Vorträge der Veranstaltung Milchrindtag 2013

Wie definiert sich die gesunde Hochleistungskuh?

Als „extrem kritische Phase“ für den Organismus der Kuh sieht Kaske den Übergang zwischen Trockenstehen und Laktation an. Gerade die ersten Laktationstage und –wochen seien entscheidend für den weiteren Verlauf der Laktation. Zentrales Anliegen nach dem Abkalben müsse es sein, die Futteraufnahme zügig zu erhöhen. Das beginnt beim schnellen Anbieten von Energietränke gleich nach der Geburt und setzt sich mit der späteren Rationsgestaltung fort. Auch häufigeres Vorschieben erhöht die Aufnahme von Trockensubstanz wesentlich, wie Versuche zeigten. Um sekundäre Folgen zu vermeiden, sollten Gesundheitsstörungen nach der Kalbung früh erkannt und „aggressiv therapiert“ werden, so der Wissenschaftler. Leicht zu ermittelnde Parameter wie die Körperhaltung, die Rektaltemperatur, Pansenfüllung und Vaginalausfluss geben über den Zustand des Tieres Aufschluss. Nicht zuletzt erlauben es Daten wie NEFA- oder Serum-BHB-Werte oder Ergebnisse von Milchtests oder der Milchleistungsprüfung, die Stoffwechselgesundheit systematisch zu überwachen.v

Gesundheitsstatus sächsischer Milchkühe

Beitrag vom Rindergesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse

Knackpunkt Haltungshygiene

Eng mit der Tiergesundheit verbunden ist die Haltungshygiene, der sich Dr. Evelin Ulrich vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) widmete. Sie stellte die »Systemanalyse Tierhaltung Rind - SAT³ vor, die auf Initiative des Freistaates Sachsen durch die TU Berlin in Zusammenarbeit mit dem LfULG entwickelt wird. SAT³ analysiert objektiv das betriebliche Hygienemanagement und umfasst zugleich die Bewertung von Parametern, die der Tiergesundheit und dem Tierwohl zugeordnet werden. In der Arbeit mit am Projekt beteiligten Pilotbetrieben habe sich gezeigt, dass mithilfe der Systemanalyse Verbesserungen des Hygienezustands durchgesetzt werden konnten. Weiterreichende Möglichkeiten bieten sich darüber hinaus über die Ablage der Daten in der Dateninformationsplattform Tier (DIT) beim LKV an.

Abkalbung in Einzelboxen

Ergebnisse einer Untersuchung zur Abkalbung in Einzelboxen stellte beim Milchrindtag Dr. Ilka Steinhöfel (LfULG) vor. Ziel war es, die Bewirtschaftung von Einzelabkalbeboxen mit möglichst kurzer Verweildauer der Kuh zu untersuchen und dabei insbesondere die Tiergesundheit und -gerechtigkeit, die Ausübung der Tierkontrolle und Geburtshilfe sowie die Arbeits- und Materialökonomie zu betrachten. In drei verschiedenen Betrieben wurden insgesamt 388 Kalbungen untersucht, wobei die Tiere jeweils kurz vor dem Kalben aus dem Transitbereich in die Einzelbox verlegt wurden. Klare Effekte des Abkalbeplatzes zeigen die Versuchsergebnisse in Bezug auf die Leistungs- und Fruchtbarkeitsparameter nicht, jedoch sind im beobachteten Zeitraum deutlich weniger Abgänge innerhalb der ersten 60 Laktationstage registriert worden. Unmissverständlich war, dass die Abkalbung in der Einzelbox funktioniert und keine negativen Auswirkungen auf Tierwohl, Gesundheit und Leistung zu befürchten sind. Engmaschige Kontrollen und eingespielte Routinen im Betrieb sind jedoch auch bei dieser Variante entscheidend.

