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Aufzucht neuer Fischarten

Der Absatz von Speisekarpfen aus den Teichwirtschaften des Freistaates Sachsen in den letzten Jahren stagniert bzw. ist leicht rückläufig. Um Ertragsausfälle durch fehlenden Karpfenabsatz auszugleichen und die Wirtschaftlichkeit der sächsischen Teichwirtschaften zu erhalten, bietet sich die Produktion von hochpreisigen Nebenfischen auch in Karpfenteichen an.

Als mögliche Fischarten kommen auch verschiedene Perciden in Frage, die sich durch festes, grätenarmes und wohlschmeckendes Fleisch auszeichnen und die damit den gestiegenen Ansprüchen der Verbraucher gerecht werden. Fischen wie dem Zander (Sander lucioperca) oder dem Flussbarsch (Perca fluviatilis) gilt zunehmend das Interesse der Fischereiforschung (BAER et al. 2001; MAYER 2001; WEDEKIND 2001; ZIENERT & WEDEKIND 2001; BAER 2004).

Im Rahmen des Projekts wurden Streifenbarschhybriden auf ihre mögliche Eignung in der Teichwirtschaft untersucht. Diese Hybriden sind eine Wärme liebende, raschwüchsige und robuste Gebrauchskreuzung zwischen Morone saxatilis und Morone chrysops, zwei nordamerikanischen Vertretern der Familie der Wolfsbarsche (Moronidae) (HUDSON 1989). Streifenbarschhybriden (HSB= Hybrid stripped bass) werden weltweit kultiviert. In den USA ist deren Zucht derzeit durch eine der größten Wachstumsraten in der Aquakultur gekennzeichnet (CARLBERG et al. 2000; Knösche 2003). Auch in Deutschland gewinnen Streifenbarschhybriden zunehmend vor allem für Kreislaufanlagen an Bedeutung (WEDEKIND & KNÖSCHE 2000; WEDEKIND 2001; BAER 2004; WEDEKIND &WOLF 2004).

Streifenbarschhybriden

Neben der Aufzucht von Streifenbarschhybriden unter teichwirtschaftlichen Bedingungen wurde auch eine neue, innovative Form der Aquakultur weiter entwickelt. Hierbei handelte es sich um die Umsetzung und Optimierung einer Pilotanlage von PARKER (1988), die in abgewandelter Form von MASSER & LAZUR (1997) als „In-Pond-Raceway“ vorgestellt wurde. In einer kombinierten Teich/Rinnenanlage („In-Teich-Kreislaufsystem“) erfolgte die Aufzucht der Fische in einer Durchflussrinne, welche im Teich stand und mit Wasser aus diesem gespeist wurde. Der Teich selbst diente als Wasserreservoir und als Reinigungsteich.

In-Teich-Kreislaufsystem

Es wurden praxisreife Aufzuchtverfahren für Streifenbarschhybriden erarbeitet und etabliert.

Mit dem „In-Teich-Kreislaufsystem“ wurden neue Wege in der Haltung von Fischen in Teichen beschritten. Die Anlage bietet vor allem bei der Satzfischaufzucht zahlreiche Vorteile gegenüber der konventionellen Bewirtschaftung von Karpfenteichen. Durch die Wasserförderung in die Rinne mit HP-Förderern wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert, Zeiten geringer Sauerstoffsättigungen im Teich können damit überbrückt werden. Gleichzeitig werden mit dem Wasser Stoffwechselendprodukte der Fische und Futterreste aus der Rinne ausgeschwemmt. Es besteht zu jeder Zeit ein genauer Überblick über den Fischbestand in der Rinne. Damit können „Überraschungen“, wie sie bei der Abfischung von Teichen vorkommen, vermieden werden. Die Futtergaben können genau dosiert werden und es ist so möglich, die Fische im Herbst in der gewünschten Größe zur Verfügung zu haben. Zusätzlich wird in die Rinnen Zooplankton eingetragen und steht vor allem kleineren Fischen als Naturnahrung zur Verfügung. Damit lassen sich Futterkosten sparen. Krankheiten können rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Die Fische stehen das ganze Jahr über zur Verfügung und brauchen nur aus der Rinne entnommen werden. Die Abfischung ist unkompliziert und spart Zeit.

Marginalspalte

Bild: Zweisömmrige Streifenbarschhybriden auf dem Sortiertisch

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 76: Fischerei

Matthias Pfeifer

Veröffentlichung