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Pferd

In allen Regionen Sachsens ist die Pferdehaltung elementarer Bestandteil der Landwirtschaft und Ausdruck der Nutzungsvielfalt in der Tierhaltung. Mit dem Wandel in der Hauptverwendung des Pferdes vom Arbeitstier hin zum Freizeitpartner des Menschen hat es eine völlig neue gesellschaftliche Einordnung erfahren und zugleich auch einen veränderten Stellenwert innerhalb der Landwirtschaft. Nicht nur im ländlichen Raum bilden Pferde heute einen wichtigen kulturellen Bestandteil des Alltags. Sie haben inzwischen in der ganzen Breite der modernen Gesellschaft einen festen Platz im Freizeitleben eingenommen.

Viele Bürger wenden sich dem Pferd in Hobbybeschäftigungen zu und wollen dadurch Natur erleben und Naturnähe erschließen. Der Pferdesport in seiner Vielfalt der Disziplinen, Anforderungen und Reitweisen hat eine zunehmend große Bedeutung erfahren. Auch in der Erholung und Touristik, in der Rehabilitation und Therapie sowie aus züchterischem Interesse und bis hin zum historischen Brauchtum im Vereinsleben beschäftigen sich Menschen mit dieser Tierart. Insbesondere auch für die Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen lassen sich hierbei in allen Regionen und in allen denkbaren Nutzungsformen des Pferdes sehr positive persönlichkeitsbildende Effekte nutzen. Das Pferd bietet neben gesundheits-fördernder Wirkungen durch den Sport zugleich auch berufliche Perspektiven für Jugendliche und zudem Einkommensalternativen für Landwirte und Gewerbetreibende indem sie ihre Erwerbstätigkeiten mit dieser Tierart teilweise oder sogar vollständig begründen.

Im Agrarstatus Sachsen wird der Pferdebestand gezeigt.

Grafik: Pferdebestand (Quelle: Sächsische Tierseuchenkasse, Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V)

Auf den Gesamtpferdebestand in Sachsen bezogen ermitteln sich 7,6 Pferde auf 1.000 Einwohner. Diese Quote liegt zwar noch deutlich unter dem Durchschnittswert in der Bundesrepublik Deutschland (12 Pferde pro 1.000 Einwohner), hat aber somit unzweifelhaft Entwicklungspotenzial nach oben. Obwohl sich das Pferd in der Bevölkerung nach wie vor großer Beliebtheit erfreut und der Gesamtpferdebestand Sachsens kontinuierlich auf nahezu 31.000 Pferde angewachsen ist, sind die Zuchttierbestandszahlen seit Jahren leicht rückläufig. In der sächsischen Pferdehaltung dominieren kleine private Einzelhaltungen. Auf den registrierten Gesamtpferdebestand entfällt ein Anteil von ca. 40 % eigener Pferde von Landwirtschaftsbetrieben und ca. 60 % auf private Einzelhaltungen sowie Pensionspferde. Die landwirtschaftliche Pferdehaltung wird überwiegend (78 %) in Einheiten mit nur kleinen Beständen (bis max. 10 Pferde) betrieben.

Historisch betrachtet ist Sachsen kein traditionelles Pferdezuchtland. Erst 1873 wurde damit begonnen, die Grundlagen für eine eigene bodenständige Pferdezucht zu schaffen. Mit dem Aufstellen eines eigenen Zuchtzieles und eines Rassezuchtprogramms entwickelte man unter Nutzung weiterer Importe von Zuchttieren aus Oldenburg und Ostfriesland das Schwere Warmblutpferd für den wirtschaftlichen Einsatz. Heute ist die kontinuierlich in Reinzucht gezüchtete Rasse weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Das 1828 in Moritzburg gegründete Landgestüt betreibt bis heute in Wahrnehmung seines staatlichen Auftrages zur Entwicklung und Förderung der Landespferdezucht mehrere Deckstationen in allen Landesteilen. Die Qualität der lokalen Pferdezuchten konnte maßgeblich verbessert werden. Heutige Nachfolgeeinrichtung ist die 1992 durch den Freistaat Sachsen gegründete Sächsische Gestütsverwaltung (SGV). Ein Verwaltungsabkommen mit dem Freistaat Thüringen regelt das Wirken der SGV im benachbarten Zuchtgebiet, das mit dem sächsischen 2005 durch Verschmelzung im Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V. eine vollständige Vereinigung gefunden hat. Damit wurde ein neues Kapitel der Zuchtarbeit aufgeschlagen. Auch auf dem Weg der Kooperation hat sich der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V. rechtzeitig den Aufgaben der Zeit gestellt. Unter seiner maßgeblichen Mitwirkung ist es in der Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Pferdezuchtverbände (AGS) gelungen, das Deutsche Sportpferd (DSP) als eigenständige Reitpferderasse und als Marke zu etablieren und konkurrenzfähig zu machen.

Aufbauend auf die im Freistaat Sachsen seit der politischen Wende geschaffenen und kontinuierlich ausgestalteten wirtschaftlichen Grundlagen konnten sich Pferdezucht und Pferdesport in einem harmonisch ergänzenden Gleichklang bis heute sehr erfolgreich entwickeln. In den beiden Zuchtbereichen Sachsen und Thüringen ist es bis heute gelungen, den Anschluss an die Hochzuchtgebiete der deutschen Pferdezucht herzustellen und die Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen. Die deutliche Qualitätssteigerung der lokalen Pferdezucht seit 1990 drückt sich in den Erfolgen sowohl in züchterischen wie auch in turniersportlichen Wettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene aus. Inzwischen verbinden sich auch mehrere Europa- und Weltmeisterschaftstitel sowie hochkarätige Champions mit Zuchtprodukten und Pferdesportlern aus dem Verbandsgebiet.

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