Lebensräume für Vögel mit der Landwirtschaft gestalten

Landwirtschaftliche Maßnahmen zur Verbesserung des Nahrungs- und Habitatangebots für Vögel der Agrarlandschaft

Projektlaufzeit:

2013 – 2014

Projektziele:

  • Beobachtung der Wirkungen von Maßnahmen zum Erhalt zur Verbesserung und Entwicklung des Nahrungs- und Lebensraumangebots für Vögel in der Agrarlandschaft, welche auf der Basis eines Maßnahmenkonzeptes von 2008 mit seitdem steigendem Umfang auf den Flächen des Lehr- und Versuchsgutes Köllitsch erprobt und umgesetzt werden.
  • Erfassung der von Vegetationsstrukturen auf Agrarflächen und Bewertung hinsichtlich ihrer Eignung für Vögel.
  • Erfassung des Vorkommens von Arthropoden aus den Familien Käfer, Schwebfliegen, Spinnen und Bienen zur Einschätzung der Verfügbarkeit von Insekten als Nahrungsgrundlage für Vögel auf Agrarflächen.

Projektergebnisse:

  • Von 2006 bis 2008 erfolgten im LVG Köllitsch Untersuchungen (ornithologische Ersterfassung, Habitatstrukturen) zur Situation der landwirtschaftlichen Flächen hinsichtlich des Vogelschutzes. Aufbauend darauf wurde ein Konzept entwickelt, wie die Lebensräume sowie das Nahrungsangebot für die Vögel der Agrarlandschaft erhalten, aufgewertet oder entwickelt werden können. Seit 2008 werden diese Maßnahmen laufend, mit steigendem Flächenumfang umgesetzt. Seitdem wird in regelmäßigen Abständen (2009/2010 : botanische und entomologische Parameter, 2011: ornithologische Vergleichsuntersuchung) beobachtet, welche Wirkungen die laufende Maßnahmenumsetzung auf die Lebensräume und das Nahrungsangebot der Vögel hat. Die Untersuchungen 2013/ 2014 knüpfen an die Untersuchungen von 2009/ 2010 an.
  • Auf den verschiedenen Blühbrachen führten die unterschiedlichen Ansaatmischungen, standort- und pflegebedingte Einflüsse sowie die damit zusammenhängenden Veränderungen des Vorkommens der Pflanzenarten im Pflanzenbestand und die Veränderungen der Vegetationsstruktur im zeitlichen Verlauf zu einer strukturellen Heterogenität und Vielfalt an Pflanzenarten. Dies spiegelt sich in einer ebenso stark variierenden Zusammensetzung der Arthropodenspektren wider. Es kann angenommen werden, dass die Gesamtheit der unterschiedlichen Blühbrachen im LVG Köllitsch auch zu einer vielfältigen, räumlich und zeitlich unterschiedlich ausgeprägten Verfügbarkeit von Arthropoden als Nahrungsressource für Feldvögel beitragen und damit gleichzeitig der Förderung der Biodiversität in häufig monotonen Agrarlandschaften dienen.
  • Die Ergebnisse legen nahe, dass der Einfluss der Blühmischung auf das Arthropodenspektrum und die Individuenzahl geringer ist als der des Standorts. Die unterschiedliche Lage der Brachen innerhalb der Agrarlandschaft spielt vermutlich eine wichtige Rolle. Die benachbarten Feldfrüchte sowie Biotop- und Nutzungstypen (z. B. Gehölzbiotope, Grünland) im Umfeld, beeinflussen wahrscheinlich das Besiedlungspotenzial und die jahreszeitliche Dynamik der Arthropodenfauna auf den Blühbrachen.
  • In beiden Untersuchungsjahren wurde auf den Pflanzen Phacelie, Echter Steinklee, Weißer Steinklee und Kultur-Malve die größte Anzahl an Honigbienen und Hummeln beobachtet. Die Phacelie diente vor allem im Frühsommer (Mitte Mai) den Honigbienen und Hummeln als Nektarquelle. Auch die Kultur-Malve, die Mitte Juni in voller Blüte stand, war sehr attraktiv für Honigbienen und Hummeln. Die Anwesenheit von blühenden Kleearten, wie Rot- oder Schweden-Klee sowie von Disteln führte ebenfalls zu einer höheren Anzahl an Blütenbesuchen durch Honigbienen und Hummeln. Luzerneblüten werden generell von zahlreichen Hautflüglern und Faltern besucht, die Honigbiene zählt dabei zu den häufigsten Blütenbesuchern, aber auch Hummeln nutzen diese Pflanze. Die Luzerne dient der Honigbiene aber meist nur als Honigquelle.
  • Die Ackerrandstreifen ohne Pflanzenschutzmitteleinsatz und Düngung waren für Bienen und Hummeln nicht attraktiv. Von der vereinzelt vorkommenden Beikrautflora wurden, allerdings in relativ geringer Anzahl, übrige blütenbesuchende Insekten angezogen. Die langjährige Fortführung dieser Maßnahme lässt die Entwicklung einer artenreicheren Beikrautflora und eine entsprechende Förderung der Entomofauna erwarten.
  • Im Rahmen der Streifnetzfänge 2013 und 2014 wurden 17 Marienkäfer-, 7 Laufkäfer-, 71 Rüssel- (i.w.S.) und 33 Blattkäferarten erfasst. Davon sind 12 Käferarten bemerkenswert, da sie zu den Rote-Liste-Arten gehören bzw. regional selten sind.
  • 2013 und 2014 wurden 23 Schwebfliegenarten (2 Arten der Roten Liste einschl. Vorwarnliste) auf den Untersuchungsflächen festgestellt. Die meisten dieser Arten sind häufig und verbreitet. Alle 23 Arten wurden auf den Maßnahmeflächen gefunden, davon waren 14 Arten ausschließlich hier anzutreffen.
  • Im Rahmen der Streifnetzfänge 2013 und 2014 wurden 51 Spinnenarten aus 12 Familien erfasst, davon stehen 2 Arten in der Roten Liste, sowohl bundesweit als auch in Sachsen. 73 % der gefundenen Arten sind in Deutschland häufig. In beiden Jahren wurden auf den Wiesenbrüterflächen jeweils die meisten Spinnen gefangen.
  • Der Raumwiderstand (Bewegungsfreiheit) in 0 – 15 cm Höhe war für bodenbrütende Vögel auf den Blühbrachen und den Wiesenbrüterflächen im Mai und Juni eher ungünstig.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 72: Pflanzenbau

Dr. Walter Schmidt

Telefon: 035242 631-7200

Telefax: 035242 631-7299

E-Mail: Walter.Schmidt­@smekul.sachsen.de

Webseite: https://www.lfulg.sachsen.de

Abschlussbericht

Schriftenreihe, Heft 11/2016 »Lebensräume für Vögel mit der Landwirtschaft gestalten«

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