Aktueller Pflanzenbaurat vom 22.06.2011
Pflanzenschutz
Die wechselhafte Witterung der letzten Tage mit regional sehr unterschiedlich starken Niederschlägen hat in Kartoffeln ein Ansteigen der Infektionsgefahr durch die Krautfäule (Phytophthora infestans) bewirkt. Im Feldbestand wurde bisher (Stand 22.06.11) noch kein Krautfäulebefall festgestellt. Für fast alle Regionen in Sachsen hat das Prognosemodell SIMPHYT bereits den Spritzstartbeginn signalisiert.
Zu Beginn der Behandlungen stehen die systemischen Mittel im Vordergrund. Dazu gehören auch weiterhin die Metalaxyl-M bzw. Benalaxyl-haltigen Mittel. Epok, Fantic M und Ridomil Gold MZ sollten jedoch nur einmal eingesetzt werden und nur dann, wenn noch kein Befall mit Krautfäule sichtbar ist. Hier ist der Wirkstoffwechsel besonders wichtig. Als weitere systemische Mittel mit einem anderen Wirkstoff (Propamocarb) stehen noch Infinito und Proxanil zur Verfügung. Die Fortsetzung der Behandlungen kann dann in Abhängigkeit vom Witterungsverlauf mit systemischen oder lokalsystemischen Mitteln bzw. Kontaktmitteln erfolgen.
Weiterhin ist auf Kartoffelkäferbefall zu achten. Regional wurde auf Einzelschlägen ein stärkeres Auftreten festgestellt. Wichtig für einen Erfolg bei der Kartoffelkäferbehandlung ist, dass die ersten beiden Larvenstadien behandelt werden. Zur richtigen Terminierung des Insektizideinsatzes empfehlen wir die Entscheidungshilfe SIMLEP. Nach Eingabe des Zeitpunktes für den Fund des ersten Eigeleges wird das Auftreten von Jung- und Altlarven sowie der optimale Behandlungszeitraum berechnet. Das Prognosemodell SIMLEP steht allen Pflanzensschutzwarndienstabonnenten unter www.isip.de zur Verfügung. Um die sehr gute Wirksamkeit der Neonicotinoide gegen den Kartoffelkäfer zu erhalten, ist es dringend notwendig, ein Resistenzmanagement anzuwenden (siehe Broschüre »Hinweise zum sachkundigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Ackerbau und auf dem Grünland 2011« S. 198).
Dr. Kraatz
