Aktueller Pflanzenbaurat vom 18.05.2011
Pflanzenschutz
Die aufgelaufenen Kartoffelbestände sind rechtzeitig auf Erstinfektionen durch die Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) zu kontrollieren. Bei anhaltend feucht-warmer Witterung und ergiebigen Niederschlägen ist insbesondere in früh aufgelaufenen Beständen auf Stängelbefall mit Krautfäule zu achten. Dieser tritt vor allem dann auf, wenn befallene Knollen in nasse Böden gepflanzt werden und während des Auflaufens stauende Nässe vorhanden ist. Für den optimalen Spritzstart empfehlen wir die Nutzung des Prognosesystems SIMPHYT unter www.isip.de. Mit dem Prognosemodell SIMPHYT wird der Epidemiebeginn der Krautfäule der Kartoffel (Phytophthora infestans) in Abhängigkeit von Temperatur, Luftfeuchte, Niederschlag, Sortenresistenz und Auflauftermin berechnet.
Im Kartoffel-Vermehrungsanbau ist auf den rechtzeitigen Beginn der Vektorenbekämpfung zu achten. Die ersten virusübertragenden Blattläuse wurden bei den Auswertungen der Gelbschalen ermittelt. Die erste Vektorenbekämpfung wird sofort nach dem Auflaufen der Bestände (30 – 50 % der Pflanzen) empfohlen. Um eine optimale Abwehr der Übertragung des Y-Virus zu erreichen, empfiehlt sich der Einsatz eines Pyrethroides (Sumicidin Alpha EC oder Karate Zeon), welches gleichzeitig eine abschreckende Wirkung gegenüber den Blattläusen besitzt (Repellenteffekt) und die Läuse von einem Kurzaufenthalt auf den Kartoffelpflanzen abhält. Informationen zu den in Sachsen durchgeführten Blattlaus-Monitoring finden Sie auch im Internet unter www.smul.sachsen.de/lfulg.
Mit dem Auflaufen der Kartoffelbestände sind auch wieder Kontrollen zum Kartoffelkäferauftreten notwendig. Örtlich wurden Käfer und erste Eigelege gefunden. Wichtig für einen Erfolg bei der Kartoffelkäferbehandlung ist, dass die ersten beiden Larvenstadien behandelt werden. Zur Ermittlung des optimalen Bekämpfungstermins können alle Warndienst-Abonnenten das Prognosmodell SIMLEP nutzen. Das Modell steht unter www.isip.de unter »Entscheidungshilfen« - »Kartoffeln« - »Kartoffelkäfer« zur Verfügung. Für die schlagspezifische Berechnung ist der Termin »Fund erstes Eigelege« wichtig.
Dr. Kraatz
Pflanzenbau
N-Spätgabe zu Winterweizen
Für das Erreichen der geforderten Parameter im Qualitätsweizenanbau (Rohprotein und Sedimentationswert) ist eine gezielte N-Spätdüngung in den meisten Fällen unentbehrlich. Das ausgeprägte Niederschlagsdefizit der letzten Wochen hat zu einer starken Beanspruchung der Bodenwasservorräte geführt. Das trifft besonders für leichte, sorptionsschwache Standorte zu. Hier treten bereits Trockenschäden auf. Infolge der ausgetrockneten Krume ist vielerorts die Schossergabe noch nicht vollständig zur Wirkung gekommen. Die Niederschläge Mitte Mai haben den Bodenwasservorrat nur unwesentlich verbessert. Aus den geschilderten Gründen ist die richtige Ermittlung des N-Düngebedarfs besonders wichtig.
Mit Hilfe des Nitrat-Schnelltestes oder des N-Testers kann der konkrete N-Versorgungszustand und somit der N-Düngebedarf bestimmt werden. Bei Einsatz der N-Sensortechnik ist die richtige Kalibrierung besonders wichtig. Spotmessungen oder Leerfahrten in ausgewählten Fahrgassen können das Kalibrieren erleichtern.
Grundsätzlich sollten die Spätgaben nicht pauschal, sondern vor allem in Abhängigkeit von der realen Ertragserwartung und dem aktuellen
N-Ernährungszustand kalkuliert werden. In der Regel sind 60 kg N/ha zum Erreichen hoher Rohproteingehalte ausreichend. Bei sehr hohem Ertragsniveau über 80 dt/ha können Gaben bis zu 80 kg N/ha sinnvoll sein.
Bereits durch Trockenstress beeinträchtigte Bestände benötigen keine oder nur eine geringe Spätgabe. Der Zeitpunkt der 3. N-Gabe sollte sich vorrangig nach der aktuellen N-Pflanzenversorgung richten. Grundsätzlich sind Bestände mit hohem N-Düngebedarf sowie Standorte mit regelmäßiger Vorsommertrockenheit und schneller Abreife zuerst zu düngen (Ende Schossen bis Beginn Ährenschieben). Bei geringerem N-Bedarf hingegen und ausreichender Wasserversorgung sind N-Gaben bis spätestens Beginn der Blüte möglich. Allgemein wirken frühe N-Gaben (Ende Schossen bis Beginn Ährenschieben) stärker ertragserhöhend, späte (Blüte) dagegen verbessern hauptsächlich den Rohproteingehalt. Als fester N-Dünger ist KAS wegen seiner schnellen und sicheren Wirkung zu bevorzugen. Die Ausbringung von AHL mit Schleppschläuchen ist ebenfalls möglich. Harnstoff kann mit gutem Erfolg bei ausreichender Bodenfeuchte bzw. bei zu erwartenden Niederschlägen eingesetzt werden. Des Weiteren ist zu beachten, dass nur gesunde und standfeste Bestände den verabreichten Stickstoff gut in Ertrag und Qualität umsetzen können.
Dr. Albert
