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Die Flusskrebse in Sachsen

Flusskrebsprojekt

»Erfassung der Bestandssituation der Flusskrebse im Freistaat Sachsen - Möglichkeiten für Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen als Voraussetzung für eine Nutzung in der Aquakultur«

Flusskrebse sind die größten beweglichen Wirbellose unserer Binnengewässer. Als Allesfresser und proteinreiche Beute spielen diese markanten Panzertiere nicht nur eine wichtige Rolle in der Ökologie ihres Lebensraumes, sondern haben auch für den Menschen als Delikatesse ökonomische Bedeutung erlangt.

Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Flusskrebse in Europa weit verbreitet und wurden aufgrund ihres massenhaften Auftretens erfolgreich wirtschaftlich verwertet. Mit fortschreitender Industrialisierung verschlechterten sich die Lebensbedingungen für die Krustentiere jedoch zunehmend: Regulierungs- und Verbauungsmaßnahmen an Gewässern sowie Abwassereinleitungen ließen den Bestand in weiten Teilen des Kontinents dramatisch abnehmen.

Der gravierendste Anlass für die bis heute andauernde kritische Bestandssituation der heimischen Flusskrebse war jedoch das plötzliche Auftreten der mit nordamerikanischen Krebsen eingeschleppten Krebspest am Ende des 19. Jahrhunderts. Diese hochinfektiöse und für die europäischen Arten tödliche Erkrankung wird durch den Wasserpilz Aphanomyces astaci (SCHIKORA 1906) verursacht und ließ die ursprünglichen Bestände vielerorts flächendeckend verschwinden. Die Krebspest ist die Hauptursache dafür, dass auch heute noch, trotz deutlicher Verbesserung des allgemeinen Gewässerzustands, alle einheimischen Flusskrebsarten in Deutschland auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen.

Die momentane Verbreitung der Flusskrebse in Sachsen ist nur unzureichend dokumentiert. Daher wurde von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) des Freistaates Sachsen das Projekt »Erfassung der Bestandssituation der Flusskrebse im Freistaat Sachsen - Möglichkeiten für Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen als Voraussetzung für eine Nutzung in der Aquakultur« mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union initiiert. Mit den aus diesem Projekt gewonnenen Informationen können später geeignete Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen erarbeitet werden, um die autochthonen Flusskrebsarten wieder als festen Bestandteil in der sächsischen Limnofauna zu etablieren und ihre wirtschaftliche Nutzung in der Aquakultur wieder aufleben zu lassen.

Bei der Realisierung des Projektes ist die LfL auch auf die Mitarbeit von interessierten Laien und Fachleuten vor Ort angewiesen. Ein Meldeformular für Flusskrebsbeobachtungen sowie ein einfacher und ein ausführlicherer Bestimmungsschlüssel der Flusskrebse sind als pdf-Datei herunterladbar.

Gefördert aus Mitteln des Strukturfonds FIAF gemäß Verordnung (EG) 2792/1999

Nachweise von Flusskrebsen in Sachsen

Krebspest

Die Krebspest ist die gefährlichste Infektionskrankheit der europäischen Flusskrebsarten. Sie wird durch den Fadenpilz Aphanomyces astaci (SCHIKORA 1906) aus der Gruppe der Oomyceten verursacht, der mit amerikanischen Krebsen Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt wurde. Die hochinfektiöse Krankheit verläuft rasch mit hoher Sterberate und ist die Hauptursache für die prekäre Situation der einheimischen Flusskrebsarten. Deshalb wurde ihr Erreger Aphanomyces astaci auch von der Weltnaturschutzunion IUCN als eine der hundert schädlichsten invasiven Fremdorganismen der Welt eingestuft.

Betroffene Arten

Der Erreger der Krebspest befällt zwar alle Flusskrebsarten, jedoch verläuft die Krankheit nur für nichtamerikanische Arten tödlich. Die amerikanischen Arten, wie z.B. der Kamberkrebs, sind gegenüber dem Pilz immun, da sie im Laufe der gemeinsamen Evolution wirksame Abwehrmechanismen entwickeln konnten.

Infektion und Krankheitsverlauf

Die Übertragung der Krebspest findet durch freischwimmende Zoosporen statt, die sich chemotaktisch orientieren. Nach dem Anheften an den Wirt bildet die Zoospore einen Keimschlauch, der bei den nichtamerikanischen Flusskrebsen den Panzer durchbricht und in das Innere des Tieres eindringt . Bevorzugte Orte für diese Invasion sind die Unterseite des Hinterleibes oder die Augenstiele, da hier der Panzer am dünnsten ist. In der Leibeshöhle bilden sich dann aus dem Keimschlauch die Pilzfäden (Hyphen), die bald den ganzen Körper durchziehen. Der Pilz zersetzt dabei enzymatisch das befallene Gewebe, um es als Nahrung aufzunehmen, was schließlich zum Tod des Krebses führt.
Ihre Resistenz gegenüber der Krebspest verdanken die amerikanischen Flusskrebsarten der Fähigkeit, das Eindringen der Pilzhyphen in die Leibeshöhle zu verhindern. Dazu wird der Erreger durch das Einlagern von Melanin (dunkler Farbstoff) im Panzer isoliert und am Weiterwachsen gehindert. Der Pilz stirbt dabei jedoch nicht ab, sondern bleibt weiter virulent und kann bei der nächsten Häutung des Wirtes wieder Zoosporen produzieren.

