Aktueller Futterrat vom 04.03.2011

Mehr Milch aus Gras – ein steiniger Weg

Allen Unkenrufen zum Trotz: Maissilage bleibt das dominierende Grobfutter in der Milcherzeugung.
Der errechnete Grünlandüberschuss in Sachsen steigt weiter auf aktuell nahezu 40 Prozent. Hauptgründe dafür: Grassilagen sind zu unsicher in ihrer Erzeugung und zu teuer. Wenn Grassilagen für 6,60 Euro je dt (35 % TM) erzeugt werden und sie als alleiniges Grobfutter gefüttert wird, kommen schnell Grobfutterkosten je kg Milch von 11 Cent zusammen. Ziel sind 6 Cent. Der Griff zur unkompliziert silierbaren und mit 3 - 4 € je dt kostengünstigeren Maissilage, ist allzu verständlich. Aufgrund zunehmender Begehrlichkeiten nach Ackerfrüchten bzw. -energie kann dies nicht gut gehen.

In Sachsen werden aktuell bereits mehr als 12 Tausend Tonnen Silomais jährlich in Biogasanlagen verstromt. Dieser wächst auf ca. 2.800 ha Ackerfläche. Weitere Biogasanlagen sind in Bau und Planung. Erste Gerüchte zu Preisexplosionen bei Flächenpachten oder Maissilagen machen die Runde. Wenn die Nachfrage nach Maissilagen weiter steigt und wir nicht mehr mit Vollkosten sondern mit Handelpreisen kalkulieren, muss die Sicht eine andere werden. Keiner hat aktuell ernsthaft die Grassilagen vom Grünland als Koferment im Fokus. Das Grünland muss aber für eine milchviehgerechte Futtererzeugung oft grundsätzlich saniert werden. Denn der Futterwert entscheidet letztlich über den Einsatz in der Ration. Verluste werden doppelt bestraft. Erstens geht kostenträchtige Masse verloren und zweitens reduziert sich der Futterwert. Je schlechter der Futterwert der Grassilage ist desto weniger wird sie in der Ration berücksichtigt, desto mehr Maissilage oder Kraftfutter muss dazu und desto weniger der erzeugten Silage wird veredelt. Veredelt kann nur werden, was gefressen wird.

Was sich vor der Fütterung in Luft auflöst, ausgewaschen oder mikrobiell verdorben oder was aus der Ration gedrängt wird, hat Geld gekostet wird aber nicht zu Milch. Ein Zahlenspiel: Eine Kuh frisst ca. 150 dt Silage (35 % TM)  je Jahr. Ein Prozent davon sind ca. 150 kg. Wäre dies Grassilage, wären das 10 Euro je Jahr bzw. 0,1 Cent je kg Milch. Dazu kommt 0,15 Cent je kg Milch Ersatz durch z. B. Maissilage. Das heißt ca. 4 % nicht gefütterte aber erzeugte Silage sind ca. 1 Cent Futterkostensteigerung je kg Milch. Für den gleichen Effekt müsste man fast 5 dt Kraftfutter je Jahr einsparen. Die teuerste Silage bleibt die Silage, die nicht gefressen wurde? Wir brauchen hohe Energiedichten in Grassilagen, aber wir brauchen auch Landwirte, die mit derartigen Siliergütern und Silagen umgehen können.

Ein weiteres beliebtes Argument um den Ruf der Grassilagen zu verbessern ist, auf seinen Beitrag zur Proteinversorgung hinzuweisen. Immerhin werden jährlich in Deutschland circa 4,5 Mio. t Sojaextraktionsschrot und 3,2 Mio. t Rapsextraktionsschrot bzw. –kuchen über Nutztiere veredelt. Die aktuellen Grassilagen sind aber nur rechnerisch in der Lage, hier einen Beitrag zu leisten.  Durch die Proteolyse während der Silierung sinkt der Reineiweiß- und infolge auch der UDP-Gehalt nahezu um die Hälfte. Viele Grassilagen liefern eigentlich nur noch NPN-Verbindungen und müssen sich eher am Preisniveau von Futterharnstoff orientieren.

Hier gilt es neue Wege zu diskutieren, um die Proteinqualität von Gras besser zu nutzen bzw. stabiler zu konservieren. Generell muss die Erzeugung, Konservierung und Verfütterung von Gras und Grassilagen  Chefsache bleiben. Der sächsische Futter- und Grünlandtag am 16.03.2011 in Groitzsch soll einen Beitrag leisten, die Möglichkeiten und Grenzen des Graseinsatzes in der Milchkuhfütterung wahrzunehmen bzw. zu erkennen.
Dr. Olaf Steinhöfel und Simone Roscher; LfULG, Köllitsch

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Prof. Dr. Olaf Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2200

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Frank Püschel

Telefon: 034222 46-2211

E-Mail: frank.pueschel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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