Koi-Herpesvirus-Infektion
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Koi-Herpesvirus-Infektion

Projektlaufzeit:

04/2008 - 06/2011

Projektziel:

  • Untersuchungen zu Übertragungswegen von KHV in Wildfischen.
  • Untersuchungen zur Belastung des Ablaufwassers von Teichen mit KHV
  • Untersuchungen zu ökonomischen Auswirkungen geeigneter Präventions- und Sanierungsmaßnahmen
  • Untersuchungen zu ökologischen Auswirkungen der Präventions- und Sanierungsmaßnahmen unter Berücksichtigung von Artenschutz- und Lebensraumschutzapekten.

Projektergebnisse:

  • Nach den Ergebnissen der Teilprojekte »Untersuchungen zu Übertragungswegen der Koi-Herpesvirose (KHV) in Wildfischen« und »Untersuchungen zur Belastung des Ablaufwassers von Teichen mit KHV« kann eine Übertragung der KHV durch Ablaufwasser und Wildfische nicht ausgeschlossen werden. Allerdings scheint der Beitrag dieser beiden Infektionswege deutlich geringer zu sein als bisher angenommen.
  • Hauptinfektionsquelle bleibt damit die Übertragung des Virus durch akut erkrankte oder frisch tote infizierte Karpfen. Eine erfolgreiche Krankheitsbekämpfung ist daher nur in räumlich weit auseinander liegenden Teichgebieten möglich, bei denen eine Verschleppung von infizierten Karpfen durch Wildtiere (Seeadler, Fischadler, Schwarzmilan, Rotmilan, Fischotter, Mink, Waschbär, Fuchs oder Wildschweine) möglichst unwahrscheinlich ist. 
  • Die Sanierung von Teichen durch Entfernung der infizierten Fische, einer mindestens 4-6-wöchigen Trockenlegung der Teiche, Desinfektion mit Branntkalk und einem Neubesatz von KHV-negativen Karpfen ist andererseits grundsätzlich erfolgreich möglich. In den wie eben beschrieben behandelten Teichen waren weder in Fischen, noch im Plankton oder im Wasser der Teiche KH-Virus nachweisbar.
  • Generell kommt einer regelmäßigen Applikation von Kalk in Teichen eine entscheidende Rolle zu. Betriebswirtschaftlich wirkt sich sowohl die Gabe von Kalkmergel, als auch die von Branntkalk günstig auf das Betriebsergebnis aus. Eine erfolgreiche Sanierung von Teichen mit vorangegangener KHV-Infektion ist andererseits vorrangig durch die Applikation von Branntkalk möglich, weil das KH-Virus relativ empfindlich gegen hohe pH-Werte ist und somit durch Branntkalkgaben eine wirksame Reduzierung der Erreger erreicht werden kann.
  • Schäden an adulten Amphibien und deren Reproduktionserfolg waren unter den im Rahmen des Teilprojekts »Ökologie« vorgefundenen Rahmenbedingungen nicht nachweisbar. Das liegt bei den konkreten Untersuchungen einerseits daran, dass die gewünschten Ziel-pH-Werte nicht in jeden Kompartiment der untersuchten Teiche erreicht werden konnten. Andererseits sind aber in eutrophen Gewässern lebende Organismen systembedingt an hohe pH-Werte adaptiert, da diese auch natürlicherweise bei hohen Assimilationsraten der aquatischen grünen Pflanzen auftreten. Zur Bewertung der Toxizität hoher Branntkalkdosierungen auf Pflanzen, Tiere und Biotope in und am Gewässer sind allerdings weitere Untersuchungen unbedingt angezeigt. Eine abschließende Bewertung der Wirkung hoher Branntkalkgaben auf alle betroffenen Organismengruppen und Lebensräume kann im Rahmen dieser Untersuchungen noch nicht gegeben werden.
  • Die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen einer dauerhaft etablierten KHV mit Verlusten können nach den Ergebnissen unserer Untersuchungen von keinem Unternehmen der Karpfenteichwirtschaft in Sachsen auf Dauer getragen werden, zumal sich die Wirtschaftlichkeit der Karpfenteichwirtschaft in den letzten 10 Jahren auch in KHV-freien Unternehmen weiter verschlechtert hat. Die mittleren Abfischungsergebnisse sind einerseits durch die KHV-bedingten direkten Verluste, den KHV-bedingtem Satzfischmangel aber auch durch Besatzreduzierungen als Notmaßnahme der Betriebe zur Schadensminimierung auf ein historisches Tief gesunken. Auf dem gegenwärtigen Ertragsniveau ist eine nachhaltige Bewirtschaftung der in Sachsen vielfach landschaftsprägenden Teichlandschaft nicht mehr gesichert. Die betrifft sowohl den rein betriebswirtschaftlichen Aspekt eines zu geringen Ertragsniveaus. Zu geringe Bewirtschaftungsintensität führt aber auch zur Beschleunigung der Verlandung von Teichen. In Folge niedriger Bewirtschaftungsintensität werden deshalb von den Betrieben in den nächsten Jahren zusätzliche Aufwendungen für Teichpflegemaßnahmen aufzubringen sein.