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Fangmeldungen

Fang einer Meerforelle (Salmo trutta morpha trutta ) in der Kirnitzsch

Am 03.12.2001 fingen Mitarbeiter der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft in der Kirnitzsch bei Bad-Schandau einen größeren Salmoniden. Nach äußerlicher Untersuchung vor Ort wurde der Fang als vollreifer noch nicht abgelaichter Rogner der bisher in der Oberelbe als verschollen geltenden Meerforelle (Salmo trutta morpha trutta) bestimmt. Nach Messung, Wägung und Markierung wurde die Meerforelle in die Kirnitzsch zurückgesetzt. Am 06.12.2001 wurde diese Meerforelle ein weiteres Mal von Mitarbeitern der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, fünf Kilometer entfernt, im Lachsbach bei Rathmannsdorf gefangen.
Sowohl die Markierung als auch die exakt übereinstimmenden Größendaten ermöglichten eine eindeutige Identifizierung beim Wiederfang. Eine Erklärung für den Abstieg in der Kirnitzsch und den erneuten Aufstieg im elbabwärts gelegenen Lachsbach wäre die Suche nach geeigneten Laichpartnern.
Da sich Lachs (Salmo salar), Meerforelle (Salmo trutta morpha trutta) und Bachforelle (Salmo trutta morpha fario) phänotypisch sehr ähneln, wurde die Artdifferenzierung anhand mehrerer äußerlicher Bestimmungsmerkmale vollzogen.
Zur Artunterscheidung wurden die von Schmidt et al. (1996) zusammengetragenen Unterscheidungsmerkmale adulter Lachse und Meerforellen sowie die von Müller (1983) und Bauch (1966) beschriebenen Kennzeichen verwendet.
Für eine DNA-Analyse (genetische Differenzierung von Salmo trutta und Salmo salar) wurde eine Gewebeprobe am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei hinterlegt.
Äußerlich gut sichtbare Kennzeichen für Salmo trutta sind die leicht konkave, an den Enden abgerundete Schwanzflosse, der starke kurze Schwanzstiel und die deutlich hinter dem Auge endende Maulspalte (Abb.1).
Da Salmo trutta kleinere Schuppen hat, kann die Anzahl der Schuppen zwischen Fettflosse und Seitenlinie als weiteres Unterscheidungsmerkmal herangezogen werden.
Relativ sichere Kennzeichen sind die Anordnung der Kiemendeckelknochen - Operculum und Suboperculum stoßen bei Salmo trutta in einem Winkel zusammen (Abb. 2). Weiterhin sind die obersten und untersten Kiemenreusendornen des ersten Kiemenbogens bei Salmo trutta knötchenförmig umgewandelt (Abb. 3).
Eine Abgrenzung der Formen Salmo trutta morpha fario und Salmo trutta morpha trutta orientiert sich weitestgehend am Habitus. Dabei beschränken sich nach Müller (1983) die Unterschiede auf Größe und Färbung. Gut erkennbar sind die nicht umrandeten, dunkelbraunen Flecken auf den Körperseiten und der Schwanzflosse bei der gefangenen Meerforelle (Abb. 1), die sich gut von den weiß bzw. bläulich umrandeten Punkten bei Bachforellen unterscheiden. Die Schwanzflossen von Bachforellen sind nicht gepunktet.

Die Meerforelle war in der Oberelbe wahrscheinlich immer ein relativ seltener Irrgast und galt in Sachsen seit langem als ausgestorben (Füllner et al. 1996).

Meerforellen stiegen früher zusammen mit Lachsen in der Elbe bis nach Böhmen auf. 1923 wurde bei Tetschen ein Rogner mit einem Gewicht von neun Kilogramm gefangen (Flasar & Flasarova 1975).

Bauch (1958) berichtete von Meerforellenfängen aus der Mittelelbe die sich noch bis in die fünfziger Jahre zurückverfolgen ließen.

Meyer et al. (1970) konstatierte Vorkommen der Meerforelle in den Seitengewässern der Elbe von der Mündung bis Hamburg.

Die Verbesserung der Wasserqualität ab 1990 und die nach der politischen Wende durchgeführten intensiven Fischbestandserfassungen brachten auch zur Verbreitung der Meerforelle in der Elbe neue Erkenntnisse. Gaumert & Kämmereit (1993) vermerkten vor allem für Este, Seeve und Ilmenau gute Meerforellenbestände, die im wesentlichen auf langjährige Besatzmaßnahmen zurückzuführen sind.

Von 1990 an wurden auch wieder vermehrt Meerforellenfänge bis in den Bereich der "Mittleren Elbe" gemeldet (Gaumert 2000). Bei einer Funktionsüberprüfung der neuen Fischaufstiegsanlage am Elbewehr bei Gesthacht wurden 1999 zwei Meerforellen gefangen (Schubert & Hagge 2000).

Fladung (schriftliche Mitteilung 2002) registrierte für Oktober 2001 bei Strom-km 378 und für November 2001 bei Strom-km 431-438 jeweils einen Meerforellennachweis durch Berufsfischer in der Elbe. Im Bereich der Havelmündung (Wehr Quitzöbel) wurde am 01.11.1996 und bei Gnevsdorf/Quitzöbel (Strom-km 431-438) am 28.01.1998 eine Meerforelle gefangen (Fladung schriftliche Mitteilung 2002).

Marginalspalte

Bild: Abbildung 1 - Äußerlich gut sichtbare Kennzeichen für Salmo trutta sind die leicht konkave, an den Enden abgerundete Schwanzflosse, der starke kurze Schwanzstiel und die deutlich hinter dem Auge endende Maulspalte

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 76: Fischerei

Matthias Pfeifer

Abbildung 2

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Abbildung 3

Abbildung 3