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Asiatischer Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis)

Neuer Fund des gefährlichen Baumschädlings im Juni 2015 in Baden-Württemberg - Gefahr besteht auch für Sachsen

Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist ein gefährlicher Schädling, der in Asien beheimatet ist. Er wird immer wieder mit Holzverschlägen und -paletten, hauptsächlich von Granit- und Natursteinlieferungen, nach Europa eingeschleppt. Er befällt im Gegensatz zu einheimischen Bockkäferarten gesunde Bäume. Durch den Fraß seiner Larven verursacht er massive Schäden an Ästen und am Stamm und bringt die Bäume dadurch zum Absterben. Bereits 2012 wurden befallene Bäume in Bonn, Feldkirchen (Bayern) und Weil am Rhein entdeckt. Im August und September 2014 wurden erneut Käfer und Larven in Ahorn- und Kastanienbäumen in der Nähe von München und in Magdeburg festgestellt. Nun wurden im Juni 2015 nur 6 km vom Binnenhafen in Weil am Rhein erneut ein Käfer sowie Larven und Eier in einer Weide gefunden. Durch Fällung der befallenen Bäume wird versucht, den Käfer wieder auszurotten, um weitere Schäden an Laubbäumen in den Städten und im Forst zu verhindern.

Was ist zu tun, wenn verdächtige Käfer oder Bohrlöcher gesehen werden?

Bei einem Auftreten des Asiatischen Laubholzbockkäfers ist schnelles Handeln erforderlich! Je eher man befallene Bäume entdeckt, desto größer ist die Chance den Befallsherd zu eliminieren und eine Verbreitung des Schädlings zu verhindern.

Wer verdächtige Käfer oder Larven findet, sollte

  • diese nicht abtöten, sondern einfangen und in einem Schraubglas aufbewahren,
  • Bäume mit Ausbohrlöchern oder grobem Bohrmehl am Fuß des Stammes oder in einer Astgabel markieren,
  • wenn möglich, Käfer und Symptome fotografieren,
  • anschließend umgehend das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Nossen informieren.

Referat Pflanzengesundheit
Telefon: (035242) 631-9333
E-Mail: pflanzengesundheit@smul.sachsen.de

Wie sehen die Käfer und Larven aus?

Die Käfer sind glänzend schwarz und haben weiße Flecken auf den Flügeldecken. Der Körper des Käfers kann ohne Fühler bis zu 3,5 cm lang werden. Die Fühler sind länger als der Körper und erreichen eine Länge von 4,5 cm bis 8,5 cm. Die Larven sind cremig weiß, werden bis zu 5 cm lang und haben keine Beine. Die Käfer können mit einheimischen, auch unter Naturschutz stehenden Bockkäferarten sowie mit Larven anderer Käfer- und Schmetterlingsarten verwechselt werden (s. Faltblatt des JKI).

Lebensweise

Die Käfer können von Juni bis Oktober zu sehen sein. In dieser Zeit legen sie ihre Eier in die Rinde der Bäume ab. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die zunächst unter der Rinde leben. In ihrer fast zweijährigen Entwicklungsphase fressen sich die Larven dann tiefer in den Holzkörper der Äste und des Stamms. Die Larven verpuppen sich im Baum und die Käfer schlüpfen durch ein Ausbohrloch. Die Käfer fallen durch ihre außergewöhnliche Größe und Färbung auf und sind träge »Flieger«.

Symptome und Schaden

Die Larven verursachen bis zu 3,5 cm breite Fraßgänge in Ästen und im oberen Stamm. Erst die älteren Larven und schlüpfenden Käfer werfen grobe Bohrspäne aus, die in Astgabeln und am Fuß des Baumstamms zu sehen sind. Die fertigen Käfer schlüpfen durch ein kreisrundes Ausbohrloch, das einen Durchmesser von 1 cm bis 1,5 cm hat. Bei einem starken Befall können in einem Baum mehr als 20 Larven fressen. Das kann zum Herunterbrechen von Ästen bis hin zum Absterben der Bäume führen.

Wirtsbäume

Der Laubholzbockkäfer befällt Laubbäume, hauptsächlich Ahorn, Pappel, Rosskastanie, Weide, Birke und Sorbus (Mehlbeere). Nadelbäume werden nicht befallen.

Verbreitung und Verschleppungswege

Das natürliche Verbreitungsgebiet ist Asien (China, Korea, Taiwan). Von dort wurde der Käfer nach Nordamerika (USA, Kanada) und nach Europa (z. B. Österreich, Italien, Frankreich, Schweiz) eingeschleppt. In Deutschland ist er bereits in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt aufgetreten.

Die Käfer und Larven werden hauptsächlich im Holz von Paletten, Kisten und Verschlägen, mit denen Pflastersteine, Granitplatten u. a. Natursteinprodukte von Asien nach Deutschland transportiert werden, eingeschleppt. Hier angekommen, schlüpfen die Käfer aus dem Holz und besiedeln nahe gelegene Laubbäume. Besonders gefährdet sind also Laubbäume in der Umgebung von Großhändlern, Baumärkten und Baustellen, die mit diesen Waren handeln oder sie verarbeiten. Jede Holzverpackung sollte deshalb sorgfältig auf Käferbefall geprüft werden.

Bekämpfung

Die Europäische Union hat einen Durchführungsbeschluss mit Maßnahmen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung des Asiatischen Laubholzbockkäfers erlassen. Diese Maßnahmen sehen strenge Importkontrollen von Risikomaterial wie Holzverpackungen vor. Außerdem werden bei einem Freilandauftreten Quarantänezonen eingerichtet, befallene sowie angrenzende Bäume gerodet und intensive Kontrollen in diesem Gebiet durchgeführt.

 

Rechtliche Grundlagen der Bekämpfungsmaßnahmen

DURCHFÜHRUNGSBESCHLUSS (EU) 2015/893 DER KOMMISSION vom 9. Juni 2015 über Maßnahmen zum Schutz der Union gegen die Einschleppung und Ausbreitung von Anoplophora glabripennis (Motschulsky) (Bekanntgegeben unter Aktenzeichen C(2015) 3772) http://pflanzengesundheit.jki.bund.de/dokumente/upload/6a539_be2015-893a-glabripennis-de.pdf

 

Laubholzbockkäfer mit Bohrloch

Abb. 1: Laubholzbockkäfer mit Bohrloch (Foto: LfULG)

Abb. 2: Einschleppung der Käfer mit  Holzverpackungen (Foto: LfULG)

Abb. 2: Einschleppung der Käfer mit  Holzverpackungen (Foto: LfULG)

Massive Holzschäden durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) an einem Ahorn

Abb. 3: Massive Holzschäden durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) an einem Ahorn (Foto: Dr. Reiner Schrage, Landwirtschaftskammer NRW)

Marginalspalte

Bild: Asiatischer Laubholzbockkäfer Foto: Kenneth R. Law / USDA APHIS PPQ / www.forestryimages.org

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 93: Pflanzengesundheit

Dr. Gunter Schmiedeknecht

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 93: Pflanzengesundheit

Dr. Maureen Möwes

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