Lebenszyklus des Krebspesterregers Aphanomyces astaci

Lebenszyklus des Krebspesterregers Aphanomyces astaci

Lebenszyklus des Krebspesterregers Aphanomyces astaci

  1. Nach dem Tod des Krebses oder Häutung bildet der Pilz Sporangien mit der typischen "Sporen-Kugel" aus primären Sporocysten.
  2. Die primären Sporocysten werden durch Bildung von zwei unterschiedlichen gestalteten (heterokonten) Geißeln zur sekundären Zoospore.
  3. Beim Auftreffen auf ein Substrat werden die Geißeln abgeworfen und es entsteht durch Ausbildung einer Schutzhülle eine sekundäre Sporocyste.
  4. Bei Fehlwirten oder anderen ungeeigneten Objekten wandelt sich die sekundäre Sporocyste nach einiger Zeit wieder in eine begeißelte Zoospore um. Dieser Vorgang kann bis zu drei Mal wiederholt werden, bevor die Zoospore abstirbt.
  5. Nach Encystierung auf einem Flusskrebs bildet sich ein Keimschlauch, der den Panzer des Wirtes durchdringt.

Verbreitung

Die Zoosporen selbst können mit ihren Geißeln nur kurze Distanzen überwinden. Die Verbreitung erfolgt hauptsächlich durch Wasserströmung oder durch geeignete Überträger (Vektoren). Die wichtigsten Vektoren der Krebspest sind die amerikanischen Flusskrebse. Auch Fische können zur Verbreitung beitragen, indem sie als Fehlwirte die encystierten Sporen transportieren oder nach einer Krebsmahlzeit die Krankheit mit ihrem Mageninhalt mitführen. Als Vektoren können aber auch Wasservögel oder aquatische Säugetiere in Frage kommen, die die Sporen in Gefieder bzw. Fell mit sich führen. Aber auch der Mensch kann durch Besatzmaßnahmen von Krebsen oder Fischen aus verseuchten Gewässern zur Verbreitung der Krankheit beitragen. Da die Sporen im Trockenen zwei Tage lang und im feuchten Milieu sogar bis zu zwei Wochen überleben, können die Sporen auch durch Fischereigerätschaften, wie z.B. Netze, Boote oder Gummistiefel, verschleppt werden.

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Verbreitung der Krebspest

  • Kein Aussetzen von nichtheimischen Flusskrebsarten in die freie Natur!
  • Flusskrebse nicht als Angelköder verwenden!
  • Fischereigeräte nach dem Einsatz in "verseuchten" Gewässern gut durchtrocknen (länger als 48 Stunden) oder mit geeigneten Desinfektionsmitteln behandeln, bevor sie in nichtinfizierten Gewässern zum Einsatz kommen.
  • Besatz von krebsfressenden Fischen in Gewässern mit hoher Kamberkrebsdichte, um eine weitere Ausbreitung dieser Art zu verhindern.
  • Regelmäßige Krebsbefischung von Kamberkrebsgewässern.
  • Erhalt von Staustufen, um eine Ausbreitung der Krebspest durch amerikanische Krebsarten und Fische zu verhindern.

Weiterführende Literatur:
Oidtmann, B. (1998) Die Krebspest. In: Die Flusskrebse Österreichs (Hrsg. Eder & Hödl), Stapfia 58.

Eavens, L.H. & Edgerton, B.F. (2002) Pathogens, Parasites and Commensales. In: Biology of the Freshwater Crayfish (Hrsg. Holdich, D.M.) Blackwell Science Ltd.

Söderhäll, I. & Söderhäll, K. (2002) Immune Reaktions. In: Biology of the Freshwater Crayfish (Hrsg. Holdich, D.M.) Blackwell Science Ltd.

Culas, A. (2003) Entwicklung einer molekularbiologischen Methode zum Nachweis des Krebspesterregers Aphanomyces astaci SCHIKORA in nordamerikanischen Flusskrebsen (Pacifastacus leniusculus; Orconectes limosus; Procambarus clarkii). Dissertation der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München

Marginalspalte

Bild: Regenerationsfähigkeit: Bei Problemen mit der Häutung oder bei einem Angriff von Fraßfeinden sind Flusskrebse in der Lage, ihre Gliedmaßen selbst abzutrennen. Diese können dann, sukzessive mit jeder Häutung, bis zur vollständigen Größe nachwachsen.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 76: Fischerei

Matthias Pfeifer

Weitere Informationen und Bilder

Aufstellen der Krebsreusen