Hauptinhalt

Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung

© Carola Förster

Schafe und Ziegen wurden als eine der ersten Nutztierarten in Europa domestiziert und dienten seither als Lieferant von Fleisch, Milch und Wolle für den Menschen. Im Laufe der Geschichte und insbesondere mit der Entwicklung von künstlichen Textilfasern veränderten sich die Prioritäten dahin, dass die Erzeugung von qualitativ hochwertigem Lammfleisch an erster Position steht.

Zunehmende Bedeutung gewinnt die Funktion der Landschaftspflege in Verbindung mit einer extensiven Koppel- und Hütehaltung auf Grünlandstandorten oder auf Naturschutzflächen, auch mit touristischen Effekten. Besondere Bedeutung besitzt die Pflege von Deichen für den Hochwasserschutz an Flussläufen.

Der Anteil der Ziegenhaltung ist noch wesentlich geringer ausgeprägt. Die gewerblich orientierte Ziegenhaltung wird von der Erzeugung von Ziegenmilch und Milchprodukten dominiert. Die Ziege hat zudem eine spezielle Bedeutung in Landschaftspflegeherden zur Offenhaltung der Flächen vor Verbuschung.

Als eine Produktionsrichtung der deutschen Landwirtschaft zählt die Schaf- und Ziegenhaltung zur Nischenproduktion mit 1,4 % Anteil am Tierbestand in Sachsen (GV 2017, Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen). Der Anteil der Schaf- und Ziegenhaltung am Produktionswert der Tierhaltung in Deutschland umfasst mit ca. 7 Mio. Euro nur 0,8 % und ist demzufolge in die Gruppe der Nischenproduktion einzuordnen (2016, Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg; Agrarförderung LfULG, Ref. 22).

Für die Betriebe der Herdenschafhaltung umfasst der Verkauf von Schlachtlämmern und Altschafen ca. 90 % der Erlöse aus der Schafhaltung und bildet damit die wichtigste Erlösposition. Die verbreitetste Methode der Herdenschafhaltung ist der Verkauf von Lämmern und Altschafen an den Großhändler oder an den spezialisierten Schafschlachthof. Ein geringerer Teil der Tiere kann auch regional vermarktet werden, zum Beispiel im Frühjahr als „Gartenlämmer“ mit anschließender Hausschlachtung oder an das Fleischerhandwerk. In jedem Fall werden die Schafe lebend verkauft.

Trotz ihrer wertvollen Eigenschaften stellt die Schafwolle aus ökonomischer Sicht nur ein Nebenprodukt der Schafhaltung dar. Entsprechend dem Tierschutzgesetz sind Schafe einmal jährlich zu scheren und liefern durchschnittlich 3 bis 4 kg Wolle je Tier.

Bei ca. 14 % der Betriebe in Sachsen sind Direktvermarktungseinrichtungen für Schaffleisch bekannt, die nur teilweise und saisonal betrieben werden. Der Aufbau einer Schlachtstätte im schafhaltenden Unternehmen ist relativ preisintensiv und stellt hohe Anforderungen an die Einhaltung aller gesetzlichen Anforderungen. Da oft nur ein begrenzter Abkauf realisiert wurde, gestaltet sich der Erhalt der Direktvermarktungseinrichtungen unökonomisch, insbesondere da die Anerkennung als EU-Schlachtstätte weitere Investitionen erfordert.

Die Direktvermarktung milcherzeugender Betriebe hat einen höheren Stellenwert und steht auch in Abhängigkeit zur Entfernung zu den spezialisierten Molkereien für Schaf- und Ziegenmilch. Sind sie weiter entfernt, ist die Anlieferung von Milch unrentabel und zwingt die Erzeuger zur Verarbeitung. Als Betriebszweig der Nischenproduktion haben sie einen festen Platz belegt.

