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Düngung und Nährstoffeffizienz

Bei der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen wird mit den Ernteprodukten eine äquivalente Menge an Nährstoffen abtransportiert. Im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung und Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit müssen sie ersetzt werden. 

Am problematischsten erweist sich die Situation beim Stickstoff. Einerseits gerät dieser Nährstoff in Zeiten intensiven Wachstums schnell in Mangel und begrenzt dann die Ertragsbildung und andererseits kann im Boden verbleibender Reststickstoff in Zeiten ohne Pflanzenbedarf ausgetragen werden. Der Eintrag in die Gewässer erfolgt überwiegend als Nitrat. Da es zumeist vollständig in der Bodenlösung vorliegt, ist es gut beweglich. Mit dem anfallenden Sickerwasser gelangt Nitratstickstoff entsprechend der jeweiligen Standortverhältnisse in Oberflächen- und Grundwasser.

Zur Verminderung des N-Autrages aus dem Boden kann eine Vielzahl von Maßnahmen beitragen. Es geht vor allem darum, die Effizienz des eingesetzten Stickstoffs zu verbessern. Dazu wurden am LfULG zahlreiche Untersuchungen durchgeführt.

Durch eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen kann jeder Landwirtschaftsbetrieb zu einer Minimierung von Nitratverlusten beitragen:

(1) Optimierung des Düngemanagements

  • Düngeplanung mit standortangepassten Planungsmodellen und verbindlichen Richtwerten
  • Realistische Einschätzung des Ertragspotenzials des Einzelschlages in Abhängigkeit von spezifischen Boden- und Standortbedingungen
  • Anpassung der Ertragserwartung an die spezifischen Bewirtschaftungsfaktoren im aktuellen Anbaujahr (z.B. Saattermin, Vorfrucht, Witterungsverlauf)
  • Schlagbezogene Berücksichtigung des pflanzenverfügbaren N-Bodenvorrats (Nmin) zu Beginn der Vegetation
  • Abschätzung des N-Nachlieferungspotenzials des jeweiligen Bodens durch Anwendung von Methoden die über den Ernährungszustand der Pflanzenbestände Auskunft geben (Pflanzenanalyse, Nitratschnelltest, Messungen mittels Sensoren sowie Ermittlung der gewachsenen Biomasse)
  • Verbesserung der Stickstoffeffizienz durch optimale Bodenfruchtbarkeit (pH-Wert, P-, K-, Mg-Versorgung, Humus, Bodenstruktur) und ausgewogener Pflanzenernährung

(2) Effizienter Einsatz von mineralischen Düngern

  • Einsatz präziser Ausbringungstechnik (Teilbreitenregelung, pneumatische Düngerstreuer, u.a.)
  • Anwendung Platzierter- bzw. der Injektionsdüngung
  • Einsatz von teilflächenspezifischen  Düngungsverfahren (Ermittlung des aktuellen N-Bedarfs durch N-Sensoren im Online-Verfahren, Berücksichtigung von Ertragszonen mittels Faktorkarten u.a.)
  • Einsatz stabilisierter N-Düngemittel besonders bei flachgründigen Böden und bei Früchten mit spätem Vegetationsbeginn und längerer Kulturdauer

(3) Verbesserung des Wirtschaftsdüngermanagments und die verlustarme Anwendung der organischen Dünger

  • Bedarfsgerechter Einsatz der anfallenden Wirtschaftsdünger, Verteilung der Wirtschaftsdünger unter Beachtung von mehrjährigen, schlagspezifischen Humusbilanzen
  • Berücksichtigung des düngewirksamen N aus der organischen Düngung (Mineraldüngeräquivalent) bei der Bemessung des mineralischen N-Bedarfs
  • Ausreichende Lagerkapazität und Abdeckung des Güllelagers
  • Ausbringung flüssiger organischer Dünger auf unbewachsenem Boden mit sofortiger Einarbeitung
  • Ausbringung flüssiger organischer Dünger in wachsende Kulturen und auf  Grünland mit verlustmindernder Technik (Schleppschuh, Schlitztechnik)
  • Exaktstreutechnik für Festmist
  • Zeitliche Einschränkung der Ausbringung von flüssigen Wirtschafts- und anderen organischen Düngern nach der Ernte bis vor dem Winter (Ausnahmen gelten bei Ausbringung zu Zwischenfrüchten, Grünland und Raps)
  • Mengenbegrenzung beim Festmisteinsatz nach der Ernte bis zum Winter
  • Nährstoffanalysen in Wirtschaftsdüngern zur exakteren Düngeplanung

(4) Möglichkeiten der fruchtartenspezifischen Optimierung

  •  Einsatz von Herbststickstoff zu Winterungen nur nach Nachweis eines N-Bedarfs durch Nmin-Untersuchung oder Pflanzenanalyse
  • Zeitpunkt der 1. Mineraldüngung unmittelbar vor Beginn der Vegetation
  • Begrenzung der mineralischen und organischen N-Düngung
  • Keine bzw. reduzierte späte N-Gaben
  • Kein N-Ausgleich im Herbst bei Strohdüngung zu Sommerungen

(5) Bodenspezifische Maßnahmen

  • Hemmung der N-Mineralisation im Herbst durch späte und verminderte Intensität der Bodenbearbeitung
  • Reduzierung der herbstlichen N-Mineralisation durch Verzicht auf Stoppelbearbeitung nach der Ernte vor Sommerungen, wenn Anbau von Zwischenfruchten nicht möglich
  • Verminderung der mikrobiellen Aktivität im Herbst durch Anwendung von Direktsaatverfahren zu Winterungen

(6) Informationsaustausch und Weiterbildung

  • Nutzung von bereitgestellten, aktuellen Daten zur Boden und Bestandesführung
  • Regelmäßige Weiterbildung zu neuen Produktions- und Düngungstechniken

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Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 72: Pflanzenbau

Dr. Michael Grunert