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FAQ - häufig gestellte Fragen zum Befall mit Xylella fastidiosa

Was ist Xylella fastidiosa und warum ist diese Krankheit so gefährlich?

Xylella fastidiosa - auch Feuerbakterium genannt - verursacht eine schwere bakterielle Pflanzenerkrankung. Sie zu bekämpfen ist unmöglich, weil das Bakterium direkt in das Xylem, also die Leitungsbahnen der Pflanze, eindringt und so den Transport lebenswichtiger Stoffe, wie Wasser und Nährstoffe, verhindert. Das bringt die Pflanze zum Absterben.

Für wen ist Xylella fastidiosa gefährlich?

Das Bakterium ist nur für Pflanzen gefährlich. Für Mensch und Tier ist es vollkommen harmlos.

Wie erfolgt die Übertragung des Bakteriums?

Das Bakterium wird durch sogenannte am Xylem saugende Insekten (u.a. Zikaden) übertragen. Diese saugen an den Leitungsbahnen (=Xylem) befallener Pflanzen, nehmen so den Erreger auf und übertragen ihn auf nicht befallene Pflanzen. Bisher ist in Europa nur die auch in Sachsen vorkommende Wiesenschaumzikade als Überträger bekannt.

Durch den Handel mit befallenen Pflanzen kann die Krankheit in neue Regionen verschleppt werden.

Welche Pflanzen können befallen werden?

Xylella fastidiosa kann über 300 Wirtspflanzen befallen. Dazu gehören Laubbäume, Sträucher, Zierpflanzen und Wildkräuter. Eine Liste der bekannten Wirtspflanzen enthält der Anhang des EU-Durchführungsbeschlusses.

Woran erkenne ich, dass meine Pflanze befallen ist?

Da Xylella fastidiosa die Weiterleitung von Wasser und Nährstoffen behindert, verursacht es Symptome wie Vergilbung, Verbräunung, Welke und Absterben von Blättern und Trieben. Die erkrankten Pflanzen können schnell absterben. Diese Symptome können aber auch Anzeichen verschiedener anderer, weit verbreiteter und relativ ungefährlicher Krankheiten oder Mangelerscheinungen sein, so dass eine Diagnose sehr schwierig ist.

Viele infizierte Pflanzenarten zeigen allerdings gar keine Anzeichen einer Erkrankung.

Was sollte ich bei Verdacht tun?

Bitte wenden Sie sich an die zuständige Gemeindeverwaltung oder an das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Referat Pflanzengesundheit. Ein Vorort-Termin wird umgehend mit Ihnen vereinbart. Es besteht Meldepflicht.

Wie konkret wird ein Befall festgestellt?

Von den symptomatischen Pflanzen werden Proben entnommen und im Labor untersucht.

Was geschieht bei bestätigtem Befall?

Die befallene Pflanze muss vernichtet werden. Es wird eine Befallszone eingerichtet, in der alle Pflanzen vernichtet werden, die dieselbe Herkunft haben oder aufgrund Ihrer Nähe wahrscheinlich befallen sein können. Im 100 m-Umkreis um die positiv getesteten Pflanzen werden alle Wirtspflanzen, die als anfällig für den Erreger gelten, sowie alle Pflanzen mit Symptomen entfernt. Um die Befallszone wird eine Pufferzone mit einem Radius von mindestens 5 km eingerichtet. Aus diesen Zonen heraus besteht Verbringungsverbot. In den Zonen werden intensive Kontrollen durchgeführt.

Wer ordnet diese Maßnahmen an?

Die zuständige Behörde ordnet alle Maßnahmen an und ist zuständig für die Überwachung der Umsetzung. In diesem Fall ist es das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Referat Pflanzengesundheit.

Welche Pflanzenarten müssen vernichtet werden?

Es müssen in einem Umkreis von 100m unabhängig von ihrem Gesundheitszustand alle Wirtspflanzen vernichtet werden. Die Liste der Wirtspflanzen wird auf Basis neuer Erkentnisse ständig aktualisiert und kann auf der Homepage der EU Kommission eingesehen werden. Von der Vernichtung sind je nach aufgetretener Unterart von Xylella fastidiosa Pflanzenarten wie Kirsche, Pflaume, Pfirsich, Wein, Lavendel, Oleander, Olive, Zitrone oder Berg-Ahorn betroffen.

Warum müssen die Pflanzen vernichtet werden, obwohl die Testungen keinen Befall zeigten?

