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Pflanzenschutz und Naturhaushalt

Funde von Metazachlor in den Gewässern Sachsens

Ein in Sachsen häufig angewendeter Wirkstoff – Metazachlor – zur Unkrautbekämpfung im Raps gerät ins Zwielicht. Der Wirkstoff und auch seine Abbauprodukte, Metaboliten genannt, lassen sich mit modernen Untersuchungsmethoden und der sehr feinen Laboranalytik in den Gewässern nachweisen. Das betrifft sowohl Grundwasser als auch Oberflächengewässer.
Die WRRL (Wasserrahmen-Richtlinie) und der NAP (Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz) beschreiben die Aufgaben für die Landwirtschaft zur Reduzierung von Risiken, die bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen.

Grundwasser
Für Grundwasser heißt es, die Schwellenwerte für die einzelnen chemischen Stoffe sind einzuhalten und es darf zu keiner Verschlechterung des festgestellten Zustandes kommen.
Sachsen verfügt über 70 Grundwasserkörper (auch länderübergreifend). Alle Grundwasserkörper werden jährlich untersucht. Mit Stand 2015 befinden sich 35 Grundwasserkörper in einem schlechten chemischen Zustand. Dies hat verschiedene Ursachen.
Auch durch den Eintrag vom Wirkstoff Metazachlor und der Metaboliten werden die Grundwasserkörper belastet, wie Labor-Untersuchungen  zeigen.
Je nach Tiefe des Grundwasserleiters und der Deckschicht darüber vergehen zwischen der Anwendung und dem Nachweis im Grundwasser Jahre und Jahrzehnte. Das Grundwassereinzugsgebiet betrifft große zusammenhängende Gebiete, in denen viele verschiedene Landnutzer wirtschaften. Um einem Verbot der Anwendung von metazachlorhaltigen Pflanzenschutzmitteln vorzubeugen, sollten grundwasserschonende Anwendungen zum Einsatz kommen. Damit wird die natürliche Ressource Wasser geschont und für zukünftige Generationen  langfristig gesichert.

Oberflächengewässer
Für Oberflächengewässer wird die Einhaltung der Umweltqualitätsnormen (Grenzwerte) und der Schutz von Gewässerorganismen durch die WRRL (Wasserrahmen-Richtlinie) und den NAP (Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz) gefordert. Im Vergleich verschiedener Bewirtschaftungszeiträume darf es nicht zu einer Verschlechterung des festgestellten Zustandes des Gewässers kommen.
In Sachsen gibt es 646 Oberflächenwasserkörper (OWK) in einer Größe von 10 bis 30 km². Jeder dieser OWK wird innerhalb von 3 Jahren mindestens einmal untersucht. Untersucht werden die wichtigsten zur Anwendung kommenden Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe sowie viele andere Stoffe nach den Vorgaben der Oberflächengewässer-Verordnung (OGewV). In dieser Verordnung sind Umweltqualitätsnormen für einzelne Stoffe festgelegt, für Metazachlor gilt der Wert 0,4 µg/l.
In den letzten Jahren hat sich für Sachsen der punktuelle Eintrag als Haupteintragspfad bestätigt. Gemeint ist damit eine nicht ausreichende Sorgfalt beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, in deren Folge es zu Einträgen über Hof- bzw. Kanalisationseinläufe kommt.
Ein weiterer wesentlicher Eintragspfad für den Wirkstoff Metazachlor sind häufige Anwendungen auf Grund verengter Fruchtfolgen mit Raps.
Aber auch Einträge, die über Bodenabtrag und Drainagen in Oberflächengewässer gelangen. Hervorgerufen werden können diese durch Starkniederschläge zeitnah zum Anwendungstermin oder nicht standortgerechte Bewirtschaftung der Flächen. In deren Folge kommt es zu Erosion und Bodenabtrag auf geneigten Flächen.