Bei der Analyse schafhaltender Betriebe ist der Anstieg der Kostenpositionen im Laufe der letzten 24 Jahre deutlich sichtbar. Aber auch der Deckungsbeitrag der Schafhaltung (bis 2005 mit der Mutterschafprämie) konnte stabilisiert werden. Für die Lämmererzeugung ist eine Produktivitätszahl von über einen Lamm je Mutterschaf des Durchschnittsbestandes erforderlich. Entscheidend für eine rentable Schafhaltung ist weiterhin die Förderung der Landschaftspflege inclusive der Deichpflege sowie die Inanspruchnahme der Fördermöglichkeiten in der Position der weiteren Erträge des Betriebes.

Signifikante Unterschiede und zugleich wesentliche Erfolgsfaktoren Schafe haltender Betriebe sind die Flächenausstattung, der Tierbestand und der Arbeitskraftbesatz sowie die Teilnahme an Agrarumweltprogrammen. Erfolgreiche Betriebe zeichneten sich durch höhere, preiswerte Flächenausstattung sowie ein günstiges Verhältnis von Erträgen zu Auf-wendungen aus. Dafür waren bessere Natural- und Marktleistungen, ein effizienterer Betriebsmittel- und Faktoreinsatz sowie eine stärkere Teilnahme an Agrarumweltprogrammen entscheidend. Die Gruppe der weniger erfolgreichen Betriebe befand sich in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Situation. Die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung war unabhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Unternehmen in hohem Maße durch öffentliche Zuwendungen bestimmt (Ref. 22 – Schirrmacher).

Tabelle: Wirtschaftliche Erfolgsgruppen (Oberstes und unterstes Viertel) schafhaltender Betriebe ausgewählter Bundesländer – Wirtschaftsjahr 2016/17

Kennwert

ME

Oberstes Viertel

Alle Betriebe

Unterstes Viertel

Anzahl Betriebe

n

16

62

16

Umsatzerlöse
(Schafhaltung)

€/Mutterschaf

102

95

77

Öffentliche Zahlungen

€/Mutterschaf

251

204

167

Betriebliche Erträge insgesamt

€/Mutterschaf

436

355

315

Anteil öffentliche Zahlungen an betrieblichen Erträgen

%

57,7

57,6

53,0

Aufwendungen insgesamt

€/Mutterschaf

266

258

283

Ordentliches Ergebnis zzgl. Personalaufwand

Tsd. €/AK

55,9

29,7

6,5

(Quelle: gemeinsame Buchführungsauswertung ausgewählter Bundesländer; sächsische Buchführungsergebnisse; Ref. 22 – Schirrmacher)

Die wirtschaftliche Situation der spezialisierten Schafbetriebe, gemessen an der Kennzahl „Ordentliches Ergebnis zzgl. Personalaufwand“, hat sich im Trend der zurückliegenden zwölf Jahre leicht verbessert. In den Jahren 2005/06 bis 2017/18 wurde von den analysierten Betrieben ein durchschnittliches Ergebnis in Höhe von 22.400 €/Arbeitskraft erzielt. Dies entspricht 72 % des durchschnittlichen Niveaus aller sächsischen Landwirtschaftsbetriebe (31.100 €/Arbeitskraft) in dieser Zeit.

Abb.: Entwicklung des „Ordentlichen Ergebnisses plus Personalaufwand je Arbeitskraft“ von 2005/06 bis 2017/18  © LfULG
© Carola Förster

Mit dem Förderprogramm sollen Schaf- und/oder Ziegenhalter zur Unterstützung einer nachhaltigen Landbewirtschaftung durch Beweidung und zur Verringerung von Konflikten zwischen Artenschutz und Weidehaltung bezüglich der laufenden Betriebsausgaben für den Schutz vor Schäden durch den Wolf gefördert werden.
(ab 50 prämienfähige Tiere, 40 Euro je Tier, Antragstellung bis 31. Mai 2020)

Deichpflege mit Schafen

Die Studie gibt einen Überblick, wieviel Deich-Pflegeflächen derzeit von Herdenschafbeständen über 100 Mutterschafe in Sachsen bewirtschaftet werden und inwieweit sich die Standortbedingungen in den einzelnen Flußmeistereien unterscheiden. Es wird zusammengefasst, welche Probleme es aus der Sicht der Schäfereien gibt und welche Probleme die Landestalsperrenverwaltung sieht.

zurück zum Seitenanfang