Der Erreger könnte schon latent unter der Nachweisgrenze in der Pflanze vorhanden sein. Das Bakterium könnte sich dann möglicherweise im Laufe der Zeit vermehren und so angereichert als potentielle Übertragungsquelle dienen. Die Vernichtung ist daher eine Vorsorgemaßnahme.

Welche Pflanzenarten sind vom Verbringungsverbot betroffen?

Alle Pflanzengattungen und -arten, die im Anhang I des EU-Durchführungsbeschlusses 2015/789 aufgeführt sind. Nach aktuellem Stand betrifft dies über 200 Pflanzen. Davon sind allerdings nicht alle in Deutschland heimisch, ein Teil dieser Pflanzen wird jedoch als Kübelpflanzen gehalten.

Was für Pflanzenmaterial ist konkret vom Verbringungsverbot betroffen?

Pflanzen zum Anpflanzen, Stecklinge, Steckhölzer – also lebendes Pflanzenmaterial, welches zur Erzeugung von weiteren Pflanzen genutzt werden kann.

Welches Pflanzenmaterial ist vom Verbringungsverbot nicht betroffen?

Nicht betroffen sind Obst, Gemüse, Getreide, sonstiges Erntegut, verarbeitete pflanzliche Produkte, Holz, Schnittblumen und pflanzliche Abfälle.

In welchem Umfang besteht das Verbringungsverbot von Pflanzen?

Das Verbringungsverbot gilt innerhalb der Pufferzone für alle Pflanzen, die im Anhang I des EU-Durchführungsbeschlusses 2015/789 gelistet sind. Es ist verboten diese Pflanzen aus der Pufferzone zu bringen. Zudem dürfen die gelistete Pflanzen nicht aus der Befallszone in die Pufferzone verbracht werden.

Für wen gilt das Verbot des Verbringens von Pflanzen nach außerhalb der abgegrenzten Gebiete?

Dieses Verbringungsverbot gilt für jeden, also Privatpersonen und Personen, die beruflich mit der Produktion, dem Handel und dem Anbau von Pflanzen zu tun haben.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Jährlich werden im 5 km Radius, also im abgegrenzten Gebiet, Kontrollen auf symptomatische Pflanzen durchgeführt und Proben entnommen. Dies geschieht sowohl im öffentlichen Grün, an landwirtschaftlich genutzten Flächen, im Wald, aber auch auf Privatgrundstücken.

Muss ich Kontrollen auf meinem Grundstück zulassen? Dürfen die Kontrolleure mein Grundstück auch in meiner Abwesenheit betreten?

Es besteht Betretungsrecht. Der Zugang ist zu gewährleisten und sicher zu stellen. Die Inspektoren werden sich mit den Grundstückseigentümern bzw. Nutzungsberechtigten im Vorfeld abstimmen.

Wie lange werden die Maßnahmen andauern?

Die Maßnahmen gelten vorerst für die nächsten fünf Jahre, also bis mindestens Ende 2020. Wird ein weiterer Befall festgestellt, erweitern sich die abgegrenzten Gebiete und die Maßnahmen verlängern sich um fünf Jahre ab der Feststellung des neuen Befalls.  

Für den Sonderfall eines isolierten Auftretens und bei Durchführung eines definierten Probenahmeschemas kann der Zeitraum der Maßnahmen reduziert werden. Das LfULG prüft derzeit, ob dieser Ausnahmefall auch auf das abgegrenzte Gebiet in Sachsen angewendet werden kann.

Wie kann ich meine Pflanzen vor Befall schützen?

Erwerben Sie nur Pflanzen aus dem Fachhandel. Diese Pflanzen werden von Pflanzenschutzdiensten regelmäßig kontrolliert und bieten so größtmögliche Sicherheit vor Befall. Außerdem birgt die Mitnahme von Pflanzen aus Urlaubsregionen ein sehr großes und unterschätztes Risiko. So zählen beispielsweise Korsika, Südfrankreich, die Inseln der Balearen, Südspanien und Süditalien als Befallsgebiete für das Bakterium Xylella fastidiosa.

Gibt es Ausnahmeregelungen?

Bei Nachweis eines isolierten Befalls und unter bestimmten Voraussetzungen kann die Breite der Pufferzone und die Dauer der Maßnahmen reduziert werden. Dabei handelt es sich jedoch um eine Einzelfallentscheidung, die abhängig von den örtlichen Begebenheiten ist und individuell geprüft werden muss. Es empfiehlt sich eine intensive Zusammenarbeit mit dem zuständigen Pflanzenschutzdienst.

Hinweise und Mitteilungen an:

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat Pflanzengesundheit

Telefon: 035242/ 631 9333

E-Mail: pflanzengesundheit@smul.sachsen.de

 

 

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