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Hinweise für Betriebe

Das Bakterium Xylella fastidiosa wurde in der Europäischen Union zum ersten Mal im Oktober 2013 festgestellt. In Süditalien in der Region Apulien fielen der Krankheit tausende von Olivenbäumen zum Opfer. Xylella fastidiosa wurde 2015 auf Korsika und in Südfrankreich an den Ziersträuchern Polygala myrtifolia nachgewiesen. In Deutschland trat das Bakterium erstmalig Anfang 2016 in Sachsen auf. Ende 2016 meldete Spanien einen massiven Befall auf Mallorca.

Das Bakterium verursacht in Nord- und Südamerika große Schäden im Wein,- Citrus- und Pfirsichanbau. Es befällt über 300 Wirtspflanzen, wird von Xylem-saugenden Insekten, wie den weit verbreiteten Zikaden übertragen, und stellt eine große Gefahr für den heimischen Wein-, Obst- und Zierpflanzenanbau dar. Aus diesen Gründen ist das Bakterium in der EU als Quarantäneschadorganismus gelistet und es wurden umfangreiche Maßnahmen zu dessen Bekämpfung und zur Verhinderung der Einschleppung aus Befallsländern bzw. Verschleppung innerhalb Europas mit dem Durchführungsbeschluss 2015/789 erlassen.

Pflanzenpasspflicht für Wirtspflanzen in der EU

Wirtspflanzen sind zum Anpflanzen bestimmte Pflanzen, ausgenommen Saatgut, der Gattungen und Arten, welche in der Datenbank der EU-Kommission geführt werden und im Gebiet der Union nachweislich mit Xylella fastidiosa befallen wurden.

Für Wirtspflanzen, die außerhalb von abgegrenzten Gebieten also auch in Sachsen produziert werden, besteht eine Pflanzenpass- und damit Kontrollpflicht. Zu diesen Wirtspflanzen gehören u.a. Lavendel, Hebe, Oleander, Rosmarin und Lorbeer. Die Liste der passpflichtigen Wirtspflanzen umfasst zurzeit 69 Arten und Gattungen. Sie wird ständig aktualisiert und kann auf der Internetseite der EU-Kommission eingesehen werden. Erzeuger von Wirtspflanzen müssen bei der zuständigen Behörde (LfULG) registriert sein.

Risikopflanzenarten: Die Pflanzenarten Coffea sp., Lavandula dentata L., Nerium oleander L., Olea europaea L., Polygala myrtifolia L. und Prunus dulcis (Mill.) D.A. Webb wurden nachweislich mehrfach von Xylella fastidiosa befallen und bieten einen leichten Weg für die Ausbreitung der Krankheit in der europäischen Union. Zum Anpflanzen bestimmte Pflanzen der oben genannten Arten dürfen nur innerhalb der Union verbracht werden, wenn diese auf einer Fläche angebaut wurden, die jährlichen amtlichen Inspektionen einschließlich Probenahmen unterliegt. Bei diesen Kontrollen werden auch Latenzproben von nicht symptomatischen Pflanzen genommen und untersucht.

 

Import von spezifizierten Pflanzen

Spezifizierte Pflanzen sind Wirtspflanzen und alle zum Anpflanzen bestimmte Pflanzen, ausgenommen Saatgut, der in Anhang I des Durchführungsbeschlusses 2015/789 genannten Gattungen oder Arten. Im Anhang I sind > 200 Pflanzenarten gelistet.

Um die Einschleppung des Bakteriums aus Ländern außerhalb der EU zu verhindern, wurden von der EU folgende Importbeschränkungen erlassen:

  • Importverbot für Coffea-Pflanzen aus Honduras oder Costa Rica
  • Import von spezifizierten Pflanzen nur aus bei der EU gemeldeten befallsfreien Dritt-ländern mit Pflanzengesundheitszeugnis (z.B. Israel, Kenia, Äthiopien, Kanarische Inseln) und nach visueller Kontrolle beim Import
  • Import von spezifizierten Pflanzen aus Befallsländern (z.B. USA) nur nach Einhaltung strenger Auflagen, mit Pflanzengesundheitszeugnis und nach Testung beim Import
  • Achtung: Seit 14. Dezember 2017 befinden sich auch die Pflanzengattungen Pelargonium spp. und Fraxinus spp. auf der Liste der spezifizierten Pflanzen
  • Import von Pflanzen der Arten Coffea sp., Lavandula dentata L., Nerium oleander L., Olea europaea L., Polygala myrtifolia L. und Prunus dulcis (Mill.) D.A. Webb nur, wenn diese auf einer Fläche angebaut wurden, die jährlichen amtlichen Inspektionen und Probenahmen nach einem definierten Schema unterzogen wurde.

Hinweise zur Überwinterung von spezifizierten Pflanzen

Die Überwinterung von Privatpflanzen birgt grundsätzlich die Gefahr der Einschleppung von Krankheiten und Schädlingen in einen Gartenbaubetrieb. Die Herkunft der Pflanzen ist meistens nicht bekannt. Sie können auch ein Urlaubsmitbringsel aus Italien oder ein unerlaubtes Souvenir aus einem Drittland sein. Kranke Pflanzen zeigen nicht immer Symptome.

Strenge Hygienemaßnahmen sollten eingehalten werden:

  • separate Haltung der Überwinterungspflanzen, getrennt von eigenen Beständen, ist unbedingt zu empfehlen
  • Eingangskontrollen von Pflanzen auf Krankheiten und Schädlinge, bei sichtbarem Befall Zurückweisung der Pflanzen bzw. Behandlung mit PSM
  • regelmäßige Kontrollen der Überwinterungspflanzen, sofortiges Entfernen von kranken oder abgestorbenen Pflanzen
  • Reinigung und Desinfektion von Händen und Werkzeugen nach Pflegemaßnahmen
  • Reinigung und Desinfektion von Stellflächen nach Räumung der Pflanzen aus dem Gewächshaus
  • Beachtung der Grundsätze der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz

Ob bei einem Befall von Überwinterungspflanzen mit Xylella fastidiosa die gesamte Gärtnerei betroffen ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Bei einem Auftreten von Xylella müssen aber in einem Umkreis von 100 m alle spezifizierten Pflanzen getestet und die Wirtspflanzen auch bei negativem Ergebnis vernichtet werden. Das Anbauverbot für Wirtspflanzen und das Verbringungsverbot für spezifizierte Pflanzenarten betrifft je nach Einzelfall die gesamte Gärtnerei.

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