Begleituntersuchungen in Agroforstanlage
Praxistipp...
- »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.« - ungünstige Bedingungen in der Jungbaumphase können später nur schlecht oder nicht kompensiert werden. Vor Anlage eines Agroforstsystems sind 2 zentrale Themen mit in die Planung einzubeziehen:
- Welche Möglichkeiten gibt es, die Bäume bei Bedarf im Pflanzjahr zu bewässern?
- Welche Möglichkeiten der Pflege bzw. der Bearbeitung der Baumstreifen gibt es im Pflanzjahr?
- Bleibt eine der Fragen oder bleiben beide zunächst unbeantwortet, gibt es dringenden Klärungsbedarf - sprechen Sie mich bei Bedarf an. Kein Jahr ist bei Anlage eines Agroforstsystems so wichtig wie das Pflanzjahr.
Versuchsfrage
- Begleitende Untersuchungen zu kleinklimatischen Verhältnissen eines Modell-Agroforstsystems in einem sächsischen Trockengebiet
Hintergrund
Durch Baumstreifen auf Ackerflächen wird die Windgeschwindigkeit erheblich reduziert, in der Spitze bis 75 % verglichen mit Referenzflächen. Dadurch wird nicht nur die Winderosion reduziert, auch der Wasserhaushalt auf der Fläche zwischen den Baumstreifen verbessert sich. Die vielen positiven Effekte auf das Mikroklima schlagen sich in einer erhöhten Ertragsstabilität, vor allem in trockenen Jahren, nieder. Ob die angenommenen Effekte im Zusammenhang mit messbaren Veränderungen der Feuchtigkeits- und Windverhältnisse stehen, soll durch entsprechende Messungen sowie die Auswertung der Messergebnisse geklärt werden. Daraus lassen sich Empfehlungen für den Boden-Klima-Raum 104 (trocken-warme diluviale Böden des ostdeutschen Tieflandes) und vergleichbare Standorte ableiten.
Versuchsaufbau
Die Datenerhebung beginnt vor Etablierung des Modell-Agroforstsystems auf der Zielfläche sowie auf einer Referenzfläche. Der Erfassungsbeginn vor Etablierung des Modell-Agroforstsystems ermöglicht eine bessere Validierung der Projektziele. Die Datenerhebung erfolgt über 3 Jahre und räumlich wie auf dem bearbeiteten Luftbild dargestellt. Die Messungen im Projekt erfolgen in Abstimmung mit dem Deutschen Wetterdienst, der seinerseits Beprobungen auf der Zielfläche vornimmt. Die so generierten Ergebnisse ergänzen und präzisieren die erhobenen Daten
Der Versuch in Bildern
Die Datenerhebung beginnt vor Etablierung des Modell-Agroforstsystems auf der Zielfläche sowie auf einer Referenzfläche. Der Erfassungsbeginn vor Etablierung des Modell-Agroforstsystems ermöglicht eine bessere Validierung der Projektziele. Die Datenerhebung erfolgt über 3 Jahre und räumlich wie auf dem bearbeiteten Luftbild dargestellt.
Die Datenerfassung geschieht auf 3 Ebenen:
- Kontinuierliche Messung von Wetter- und Bodenzustandsdaten mittels Wetterstationen und Bodensonden (Verantwortung/Durchführung: LfULG)
- Regelmäßige Entnahme von Bodenproben (Verantwortung/Durchführung: Deutscher Wetterdienst)
- Cosmic-Ray Neutron-Sensing-Sensoren als Teil eines Messnetzwerks für Modellierung der Bodenfeuchte (Verantwortung/Durchführung: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ)
Pflanzung
Im Frühjahr 2025 erfolgte am 31.3. die Pflanzung des Agroforstsystems. Gepflanzt wurden:
- 6 Baumstreifen
- mit insgesamt 26 Baumreihen (drei Baumstreifen mit je 5, zwei Baumstreifen mit je 4 und ein Baumstreifen mit 3 Baumreihen) mit 1,25 m Pflanzabstand in der Baumreihe und 3,3 m Abstand zwischen den Baumreihen
- 2.500 Pappelstecklinge der Sorten Bakan, Skado und Marke mit einer Länge von je 90 cm.
Die Feuchte des ausgehenden Winters ermöglichte ein gutes Anwachsen der Stecklinge, im Verlauf der Vegetationszeit wurden die Stecklinge mittels Wasserfass einzeln bewässert. Der Anwuchserfolg wurde am 22.9.25 mit 89,81 % bonitiert. Fortlaufend werden Wetter- und Bodenzustandsdaten erfasst.
Pflege
Zur Absicherung des Anwuchserfolges und damit der Basis für Ergebnisse im Forschungs- und Entwicklungsvorhaben wurde im späteren Jahresverlauf eine zusätzliche Pflegemaßnahme durchgeführt. Mit einem ursprünglich für Obstbau entwickelten Bodenbearbeitungsgerät »Humus Planet« wurden die Baumreihen gehackt. Das Gerät arbeitet mit einem rotierenden Arbeitskopf, an den 4 Hackmesser montiert sind. Die Hackmesser dringen bis zu ca. 15 cm in den Boden ein und erfassen so durch die vertikale Drehbewegung auch stärkere Wurzeln des Bewuchses und reißen diese aus. Den Bäumen des Agroforstsystems weicht das Gerät durch Aus- und Einfahren des Auslegers aus, was wiederum durch einen Tastbügel ausgelöst wird. So kann mit dem Gerät in der Baumreihe bis fast vollständig an die Bäume heran gehackt werden. In Kombination mit einem nachlaufenden Mulcher wurde die Pflege zur Zeit des Laubfalls im November abgeschlossen. Der Bestand ging so in erstrebenswertem Zustand in die Winterruhe am Ende des Pflanzjahres.
Auf dem schwierigen Standort (Sand, 16-19 Bodenpunkte) gelang trotz verhältnismäßig spätem Pflanztermins die Etablierung des Agroforstsystems wie geplant. Längen- und Laubwachstum verzeichnen ein erfreuliches Wachstum im Pflanzjahr. In Folge dessen sind bereits im 2. Standjahr 2026 messbare Einflüsse des Agroforstsystems auf die Zielfläche zu erwarten.
Kontakt
Praxislabor Klima
Christoph Müller
Telefon: 035242 63179-55
E-Mail: Christoph.Mueller@lfulg.sachsen.de
Webseite: Öko-Kompetenzzentrum
Biohof Barthel
| Ort | Greudnitz |
| Öko seit | 2003 |
| Betriebsgröße | 120 ha |
| Erwerbsform | Haupterwerb |
| Schwerpunkte | Rindfleisch, Direktvermarktung |