Digitale Gelbschale im Raps
Unser Fazit in Kürze
Der Einsatz der digitalen Gelbschale hat sich als wirkungsvolles Werkzeug erwiesen, um den Zuflug der Rapserdflöhe präzise und automatisiert zu überwachen. Sie gibt eine gute Entscheidungsbasis für den bedarfsgerechten Insektizideinsatz zur bestmöglichen Bekämpfung von Rapserdflöhen.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| höhere Überwachungsfrequenz | höhere Anschaffungskosten |
| einfache Dokumentation - Abruf der Daten auch in der kommenden Saison möglich | dauerhaft Lizenzkosten für die App |
| Früherkennung von Zuflugphasen | ggf. Support bei technischen Problemen nötig |
| Erfassung kumulierter Ergebnisse zur einfachen Ermittlung der Befallsschwelle | Sauberhaltung der Schalen erforderlich |
| Zeitersparnis - keine Anfahrt und kein manuelles Auszählen der Fallen nötig |
Hintergrund
Der Rapserdfloh stellt, insbesondere seit dem Wegfall der insektiziden Beizmittel, ein zunehmendes Problem für den Rapsanbau in Deutschland dar. Ein Befall mit Rapserdflöhen kann zu Ertragausfall bis hin zum Umbruch der Kultur führen.
Zunehmende Resistenzen gegenüber Pyrethroiden sowie verschärfte gesetzliche Auflagen bei Insektizidmaßnahmen führen dazu, dass mit noch möglichen Anwendungen bestmögliche Behandlungserfolge erzielt werden müssen. Eine Überwachung des Zuflugs der Rapserdflöhe durch Gelbschalen leistet dabei einen entscheidenden Beitrag.
Die herkömmliche Überwachung der Rapserdflöhe mittels Gelbschalen, welche visuell kontrolliert und manuell ausgezählt werden müssen, ist relativ arbeitsintensiv und wenig standardisiert. Es kann zu Bestimmungsfehlern oder Fehlern bei der Aufsummierung der Individuenanzahl nach Zeitraum kommen. Andere Fehlerquellen, wie das unbemerkte Austrocknen oder Umkippen, oder fehlende Zeit für regelmäßige Kontrollgänge sind möglich.
Eine digitale Überwachungsmöglichkeit verspricht die Vorteile einer höheren Genauigkeit, einer besseren Dokumentation und einer deutlichen Zeitersparnis. Ob diese Vorteile in der tatsächlichen Anwendung zutreffen, sollte erprobt werden.
Fragestellung
- Lässt sich der Zuflugsbeginn und die Populationsdynamik automatisiert erfassen?
- Wie objektiv ist die Dokumentation und die mengenmäßige Erfassung des Befalls?
- Vereinfacht die Nutzung der digitalen Gelbschale die Entscheidungsfindung hinsichtlich einer nötigen Behandlung des Bestandes (Überschreitung des Behandlungsrichtwertes von >50 Tiere innerhalb von 3 Wochen)?
- Wie praxistauglich ist die gewählte digitale Gelbschale und die dazugehörige Software?
Aufbau des Versuchs
Auf einem Rapschlag mit bekanntem Erdflohbefall in der Lausitz wurden zwei digitale Gelbschalen des Modells MagicTrap der Firma Bayer getestet.
Die verwendeten digitalen Gelbschalen bestehen aus:
- Gelbschale 25 x 40cm
- Solarpanel zur Energieversorgung
- Kameraeinheit mit definierten Aufnahmeintervallen (2 Bilder täglich)
- LTE-Modul zur Datenübertragung
Die Fangleistung der digitalen Gelbschale und Erkennung durch die dazugehörige App wurden anhand von zwei dieser digitalen Fangschalensysteme mit den Fangzahlen aus vier herkömmlichen Gelbschalen verglichen. Die digitalen Gelbschalen als auch die herkömmlichen Gelbschalen wurden dabei jeweils wenige Meter voneinander entfernt aufgestellt.
Die Auszählung der herkömmlichen Gelbschalen sowie der digitalen Variante erfolgte 2x wöchentlich.
Die Ergebnisse der Zählung und der Bestimmung unter dem Binokular wurden mit den Zahlen der App und den tatsächlichen Fängen in der jeweiligen digitalen Gelbschale verglichen.
Durchführungszeitraum: September bis November 2024
Versuchsdurchführung: LfULG
Ergebnisse
Zur Handhabung:
Die Fotos aus der Gelbschale werden automatisch 2x täglich an die App übertragen und computergestützt ausgewertet. Bilder und Daten werden über die Saison hinaus gespeichert und können auch noch im Folgejahr abgerufen oder exportiert werden. In Echtzeit erfolgt eine Erkennung sowie Auszählung und Aufsummierung von Rapserdflöhen, Rapsglanzkäfern und Gefleckten Kohltriebrüsslern entsprechend der Schadschwellen (am Bsp. Rapserdfloh: Anzahl Käfer der letzten 3 Wochen).
Zur Erkennung der Schädlinge in der digitalen Gelbschale dient ein Raster am Fallengrund. Um die einzelnen identifizierten Schädlinge wird im Foto der App eine Markierung gelegt, welche je nach Art eine andere Farbe hat.
Bei einer Überschreitung der definierten Schadschwelle oder bei einem technischen Problem, zum Beispiel eine notwendige Reinigung, erfolgt eine Benachrichtigung via Push-Nachricht auf die angegebene Handynummer.
Zu den Erfassungsergebnissen:
Nach der Auswertung der Fänge in den herkömmlichen Gelbschalen, der Fänge in den digitalen Gelbschalen und den Ergebnissen der App lässt sich feststellen, dass die Trends bei der Einschätzung von Zuflugsbeginn und Populationsdynamik übereinstimmen.
Die Auszählung der digitalen Fallen bestätigt, dass die darin gefangenen Käfer durch die App auch als solche erkannt werden. Die Anzahl der per Hand ausgezählten Rapserdflöhe ist nahezu deckungsgleich zur digitalen Zählung der App. Es gibt einige geringfügige Abweichungen, die durch eine erschwerte Erkennung bei Verschmutzung der Fallenkörper oder auf eine punktuelle Ansammlung von Käfern zurückzuführen ist, sodass einzelne Individuen nicht erkannt werden. (Zudem kann der zeitliche Versatz von bis zu ½ Tag zwischen der manuellen Entleerung der Fallen und der automatischen Auslesung der App die Fangzahlen beeinflussen.)
Kontakt
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Kompetenzzentrum Nachhaltige Landwirtschaft, Ref. 73
Maria Vorholz
Telefon: 035242 6317308
E-Mail: Maria.Vorholz@lfulg.sachsen.de