Um den Wirkstoff Metazachlor für den Rapsanbau zu erhalten und weiterhin eine effektive Unkrautbekämpfung zu gewährleisten, ist es zwingend erforderlich die Funde in Sachsen im Gewässer zu reduzieren.

Bearbeiter: Anke Hoppe
Stand: 22.06.2018

Pflanzenschutz und Gewässerschutz

Pflanzenschutzmittel können auf unterschiedlichen Wegen in Gewässer gelangen, z. B. durch Erosion, Oberflächenabfluss, Drift oder Drainage. Auch Reinigungsarbeiten an Spritzgeräten, Unachtsamkeit beim Befüllen und unsachgemäße Handhabung von Mitteln können zu Einträgen in Gewässer führen.

Das Sächsische Wassergesetz verbietet die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln im Gewässerrandstreifen in einer Breite von fünf Metern. Gemessen wird ab Böschungsoberkante in Richtung der Behandlungsfläche. Dieser Abstand ist in Sachsen immer einzuhalten, unabhängig von den Anwendungsbestimmungen und Auflagen für die einzelnen Mittel. Ausgenommen sind Wundverschlussmittel zur Baumpflege und Wildverbissschutzmittel.

Bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln werden Anwendungsbestimmungen und Auflagen erteilt, die dem Schutz des Wassers dienen. Der Anwender muss diese Bestimmungen einhalten. Sie sind in der Gebrauchsanleitung des Mittels zu finden, die auf der Verpackung angebracht ist.

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat für ausgewählte Pflanzenschutzmittel die Anwendungsbestimmungen zum Schutz von Oberflächengewässern in einer Präsentation zusammengestellt.

 

Glyphosat und Amphibiensterben?

Im Natur- und Artenschutz, insbesondere auf entsprechenden Internetseiten, wird mit Verweis auf eine US-amerikanische Studie zur Ökotoxikologie des Herbizidwirkstoff Glyphosat ein Zusammenhang zum weltweiten Artenrückgang bei Amphibien (Amphibiensterben) kommuniziert.

Die Veröffentlichung präsentiert die hauptsächlichen Daten dieser Veröffentlichung, Daten zum Wirkstoff Glyphosat, seiner Chemie, Ökotoxikologie und der Anwendbarkeit bzw. Zulassung unter gesamtdeutschen Verhältnissen und den speziellen Bedingungen und Regelungen zum Pflanzenschutz in Sachsen.

Die Bewertung führt zu dem Schluss, dass zwar eine Beeinflussung von Amphibien durch den Wirkstoff nicht grundsätzlich vollständig auszuschließen, aber unter deutschen und insbesondere sächsischen Bedingungen äußerst unwahrscheinlich ist. Es kann und sollte allerdings auch nicht von einem »Null-Risiko« gesprochen werden, so dass insbesondere wegen der Bedeutung des Wirkstoffes für das System der reduzierten Bodenbearbeitung in Sachsen notwendige Maßnahmen abzuleiten sind und Empfehlungen gegeben werden.

Biotopschutz beim Pflanzenschutz

Zum Schutz angrenzender Naturräume (Biotope) müssen bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmittel ggf. bestimmte Abstandsauflagen eingehalten werden. Diese sind nicht nur von den spezifischen Eigenschaften des PSM selbst, sondern auch von der Ausstattung des Naturraumes mit ökologischen Kleinstrukturen abhängig.

Die Ausstattung der Gemeinden mit entsprechenden Strukturen wird durch die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft durch ein spezielles Verfahren ermittelt und in einer Liste im Bundesanzeiger und im Internet veröffentlicht.

Um die Anwendbarkeit und Kontrolle der Abstandsauflagen im Freistaat Sachsen zu verbessern, ist die Situation visuell dargestellt und auf die Originalquelle verlinkt worden.

Marginalspalte

Bild: Beifußblättrige Ambrosie

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Dr. Ewa Meinlschmidt

Pflanzenschutz-Warndienst