdet. Bei länger anhaltenden Frostperioden mit Temperaturen unter - 10° C können flache Erdsilos, Freigärhaufen oder Schlauchsilos sogar bis zu einem Meter tief durchfrieren. Ist mit lang anhaltendem Frost zu rechnen, sollten diese Silos mit Strohballen abgedeckt werden. Wenn der tägliche Vorschub der Silageentnahme unter < 20 cm sinkt, frieren häufig auch die Anschnittsflächen dieser Silos bis in eine Tiefe von 10 cm. Besonders gefährdet sind Pressschnitzel-, Biertreber-, aber auch Gras- und Maissilagen mit einem Trockenmassegehalt von unter 28 %. Im Gegensatz zur warmen Jahreszeit, wo Sonnenwärme die aerobe Instabilität der Silage fördert, sollten deshalb die Anschnittsflächen dieser Silagen im Winter möglichst an der Südseite des Silos liegen. Die Sonneneinstrahlung kann dann ein Auftauen der Anschnittsfläche zumindest unterstützen. Ein Silo in Schattenlage ist eher für die Sommerfütterung geeignet.
Gefrorene Futtermittel sollen grundsätzlich nicht verfüttert werden. Neben einem deutlichen Rückgang der Futteraufnahme reagiert insbesondere der Pansen mit Störungen. Durch die Absenkung der Temperatur wird die mikrobielle Aktivität in den Vormägen herabgesetzt bzw. bei größeren Dosen vollständig gehemmt. Häufig treten relativ zeitnah Durchfallerkrankungen beim Wiederkäuer auf. Da es sich oft um die Randschichten der Silos handelt und diese bei Frost schwer abzutrennen sind, kann zusätzlich der Anteil verdorbener Partien in der Silage steigen. Außerdem lassen sich die gefrorenen Futterklumpen im Mischwagen kaum händeln. Dies kann zur Sedimentation und punktuell zur Überdosierung bestimmter Futtermittel führen.
Obwohl üblicherweise von jeder Zwischenlagerung von wasserreichen und instabilen Futterpartien auf dem Futtertisch im Stall bzw. auf dem Hänger in Durchfahrten abgeraten wird, kann dies zum Auftauen stark durchfrorener Partien ratsam sein. Für Hackfrüchte und deren Erzeugnisse, wie zum Beispiel Pressschnitzelsilagen, ist ein Auftauen und längeres Zwischenlagern der aufgetauten Futtermittel mit einem schnellen Verderb verbunden. Die Futtermittel verlieren ihr Gefüge, sie werden schmierig und von den Rindern ungern gefressen. Durch eine rasche Gelb- bis Schwarzfärbung wird dies auch sichtbar. Der Grund dafür ist in der Zerstörung der wasserbindenden Zellstrukturen und der Zersetzung insbesondere der Pektine. Diese Produkte müssen nach dem Auftauen sofort verfüttert werden Die Frosteinwirkung bei luftdichter Lagerung ist ungefährlich. Erst bei der Entnahme zeigen die Silagen, dass sie schnell verderben.
Wenn die Futtertische frostgefährdet muss einem Gefrieren von Rationen bzw. einzelnen Futtermitteln entgegengewirkt werden. Die Futtervorlage sollte bei Rationen mit einem Trockenmassegehalt von unter 50 % so erfolgen, dass das Futter innerhalb von 4 Stunden durch die Tiere aufgenommen werden kann. Die Futtervorlage sollte nicht mehr als 4 kg Trockenmasse je Tier beinhalten. Die Häufigkeit der täglichen Futtervorlage muss zwangsläufig steigen. Um den Trockenmassegehalt der Gesamtration zu erhöhen, könnte es auch sinnvoll sein, verstärkt trockene Grundfutter, wie Heu oder Stroh in die Ration zu nehmen.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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