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Die Fischfauna der sächsischen Mulden

Das Flusssystem der Mulde ist nach dem der Elbe das zweitgrößte Flussgebiet Sachsens. Es entwässert insgesamt ein Einzugsgebiet von ca. 7400 km². Dazu gehören in Sachsen nahezu das gesamte Erzgebirge, das Erzgebirgsvorland und Teile der Leipziger Tiefebene.

Im bereits frühzeitig bevölkerten Muldegebiet (nachweisbar 10.000-8.000 v.u.Z.) entstanden vom 7.-12. Jahrhundert an erste größere Siedlungen.
Eine Folgeerscheinung der Bevölkerungszunahme entlang der Mulden war die umfassende Veränderung der Flüsse durch den Menschen. Erste anthropogene Veränderungen sind der Eintrag feinkörnigen Bodenmaterials als geomorphologische Folgeerscheinung von Waldrodungen.

Zwickauer Mulde am ehemaligen Kartonagenwerk Colditz - Wehranlage im Hintergrund.

Zwickauer Mulde am ehemaligen Kartonagenwerk Colditz - Wehranlage im Hintergrund. Barben wurden in der Zwickauer Mulde nur unterhalb dieses für Fische nicht passierbaren Wehres gefangen.

Den nachhaltigsten Einfluss hatten jedoch bis in die jüngere Zeit hinein Bergbau und dichte Industrieansiedlungen an den wasserreichen Flüssen des Muldesystems ab dem 12. Jahrhundert. Im Zuge der Wasserkraftnutzung entstanden Stauhaltungen und Kunstgräben. In die Flüsse wurden sowohl gehobene Gruben- und nicht mehr benötigte Aufschlagwässer als auch Industrieabwässer eingeleitet.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kann ein Großteil der Flüsse des Untersuchungsgebietes als erheblich durch den Menschen beeinflusst gelten.
Im 20. Jahrhundert führten industrielle und kommunale Abwassereinleitungen zu Extrembelastungen des Muldewassers.
Mit Produktionsstillegungen in der sächsischen Industrie und dem Bau von Kläranlagen entspannte sich die Belastungssituation ab 1990 erheblich.
Die Wasserkraftnutzung erfuhr jedoch durch Reaktivierung, Modernisierung und Neuerrichtung von Kleinwasserkraftanlagen einen starken Aufschwung. Diese Entwicklung führt derzeit erneut zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung der Verhältnisse in den betroffenen Flüssen.
Wie Chroniken belegen (Abb. 1), hatten die aufgrund ihrer hervorragenden Gewässerqualität fischreichen Mulden von jeher eine herausragende Bedeutung für die sächsische Flussfischerei.
Das gesamte Einzugsgebiet der Mulde galt als das bedeutendste Lachslaichrevier in Sachsen.
Aufgrund der starken Verschlechterung der Fischereiverhältnisse initiierte der sächsische Fischereiverein Ende des 19. Jahrhunderts (Generalversammlung des Sächsischen Fischereivereins vom 15. Januar 1885) - "Untersuchungen über den gegenwärtigen Stand der Fischereiverhältnisse im Flussgebiet der Mulde". Diese Recherchen ergaben, dass die meisten fließenden Gewässer des Muldesystems ihren ursprünglichen Fischreichtum fast ganz verloren hatten (Steglich 1895). Die in jüngster Vergangenheit und gegenwärtig ablaufenden Veränderungen im Flusssystem der Mulde waren mehr als einhundert Jahre nach der ersten umfassenden Bestandsaufnahme durch den Sächsischen Fischereiverein, zwingender Anlas für das von der Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft von 1996-1998 realisierte Forschungsvorhaben zum Zustand der Fischbestände in den sächsischen Mulden.
Das Forschungsprojekt wurde mit Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten gefördert.

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Bild: Vereinigte Mulde am Auslaufbauwerk des Muldestausees bei Friedersdorf (Sachsen-Anhalt).

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 76: Fischerei

Matthias Pfeifer

Veröffentlichung