Das gesunde Maß für die Tierernährung

Laut Untersuchungen des LfULG werden von vielen Betrieben die notwendigen Zufuhren an Mineralstoffen und Spurenelementen im Futter überschritten, zum Teil auch über die gesetzlichen Höchstgrenzen. In den untersuchten Totalmischrationen decken häufig schon allein die zugesetzten Mineralfutter den Bedarf, machte Dr. Olaf Steinhöfel (LfULG) deutlich. Unberücksichtigt blieben die Zufuhren, die durch das Einzelfuttermittel ohnehin vom Tier aufgenommen werden. Unbedingt sollten die Gehalte im Einzelfutter analysiert und in die Berechnung eines möglichen Bedarfs einbezogen werden. „Wichtig ist der Blick in den Futtertrog!“, warnte der Experte vor falschen Rückschlüssen und sprach sich dagegen aus, nur anhand von Blutwerten zu füttern. Mineralfuttermittel sollte nicht „von der Stange“ gekauft, sondern in an den betrieblichen Bedarf angepassten Mischungen bezogen werden. Zwar ist der Geldwert dieser Futtermittel relativ gering, der Einspareffekt einer Reduzierung deshalb auch. Jedoch stehe die überhöhte Mineralfuttergabe in Konflikt zur Tiergesundheit und zu Zielen des Umwelt- und Verbraucherschutzes.

Investitionen in die Tiergesundheit, was darf sie kosten?

Kranke Kühe kosten Geld – im Fall einer akuten Mastitis sind das bedingt durch Behandlungskosten und Leistungsausfall um die 250 Euro pro Tier sein, wie Ingo Heber (LfULG) vorrechnete. Doch auch Investitionen in bauliche Ausstattung und Technik, die zu einer besseren Tiergesundheit beitragen, gibt es nicht umsonst. Dem Mehraufwand, den tiergerechtere Haltungssysteme verursachen, müssen notwendige Mehrleistungen gegenüberstehen, um sie wirtschaftlich begründbar zu machen. Gleichwohl gelte: Vorbeugen ist besser als auftretende Probleme behandeln zu müssen. Und Investitionen in den Kuhkomfort entschärfen überdies das Spannungsfeld Wettbewerbsfähigkeit, Tierschutz, Verbraucherschutz und Umweltschutz. Nicht immer jedoch müssen es teure Baumaßnahmen oder Anschaffungen sein, um die Tiergesundheit zu verbessern: Ein konsequentes Controlling trage dazu bei, Probleme frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Investitionen in der Erzgebirgischen AG Forchheim

Über positive Erfahrungen berichteten im Anschluss Gunar Lantzsch von der Erzgebirgischen Agrargenossenschaft Forchheim und Hartmut Hänsel von der Produktionsgenossenschaft Rosenhain. 400 Euro je Kuhplatz haben die Forchheimer beim Umbau eines Stalles für 460 Milchkühe zusätzlich in den Kuhkomfort investiert und damit sichtbare Verbesserungen bei verschiedenen Gesundheits- und Leistungsparametern erzielt. Luft- und Lichtverhältnisse wurden optimiert, die Laufgänge mit Gummimatten ausgelegt, Tiefboxen mit Stroh-Mist-Matratzen geschaffen und Fressstände eingerichtet, die Rangkämpfe und Futterverluste reduzieren. Zusätzliche Gülleabflusseinrichtungen tragen zu saubereren und trockeneren Laufwegen bei.

Investitionen in der Produktionsgenossenschaft Rosenheim e.G.

Tiefboxen mit Kalk-Stroh-Matratzen, ein Laufgang aus profiliertem Fertigbeton, ein Großraumlüfter und Lichtbänder führten auch im neuen Rosenhainer Stall zu sichtbar mehr Tierwohl, wie Hartmut Hänsel berichtete. Man habe im Vorfeld gemeinsam mit den Mitarbeitern viele Anlagen besichtigt und sich vieles abschauen können. Teil des neuen Stalls ist auch ein Aktivitätsmesssystem, dass nicht nur die Zwischenkalbezeit auf 384 Tage senken half, sondern auch eine bessere Überwachung des Gesundheitszustandes des Einzeltieres ermöglicht und frühzeitig Probleme erkennen lässt.v

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 74: Tierhaltung

Dr. Ilka Steinhöfel

Telefon: 034222 46-2212

Telefax: 034222 46-2099

E-Mail: ilka.steinhoefel@smul.sachsen.de

Webseite: http://www.lfulg.sachsen.de

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